Die ersten Stunden

Ersten Stunden

Die ersten Stunden nach der Geburt sind für Eltern und Kind gleichermaßen eindrucksvoll. Hier wird ein Stück weit die Basis für eine gesunde zukünftige Beziehung gelegt. Die Hebamme Friese-Berg hat für Sie Studienergebnisse und Eindrücke aus ihrer eigenen Erfahrung zusammengefasst.

Autor/en dieses Beitrages:
Sabine Friese-Berg, Hebamme aus Konstanz

Die ersten Stunden und Tage

Beziehung und Bindung sind in der Anfangsphase nach der Geburt als reines Element zu beobachten – frei von allen Beziehungsproblemen und Bindungsstörungen, die uns sonst im Alltag begegnen. Die Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit der Geburt wird in diesen Stunden fortgeführt. Die erste sensible Phase ist von besonderer Bedeutung für die weitere Beziehung zwischen Eltern und Kind. Sie ist die Zeit direkt nach der Geburt – die ersten Minuten, die ersten Stunden und Tage – die wichtige Zeit für die Entstehung von Zuneigung zwischen Mutter, Kind und Vater.

Tierexperimente

Bei Tieren ist die sensible Phase von ausschlaggebender Bedeutung für das Überleben der Jungen. Hier entscheidet sich, ob die Mutter ihr Junges annimmt oder verstößt. Bei Rattenexperimenten wurden die Jungen direkt nach der Geburt von der Mutter getrennt und ihr erst nach drei Tagen gebracht. Alle Jungen starben. Bei Ziegenmüttern führte ein nur fünf Minuten dauernder Kontakt nach der Geburt zum Wiedererkennen der Jungen nach drei Tagen ständiger Trennung - jedoch waren die Ziegen in ihrem mütterlichen Verhalten stark gestört.

Die Trennung der Mütter von ihren Neugeborenen hat einen drastischen Effekt auf die Mutter-Kind Beziehung. Die Mütter können die Trennung von ihren Jungen nur eine Zeit lang tolerieren. Wird diese Grenze überschritten, ist das Brutpflegeverhalten irreparabel für diese Brutperiode ausgelöscht.

Nicht nur die Trennung von den Jungen macht es Muttertieren unmöglich, während der sensiblen Phase eine Bindung zu ihren Jungen einzugehen -Vollnarkose hat den gleichen Effekt. Aus einer Herde von 60 Kaffernbüffeln erhielten sechs weibliche Tiere während der Geburt eine Vollnarkose: Alle sechs Mütter weigerten sich, ihre Jungen anzunehmen. Ein lähmendes Betäubungsmittel, bei dem die Tiere bei Bewusstsein blieben, wurde vier anderen Kühen gegeben: Alle vier befanden sich offensichtlich mehr als eine Stunde lang in großem Zweifel; dann nahmen drei ihre Jungen an, während eine Mutter die Annahme verweigerte.

Das mütterliche Verhalten wird durch zwei Faktoren bestimmt: 

  • Durch die Ausschüttung von Hormonen besteht nach der Geburt eine biologische Bereitschaft, die Jungen anzunehmen.
  • Das Verhalten der Neugeborenen-stimuliert die Mütter dazu, sie anzunehmen.

Die biologische Bereitschaft, die Jungen anzunehmen, ist bei Tieren nur ganz kurze Zeit vorhanden .... ebenso besteht bei den jungen eine Bereitschaft, die Mutter anzunehmen ... die Prägbarkeit ist nur während der sensiblen Phase möglich. Um das mütterliche Verhalten über die sensible Phase hinaus zu erhalten, ist die Anwesenheit der Jungen notwendig.“ (Bielitzer 1991)

Studienergebnisse beim Menschen

Bei uns Menschen wird immer wieder diskutiert, wie die erste sensible Phase eine gute Koordination zwischen den kindlichen und den elterlichen Bedürfnissen ermöglicht.

In einer Münchner Langzeitstudie (Staube 19.....) wurden mittels Videodokumentation und drei Fragebögen (im Kreißsaal, drei Tage und sechs Wochen nach der Geburt) folgende variablen Einflussfaktoren für die Entstehung einer Familie und die Förderung frühester Mutter-Kind Beziehung beschrieben:

  • Ruhe und häusliche Bedingungen im Kreißsaal 
  • En-face Position nach der Geburt; Sprechen zum Kind in erhöhter Stimmlage
  • Ausreichende Berührungsqualität mit großflächigem Hautkontakt

Ein einladender Kreißsaal, der eine private Atmosphäre schafft, stützt die erste sensible Phase und lässt diese Bedingungen entstehen.

Klaus und Kenell (1983) haben bei Hausgeburten folgende Beobachtungen gemacht:

  • Die Mutter ist aktiv an ihrer Geburt beteiligt, sie sieht immer, was geschieht und wie ihr Kind geboren wird.
  • Sie nimmt ihr Kind nach der Geburt an sich, die erste Stunde gehört der Mutter ganz allein.
  • Es ist eine Stimmungseuphorie festzustellen in Verbindung mit starker Erregung bei allen Anwesenden.
  • Alle Anwesenden empfinden einen Drang, den Säugling immer wieder für längere Zeit anzuschauen. Die Mutter wird gestützt und liebkost.
  • Das Baby wird sehr bald gestillt. Eingeleitet wird dies durch ein längeres Lecken des Säuglings an der Haut der Mutter.

Klinische Geburtshilfe muss so gestaltet sein, dass sich alle an der Geburt beteiligten Personen Raum nehmen für dieses Erlebnis.

Um die Einstellung und das Verhalten von Müttern, sowie die Interaktion zwischen Müttern und Säuglingen in den ersten Stunden und Tagen des Lebens besser verstehen zu können, benötigen wir noch mehr Untersuchungen über die Auswirkungen unterschiedlicher Entbindungsverfahren und anästhetischer Eingriffe.

Eine gute emotionale Begleitung bei der Geburt und in der sensiblen Phase und eine hausgeburtsähnliche Situation im Kreißsaal fördern eine gute Beziehung zwischen Mutter und Kind.

Unmittelbar nach der Geburt treten Eltern in eine in gewisser Weise einzigartige Phase ein, deren Verlauf unter Umständen langanhaltende Folgen für die Familie hat. Diese Phase ist nur von kurzer Dauer (ca. 2 Stunden).

Situation des Kindes

Für das Kind ist die Zeit der Geburtsarbeit eine Zeit zunehmender Enge; die Geburt ist eine Explosion in einen grenzenlosen Raum. Seine Welt ändert sich mit der Geburt radikal. Die Mutter gibt dem Kind Sicherheit. Im engen Kontakt - von Angesicht zu Angesicht - kann das Kind mit großen Augen schauen. Es ist total offen. 

Das Neugeborene hat noch kein genaues abgegrenztes Körperschema. Es empfindet sich als Mutter und Kind zugleich, saugt und leckt die Mutter. Der Säugling ist unmittelbar nach der Geburt ungewöhnlich wach und aufmerksam, oft deutlich mehr als in den folgenden Tagen. Das Kind braucht nicht an die Brust gelegt zu werden, die fachkundige Hilfe von Experten wirkt eher hemmend als fördernd. Nach der Geburt sollte das Neugeborene dort liegen gelassen werden, wo die Mutter es möchte - es wird angelockt durch Temperaturunterschiede von Haut und Brustwarze und dem Sexualstoff Fermuron, den die Mutter besonders in der Achselhöhle ausströmt und wandert - krabbelt - Richtung Brust. Die typische pickend-suchende Kopfbewegung leitet das erste Saugen ein.

Je weniger in dieser Phase eingegriffen wird, um so besser weiß die Mutter, wie sie ihr Verhalten mit dem ihres Kindes koordinieren muss.

Die Mutter steht unter dem Einfluss sensibilisierender Hormone. Die Laktationsreflexe und die Empfindlichkeit der Mutter für die Stimulation der Brustwarze sind in dieser Zeit ganz besonders stark ausgeprägt. Sie reagieren auf Veränderung, Frequenz, Dauer und Art des Saugens. Eine stabile Beziehung wird dann gegründet, wenn alle Faktoren ausgeschaltet sind. Die Interaktion läuft typischerweise so ab: Mein Kind sorgt für sich, kommt mir näher und ich verstehe es instinktiv. Der erste Schritt hin zu einer guten Beziehung ist vollzogen.

Wir - Hebammen und Geburtshelfer - müssen in der täglichen Arbeitsroutine aufpassen, denn Beobachtungsmethoden und Sicherheitsdenken können die Beziehung zwischen Mutter und Kind stören.

So sehen die Ärzte bei der Dammnaht nicht, wie das Kind auf dem Bauch der Mutter den Kopf hebt und aktiv die Brust sucht. Sie bitten vielleicht sogar die Mutter, ihre Hände unter dem sterilen Abdecktuch zu lassen, so dass sie es nicht wagen kann, ihrem Kind zu helfen. Daraufhin legt die Hebamme das Kind fachgerecht an die Brust, und die Mutter verinnerlicht, dass sie dazu Expertenhilfe braucht. Die Beziehung ist dadurch längst nicht so selbstverständlich. 

Situation der Eltern

Vater - Kind
Vater - Kind

In unserer klinischen Denkweise wird die somatische Unversehrtheit von Mutter und Kind mit größter Anstrengung gewährleistet. Wenn von Sicherheit gesprochen wird, ist dabei die lückenlose Erfassung von Vitalparametern sowie die kunstgerechte technische Intervention bei einer Abweichung von Normalwerten gemeint. Die elterlichen Bedürfnisse und die Kenntnisse über die Beziehungsgründung treten dabei leider in den Hintergrund, obwohl sie für das Gesamtbefinden der Familie aus psychosomatischer Sicht eine wichtige Rolle spielen.

Eine Balance zwischen Sicherheit, Intervention, Bindungsförderung, Zurückhaltung und Privacy sollte das Ziel aller klinischen Handlungen sein. 

Mit Mimik, Körperhaltung und Bewegung geben die Kinder ihrer Mutter bzw. später den Eltern Zeichen von Interesse. Damit die Eltern eine gute Beziehung zu ihrem Kind aufbauen können, sind diese Signale notwendig. Je intensiver die Signale (dies ist der Fall bei ungestörtem ständigem Zusammensein), um so intensiver die erste Prägung: Die ersten Stunden lassen sie in Liebe und Aufmerksamkeit an das Kind heranwachsen.

Bereits im Neugeborenenalter bringen Kinder verschiedene Gefühle zum Ausdruck: Interesse, Unbehagen, Ekel, Erschrecken sind angeborene Ausdrucksformen. Sie können bei Neugeborenen auf der ganzen Welt beobachtet werden. Mutter und Kind amen sich nach, und so beginnt direkt nach der Geburt die Verzahnung zweier Wesen. Die Mutter prägt sich auf das Kind, das Kind auf die Mutter. Der Vater ist miteinbezogen.

Auf alle beantworteten Reflexe folgt ein Lernprozess, welcher in einer Ruhephase gefestigt wird. Ein Beispiel: Das Baby stößt einen Grundton beim Ausatmen aus, die Mutter reagiert, das Kind moduliert, die Mutter reagiert anders usw.

Natürlich hat die Mutter mehr Haut- und Ernährungskontakt mit dem Kind als der Vater, dieser sollte auch nicht gestört werden. Für die Beziehungszukunft und Stillforderung ist ein möglichst ununterbrochenes Dabeisein des Vaters in den ersten Stunden und Tagen von großer Bedeutung, Familienzimmer und volles Rooming-in finden hier ihre Begründung. 
Moderne Kreißsäle brauchen Bedingungen, die den Vätern gute Möglichkeiten bieten, verantwortlich und vor allem auch emotional bei der Geburt beteiligt zu sein.

Die Mutter liebt im Neugeborenen einen Teil ihrer selbst, bei der Geburt trennt sie sich von diesem Teil Kind und begegnet dem Kind außen. Alle Begebenheiten in dieser Phase prägen sich tief ein, niemals wird dieser erste Moment vergessen. Wenn das Kind ständig bei seiner Mutter ist, kann diese ihre Eigenliebe vom Kind innen auf das Kind außen erneuern, kann sie wieder eins werden mit dem Kind und gleichzeitig eine Beziehung zu ihm als Individuum beginnen.

Selbstlose Mütterlichkeit hängt in erster Linie von der Fähigkeit der Mütter ab, ihr Kind in die Eigenliebe mit einzubeziehen. 

Ist das Kind nicht bei der Mutter, so kann sie diese Selbstliebe nicht auf das Kind übertragen. Sie muss sich von ihm lösen. Wenn das Baby später zurückgebracht wird, kann es sein, dass die seelische Loslösung soweit fortgeschritten ist, dass die Mutter in dieser Fähigkeit gestört ist, ihr Kind als Teil von sich selbst anzunehmen. Kommt eine Bindung nicht zustande, so ist es möglich, dass die Mutter ihr Kind als etwas Fremdes behandelt, vielleicht sogar misshandelt, wenn die Bedürfnisse des Babys ihre eigenen Bedürfnisse stören (Kenneil/Klaus 1983).

Störungen durch Klinikroutine und medizinische Maßnahmen

Trennung von Mutter und Kind

Auch der so genannte Baby-Blues, die Depressionen im Wochenbett, tritt stärker auf, wenn die Mutter von ihrem Kind getrennt war. Dieses Problem tritt tragischerweise insbesondere bei Frühgeburten und kranken Kindern auf - wenn sie nach Krankenhausstil von der Mutter getrennt werden. Leider gibt es diesen Krankenhausstil auch immer noch beim Umgang mit gesunden Neugeborenen. Hier ist die Kreißsaalroutine der Feind der sensiblen Phase.

Die Beziehung der Eltern zu ihren Kindern wächst langsam und stetig. Glücklicherweise kann so manche Bindungsstörung der ersten Stunde durch eingehende Begleitung und Bindungsforderung in der weiteren Zeit wieder eingeholt werden. Dies ist eine Besonderheit der menschlichen Spezies.

Kaiserschnitt-Geburt

Aber haben wir nicht gerade nach Störungen am Anfang, z.B. nach einer Kaiserschnitt-Geburt, auch im weiteren Verlauf mit typischen Störungen zu rechnen, z.B. mit Aussprüchen wie diesen: „Kaiserschnitt macht unbeweglich, sie haben sowieso noch nicht so viel Milch, das Kind muss noch mal untersucht werden . ..“(Rosenblum und Kaufman 1967)?

Diese Störungen können dazu fuhren, dass die Mutter ängstlich die Entwicklung des Kindes überwacht, ständig an ihren Fähigkeiten zweifelt, häufig Experten konsultiert. Eine solche Überbehütung, die das Wachsen einer guten Beziehung behindert, wurde auch bei Menschenaffen beobachtet, die ihr Kind nach einer Trennung wieder aufgenommen hatten.

Untersuchungen

Immer wieder ist zu beobachten, dass (die Münchner Langzeitstudie berichtet davon) Eltern ihr gerade geborenes Kind berühren oder Blickkontakt aufnehmen wollen. Sobald ein untersuchender oder auch beiläufiger Handgriff der Hebamme oder des Arztes zum Kind erfolgte, unterbrachen die Eltern diese Kontaktaufnahme um den Fachleuten den Vortritt zu lassen. Nicht selten betonten die Fachleute ihre Vormachtstellung durch Gesten von Wichtigkeit. Ihre Fragen und Bemerkungen und das Auftauchen einer unbekannten Person im Gebärraum hatten ähnliche Folgen.

Nach der Geburt der Plazenta und der Versorgung von Geburtsverletzungen müssen Mutter, Vater, Kind eine Zeitlang ungestört sein können. Das Kind sollte möglichst nackt (Wärme durch Lampen und Tücher) auf oder neben der Mutter liegen, um großflächigen Hautkontakt zu erleben. Angezogene Babys können die Eltern leider nur am Kopf berühren und dieser ist nach der Geburt oft sehr empfindlich.

Medikamente

In Anbetracht der Bedeutung des frühen Mutter-Kind Kontaktes ist es auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass Medikamente, die bei der Geburt gegeben werden, sich auf die sensible Phase störend auswirken können. Brazelton 1961, Krön 1966 und Hodgkinson 1979 haben in unterschiedlichen Untersuchungen festgestellt, dass

  • das Kind nach der Gabe bestimmter Medikamente verzögert die Augen öffnet,
  • schon geringe Dosen ernsthafte Konsequenzen für das neurologische Verhaltensmuster des Kindes haben (Brazelton),
  • die Stillfähigkeit der Mutter und die Nährstoffaufnahme des Kindes beeinträchtigt sind (Kron / Hodgkinson).

Viele Medikamente passieren sehr schnell die plazentare Schranke und haben Einfluss auf das Verhaltensmuster der Neugeborenen, auf ihren Schlaf- und Wachrhythmus, auf ihre Aufmerksamkeit für visuelle Reize, auf ihre Fähigkeit zum erfolgreichen Stillen innerhalb der ersten 24 Stunden. Untersucht wurden: Petithine, Tranquilizer, Barbiturate, Morphinderivate.

Verschiedene Studien konnten sogar beweisen, dass auch eine Periduralanästhesie der Mutter den neurologischen Verhaltenszustand des Neugeborenen verändern kann. Dies ist eine These, die auch Frans Veldmann in seiner wissenschaftlichen Begründung der Haptonomie vertritt.

Eine Oxytocingabe zur Plazentalösung ist in vielen Häusern Routine. Der Natur wird keine Möglichkeit gelassen, die Geburt abzuschließen, es wird gleich gehandelt, als läge ein Notfall vor. In den meisten Fällen jedoch, besonders bei natürlichen Geburten, löst sich die Plazenta von allein, und es treten keine gefährlichen Nachblutungen auf! Ist es nicht oft die Eile, die uns motiviert? Eine Plazentaablösungsphase von 30 Minuten passt heute nicht in die zügig orientierte Kreißsaalroutine.

Abnabelung

Das Kind sollte erst abgenabelt werden, wenn die Nabelschnur auspulsiert hat. Eine späte Abnabelung hat mehrere Vorteile:

  • Durch die zusätzliche Zufuhr von Plazentablut erhöht sich die Gesamtblutmenge des Kindes. Dies ist eine gute Antischocktherapie, denn beim plötzlichen Druckverlust nach der Geburt strömt das Blut in die peripheren Blutgefäße und der Rückfluss zum Herzen ist verringert. Die erhöhte Blutmenge hebt diesen Effekt auf. 
  • Das Kind hat Zeit, seine Atmung zu entfalten, da es - wie vor der Geburt - mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird. Die Nabelschnur hört meistens nach ca. 5-8 Minuten auf zu pulsieren.

Weitere ungünstige Maßnahmen

Ungünstige Einflüsse auf das Neugeborene sind auch durch folgende Maßnahmen zu erwarten: 

  • Silbernitrat nach der Geburt verzögert den Blickkontakt um Stunden.
  • Eine Blutentnahme nach der Geburt erzeugt Interaktionsstörungen bis zu 6 Stunden.
  • Eine Beschneidung nach der Geburt macht sich 2 Tage bemerkbar.
  • Absaugen beeinträchtigt die orale Wahrnehmung.

Auswirkungen auf das Stillen

Mehrere Studien beschäftigen sich mit den Auswirkungen auf das Stillen: Die Untersuchung von Righard et al. 1992 verglich Neugeborene, die während der ersten 1 1/2 Stunden ungestört bei ihrer Mutter bleiben konnten, mit Kindern, die kurz zum Wiegen, Messen und Baden im gleichen Raum von ihrer Mutter getrennt wurden. Sie stellte fest, dass ein Teil der Kinder der zweiten Gruppe häufiger mit Saugverwirrung reagierten und auch weniger lang gestillt wurden. In der gleichen Studie wurden Kinder, deren Mütter während der Geburt Schmerzmittel bekamen, mit Kindern deren Mütter keine Schmerzmittel brauchten, verglichen. Ergebnis: die Kinder der ersten Gruppe zeigten häufiger schon Stillschwierigkeiten beim ersten Anlegen, entwickelten vermehrt eine Saugstörung und wurden weniger häufig und weniger lang gestillt.

Prof. Ackermann-Liebrich von der Uni Basel veröffentlichte 1994 eine Studie über die Stillhäufigkeit und Stilldauer in der Schweiz. Es wurden 2757 Fragebogen verschickt, von den rückläufigen Bögen waren 2098 zu verwerten. Auch hier gab es ähnliche Ergebnisse: Kinder, die in der ersten Stunde nach der Geburt erstmals an die Brust gelegt wurden, wurden später länger gestillt als die Kinder, die erst nach 2-6 Stunden gestillt wurden.

Die Balance, das Zurückhalten, der sparsame Einsatz von medizinischen Maßnahmen und das Eingreifen nur im echten Bedarfsfall – das sind die neuen Aufgaben in der klinischen Geburtshilfe!

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