Prophylaxe für Kinder

Prophylaxe für Kinder

Referent zur 40. Medizinischen Woche Baden-Baden:
Dr. René Madeleyn, leitender Arzt für Kinder- und Jugendmedizin der Filderklinik in Filderstadt

Autor/en dieses Beitrages:
Dr. med. Rene Madeleyn, FA. für Kinder- und Jugendmedizin aus Filderstadt

Einführung

40. Medizinische Woche Baden-Baden

Referent zur Medizinischen Woche Baden-Baden:
Dr. René Madeleyn, leitender Arzt für Kinder- und Jugendmedizin der Filderklinik in Filderstadt

Aus Erfahrung wissen wir, dass die Anthroposophie mit ihrem ganzheitlichen Menschenbild immer einen wertvollen Beitrag zu medizinischen Themen leisten kann. Diesmal hat uns interessiert, wie sie inhaltlich mit dem Leitthema der medizinischen Woche: Vorsorge statt Nachsorge umgeht.
Dr. Kummer aus Karlsruhe, der den Tagesvorsitz innehatte, betonte, „dass die Anthroposophie an sich die spirituellen Dimensionen und die Alltagsfähigkeit der Menschen in den Mittelpunkt stellt." Salutogenese (nach A. Aronovsky wird Gesundheit als Prozess gesehen und nicht als Zustand; Anmerk. d. Red.) ist demnach ein entscheidender Bestandteil des anthroposophischen medizinischen Selbstverständnisses und stellt die Vorsorge in den Mittelpunkt.

Impfungen und Vitamin K?

Dr. Madeleyn: „Wenn wir die knapp 700.000 Geburten pro Jahr in Deutschland betrachten und davon ausgehen, dass alle Kinder, alle (von der STIKO empfohlenen) Prophylaxen erhalten, dann käme jedes Kind auf 12 Impfungen bis zum zweiten Lebensjahr, plus den zusätzlichen Gaben von Jod, Fluor und Vitamin D. Wobei in den 70- er Jahren die fast 1000-fache Menge der heutigen Verabreichung des Vitamins gegeben wurden, was heute als toxisch gilt."
Pause. Hier wurde den Zuhörern die Massivität der ärztlichen Intervention vor Augen geführt.
„Beispiel:
Vitamin K: 1992 gab es eine Fernsehsendung, bei der es um eine Studie aus England ging, die Fr. Prof. Golding durchgeführt hatte. Dabei zeigte sich, dass das Krebsrisiko bei Kindern, bei denen einen Vitamin K Prophylaxe gespritzt wurde, doppelt so hoch war, als bei anderen Kindern, die keine Gabe erhalten hatten. Das sorgte für Aufsehen in Deutschland! Auch bei uns gab es eine höhere Tumorrate, wobei die Daten in Deutschland schwierig zu deuten sind, weil es kein bundeslandübergreifendes einheitliches Krebsregister gibt, das spezifische Auskunft über Epidemiologie und Klinik geben kann.
Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Krebsregister
Die Vitamin K Zufuhr über die Muttermilch beträgt ein Mikrogramm pro Liter. Wenn bei U2 (3. bis 10. Lebenstag) und U3 (4. bis 6. Lebenswoche) Untersuchungen jeweils 3 x 2 mg Vit.K. prophylaktisch verabreicht werden, dann ist das mehr als die 2000. fache Menge der Zufuhr über die Muttermilch! Im Mutterleib selbst bekommt der Embryo überhaupt kein Vitamin K, weil es dadurch zu Chromosomenbrüchen kommen würde. Es hat also einen Grund, wenn die natürliche Zufuhr äußerst gering ausfällt und wir sollten aufpassen, dass wir nicht anfangen, die Natur zu korrigieren. Fluor z.B. bekommen die Säuglinge in der Stillzeit in der Muttermilch auch ausreichend. Sie sind sogar intrauterin vor Fluor geschützt aus guten Grund: wie man in Indien anhand einer Massenvergiftung mit Fluor sehen konnte, kann sich dadurch das Krankheitsbild der spastischen Sklerose ergeben."

Biographischer Bogen

Von der Kindheit bis zum Alter spannt sich, so sagen die Anthroposophen, der individuelle biographische Bogen. Wenn man nun „die häufigsten Entgleisungen, z.B. den Zustand der Mangelversorgung der frühen Kindheit betrachtet, haben wir es meist mit Entzündungen, mit Rachitis (Knochenerweichung), mit mangelnden Gerinnungsprozessen und einer Hypothyreoseneigung (Schilddrüsenunterfunktion) zu tun. Im Alter hingegen finden wir meist verhärtende Prozesse wie, Sklerose, Thrombose" (durch Blutverdickung) „Tumore oder Hyperthyreose als Zeichen der Überformung von Stoffwechselvorgängen. Wir haben es also mit polaren Krankheitserscheinungen innerhalb der Biographie zu tun: von der kindlichen Rachitis zur Cerebralsklerose im Alter. Von der Auflösungstendenz zur Verhärtung. Wenn wir aber nun eine Überprophylaxe betreiben, dann kommt es zu einer frühzeitigen Sklerose der Blutgefäße, wie es Versuche an Ratten schon gezeigt haben. Der Bedarf an zusätzlichen Vitamin oder Mineraliengaben ist jedoch bei jedem Menschen anders und wir sind äußerst vorsichtig damit, was jedem einzelnen Säugling verabreicht werden soll. Auch deshalb sehen wir die Muttermilch, Sonnenlicht und Pulver (meist Apatit: phosphorsaurer Kalk, der auch Fluor enthält; Anmerk. d. Red.) meist als ausreichende Prophylaxe an, um einer Rachitis vorzubeugen. Wenn die Gesichtshaut eines Säuglings im Winter jeden Tag für eine halbe Stunde dem Sonnenlicht ausgesetzt wird, er gestillt wird und er phosphorsauren Kalk erhält, braucht er die zusätzliche Vitamin D Gabe zur festen Knochenbildung nicht. Immer gesetzt den Fall, der Kinderarzt sieht das Kind alle sechs Wochen. Was über Jahrzehnte aber üblich war, dass 500 bis 100 Einheiten pro Tag Vitamin D verabreicht wurden und 400 Einheiten über die Ergänzungsmilch zusätzlich zugeführt wurden, bedeutet eine Überdosierung bis zum achtfachen des täglichen Bedarfs!" Das Fatale an der Situation ist, wie Madeleyn beschreibt: „dass die Auswirkungen dieser Überdosierungen nicht im Kindesalter sichtbar werden", sondern erst im Alter, und zwar dann, wenn sklerotische Prozesse zu früh oder übermäßig schnell fortschreiten.

Spiritueller Aspekt

„Das Kind ist eine physiologische Frühgeburt (nach A. Portman, schweizerischer Zoologe und Naturphilosoph: Begriff, der den Menschen als ein Wesen beschreibt, der alles lernen muss und auf seine soziale Umwelt absolut angewiesen ist; s.a. http://de.wikipedia.org/wiki/Kinderpsychologie) und so sind Auflösungsprozesse, wie oben beschrieben, im gewissen Maße auch physiologisch, ebenso wie Verhärtungen im Alter." Sprich: das Kind hat einen anderen Bedarf als der Erwachsene. „Wenn man jedoch Massenprophylaxe betreibt, wird die Individualität nicht genügend geschützt und provoziert im Alter womöglich Krankheit durch eine unnötig übermäßige Prophylaxe!" Wenn Ärzte sofort nach der Geburt in den kindlichen Organismus eingreifen, der sich bis jetzt im Gleichgewicht befand und noch sehr empfindlich ist, wird ein Ungleichgewicht herbeigeführt, den der Säugling erst einmal verarbeiten muss. Dr. Madeleyn betonte noch einmal, dass er auf sehr individuelle Gaben besteht und dass es keinen Sinn macht, „die Kinder gleich nach der Geburt auf ein Erwachsenenniveau bringen zu wollen." Ein anderer Aspekt, der jedoch zu wenig Beachtung findet, ist die Tatsache, „dass viele typische Kinderkrankheiten manches an Krankheiten verhindern könnten und dass Fieber nicht nur deshalb ein guter Schutz vor späteren Beschwerdebildern ist, sondern auch Allergien verhindern kann." Angesichts der Tatsache, dass Allergien heutzutage unter Kindern weit verbreitet sind, ein wichtiger Hinweis auch für Eltern.

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