Massage beim heranwachsenden Kind

Massage beim heranwachsenden Kind

Eltern, die mit ihren Kindern in körperlicher Berührung bleiben, die die Bedürfnisse und die Entwicklung zur Eigenständigkeit achten, bahnen Wege für einen lebendigen, respektvollen Umgang mit dem Kind und mit sich selbst.

Autor/en dieses Beitrages:
Thordis Zwartjes, Trainer/in Baby- und Kindermassage aus Bad Aibling

Wirkung auf die Eltern

Lesen Sie auch hier im Portal: Babymassage, von der gleichen Autorin

Die Kompetenz der Eltern, sowie das eigenverantwortliche Handeln soll gefördert werden: 
Die Kompetenz bei den Eltern lassen, bzw. sie heranführen, bedeutet ihren Gefühlen, Bedürfnissen und Ansichten mit Respekt zu begegnen. Die Kursleiterin ist Modell für die Eltern. Sie verdeutlicht Absichten, Stimmungen und macht Gefühle bewusst. Sie kann Wege aufzeigen, ohne Lösungen vorzugeben. Die Entscheidung liegt immer beim Elternteil. Er oder sie weiß am besten, was für ihn/sie und das Kind gut ist. 
Zum einen sollen sich die Eltern ernst nehmen und daraus kann auch das Kind mit seinen Bedürfnissen ernst genommen werden. Zum anderen hat die aufmerksame Haltung der Kursleiterin Vorbildfunktion. Viele Eltern sind in Kursen auf der Suche nach möglichen Verhaltensmustern. Das, was eine Kursleiterin vorlebt, wird mehr verinnerlicht, als das, was sie sagt. 

Ziele

Im Verlauf eines Massagekurses werden die Eltern darin bestärken, die Signalreaktionen

  • ihres Kindes zu beobachten,
  • sie zu interpretieren und dann prompt auf die Signale
  • zu reagieren.

Eltern, die sensibel mir ihrem Kind leben, wird es nicht schwer fallen, auch ihr heranwachsendes Kind zu massieren, da die äußeren Bedingungen die gleichen bleiben. Nichts spricht dafür, das Kind ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr zu massieren.

Information

Eine einfühlsame Information zu dem Entwicklungsverlauf, zu den besonderen Bedürfnissen in der jeweiligen Zeit sowie dem veränderten Verhalten dem Kind gegenüber, ermöglicht den Eltern einen Einblick in die aufregende, lebendige und liebevolle Zeit, die vor ihnen liegt.

Anpassung der Massage in verschiedenen und psychischen Entwicklungsphasen:

Je älter die Kinder werden, desto eigenständiger leben sie und oftmals werden sie von den Erwachsenen in ihrem Tun gestört. Das bedeutet, wenn Eltern ihr Kind massieren wollen, sollten sie zunächst einmal genau hinschauen, was das Kind eigentlich tut. Möchte das Kind jetzt eine Massage, oder hat die derzeitige Beschäftigung Vorrang? 
Oft sind die Bedürfnisse von Eltern und Kind nicht identisch. Wenn Eltern erkennen, dass die Massage das Kind in seinem Tun stören würde, verzichten die Eltern auf die Massage. Der respektvolle Umgang miteinander steht im Vordergrund und nicht eine Anspruchshaltung. Alle Kinder suchen Körperkontakt, wollen gestreichelt werden. Der richtige Zeitpunkt entscheidet über ein erfolgreiches Massageerlebnis. 
Darüber hinaus sind wohl die meisten Kinder häufiger für eine Massage bereit, als die Eltern geben können. 
Wenn beide Partner gelernt haben, die Gefühle des anderen zu respektieren, ist eine Massage in jedem Alter ein Balsam für Körper, Geist und Seele.

Massage in den verschiedenen Entwicklungsphasen

Kinder im Krabbelalter

Eltern die den Babymassagekurs besuchen werden aufgefordert, nicht mit der Massage aufzuhören, wenn das Baby anfängt, „wegzukrabbeln". Kinder in dieser Phase sind motorisch sehr aktiv. Sie haben einen ausgeprägten Bewegungs- und Forscherdrang. Darüber hinaus möchten sie fast alles alleine tun. Eltern mit Kindern in dieser Altersstufe haben selten die Möglichkeit, ihr Kind zu massieren, ohne sie in ihren Aktivitäten zu stören. Andererseits sind diese Kinder sehr empfänglich für Körperkontakt und Massage, da sie sich permanent in neue Situationen begeben und ihre Grenzen erfahren wollen. Gerade dann suchen sie nach Sicherheit und Vertrautheit bei den Eltern. Diese Zeit ist geprägt von Erfolgs- und Mißerfolgserlebnissen.

Ziel der Massage:

  • Kompensation (Ausgleich) all zu großer Frusterlebnisse über die Massage
  • Wohlbefinden
  • Körperliche Spannungszustände und Verspannungen können auftreten und durch Massagen mit individuellen Spielen abgebaut werden, z.B. über eine Entspannungsmassage mit einer Fühlgeschichte.

Die Massage einzelner Körperteile mit situativem Hintergrund nimmt zu. Damit ist gemeint, dass Kinder, die häufig über Bauchweh klagen, eigentlich körperliche Zuwendung brauchen. Andere brauchen eine Fußballermassage, weil sie sich wehgetan haben. Hinter häufigen Verletzungen, Kopf- oder Bauchweh steht oft der Ruf nach Zuwendung.

Kinder in der Trotzphase

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Autonomie. Oft reagiert aber das Umfeld ungehalten auf die kleinen Trotzköpfe und deren Eltern. 
Beide bedürfen dringend Unterstützung und Verständnis auf ihrem Weg.

Für Eltern ist es in dieser Zeit wichtig, den Kontakt zu anderen Eltern herzustellen, um den Stress, den diese Entwicklungsphase auslöst, über Gespräche abzubauen. Das Kind braucht Bestärkung in seiner Eigenständigkeit und die Eltern brauchen Bestärkung darin, an Erziehungszielen ruhig, aber konsequent festzuhalten.

Ziel der Eltern sollte sein, sich bewusst auf neue Situationen mit dem Kind einzulassen. Den Kindern soll Raum geschenkt werden, um alleine auszuprobieren, alleine zu entscheiden, „Nein" zu sagen und sich abgrenzen zu können. Die Eltern lernen Schritt für Schritt ihr Kind, auf dem Weg zur eigenen Persönlichkeit, in eine immer eigenständigere Entfaltung zu entlassen. 
Nicht selten sind diese Kinder äußerst aktiv, Ruhe und Entspannung scheinen ihnen völlig fremd und überflüssig zu sein. Die Eltern können versuchen, sie nach einer körperlichen Aktivität, behutsam an die Entspannung heranzuführen. Wichtig sind dabei der richtige Zeitpunkt und eine entspannte Atmosphäre. Druck oder Zwang führen eher zu größere Unruhe. 

Ziel der Massage:

  • Situative Entscheidungsfindung: die Kinder können ihre Bedürfnisse, Vorlieben und Abneigungen gegenüber der Berührung verbal besser artikulieren.
  • Entscheidungen treffen: sich von anderen, inklusive den Eltern, nicht alles gefallen zu lassen (Übergriffe) und vor allem, sich dort fallen zu lassen, sich zu entspannen, wo sie sich sicher und geborgen fühlen.
  • Die Kinder können aus den Folgen lernen. Wenn sie aus Trotz eine Massage oder Körperberührung ablehnen, erleben sie hautnah, dass ihnen auch etwas Schönes entgeht.
  • Eltern und Kinder befinden sich auf einem Experimentierfeld, wo alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden können, sich auf den anderen einzulassen oder sich abzugrenzen.
  • Die Kinder können über die Massage Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl erfahren.

Vorschulkinder

verfügen bereits über ein ausgeprägtes Wahrnehmungsvermögen. Sie haben im besten Falle ausreichend Erfahrungen sammeln können, um zu wissen, was ihnen gut tut und wie sie sich entspannen können. Auf der verbalen Ebene sind die Kinder in immer größerem Maße zu erreichen. Ihr Verständnis und ihr Vermögen, sich auszudrücken wachsen zusehends. Sie sollten auch gelernt haben, „Nein" zu sagen. Kinder, die mit viel Körperkontakt vertraut sind, kennen ihren Körper gut und können diesbezüglich ihre Gefühle besser ausdrücken und ihre Bedürfnisse differenzierter äußern. Das Kind kennt sich durch die Massage im Umgang mit seinem Körper besser aus und fühlt sich deshalb wohl. Die Kinder lernen ihre Gefühle bewusst wahrzunehmen und zu beschreiben, wenn sie dazu aufgefordert werden. Vor der Massage wird das Kind immer um Erlaubnis gefragt. Die Massage wird zum Wohlfühlerlebnis ohne Ziel, ein zweckfreies Tun. Zeit für Zärtlichkeit, Zuhören und Zuwendung. Die Massage wirkt auf der körperlichen Ebene insgesamt ausgleichend. 

Schulkinder

leiden häufig unter Bewegungsmangel. Sie werden emotionalen Belastungen und hohen Anforderungen durch die Schule ausgesetzt. Folglich kommt es bei Schulkindern häufig zu Haltungsschäden, Koordinationsstörungen und Überlastungen. Das Gefühl für den Körper bleibt dabei oft auf der Strecke. Nach körperlicher und geistiger Anstrengung ist eine Massage recht hilfreich. Die Kinder sagen dann oft, wo sie gerne massiert werden wollen. Eine gewisse Scham der Kinder muss respektiert werden. 

Ziel der Massage:

  • Über die Massage durch eine Bezugsperson kann sich das Körpergefühl entwickeln.
  • verschiedenen Massagespiele, die Kinder miteinander spielen, zeigen deutlich, wie gerne sie massiert werden. Viele dieser Spiele basieren auf Berührung und Visualisierung, auf Anregung der Phantasie. Der Bewegungsdrang wird mit einbezogen. Unterschiedliche taktile Reize werden in Kombination mit Sprache und Gesang gesetzt.
  • Auch größere Kinder fühlen sich gerne gut betreut und umsorgt. Manche Krankheit ist oftmals ein Ruf danach.
  • Sporttreibende Kinder, besonders wenn sie Leistungssport betreiben, können über die Massage lernen, auf ihren Körper und seine Signale zu achten.

Diese Altersstufe trägt bereits einen Großteil an Eigenverantwortung, was das Wohlbefinden des eigenen Körpers anbelangt.

Pubertät

In dieser Phase kommt es oftmals zu heftigen Ablösungsprozessen und das miteinander Reden wird schwierig. Die gefühlsmäßigen Höhen und Tiefen der pubertierenden Jugendlichen machen einen Umgang mit Umwelt und Eltern oft unmöglich. Das Verständnis füreinander kann dann größtenteils auf der Strecke bleiben. Massage kann in dieser Zeit hilfreich sein. Die Eltern / oder eine wichtige Bezugsperson geht in Kontakt zum Jugendlichen. Wenn häufig über Kopfweh geklagt wird, wird die Hand an den Kopf oder einfach den Arm um die Schultern gelegt. Da sein und zuhören ist wichtig. Häufig sagen die „Kids" dann: „Tut das gut." Dann kann man fragen, ob sie „mehr" möchten. Oft ist weniger mehr und das Wichtigste ist dann, zuzuhören. Die Jugendlichen fangen häufig an, von sich aus zu erzählen und das zu sagen, was sie wirklich bewegt. Eltern können so lernen, wirklich zuzuhören, nämlich mit dem Herzen. Als Elternteil oder Bezugsperson sollte man versuchen, das Kind zu verstehen, so unsinnig es sich auch anhören mag. Ratschläge sind meist kontraproduktiv. Meist wollen die Heranwachsenden sich nur aussprechen und akzeptiert werden, so wie sie sind. Die Wirkung dieser Zuwendung hat schon vielen Eltern und Kindern in besonders schwierigen Situationen, z.B. bei Depression, Essstörung, Aggressionen, Trauer oder Liebeskummer geholfen und zum richtigen Zeitpunkt, Wunder bewirkt. 
Jugendliche sehnen sich sehr wohl nach körperlicher Zuwendung, auch von den Eltern. Gerade in dieser schwierigen Zeit können Eltern und Jugendliche versuchen, den Zugang zueinander über den Körperkontakt, eine Berührung oder ein liebevolles Streicheln zu finden. 

Ziel der Massage:

  • Die Jugendlichen fühlen sich in dieser Phase der Entwicklung oft unverstanden, weil niemand ihnen zuhört oder berührt. Eltern, die ihren Jugendlichen zuhören und dabei auch in Berührung mit ihnen treten, können einen Kontakt herstellen und dadurch viel von ihnen erfahren.
  • Der Wert einer möglichen positiven Erfahrungen: Wird die Berührung angenommen, kann ohne viele Worte eine Massage gegeben werden. Vielleicht äußert das Kind sogar, dass es gut tut, berührt zu werden. Der Körper und seine Haltung drücken meist schon aus, ob der Jugendliche offen ist oder nicht.

Manchmal ist es allerdings auch gut, auf Körperkontakt und Berührung zu verzichten, wenn er seitens der Kinder abgelehnt wird. Es gibt auch andere Wege, um mit ihnen in Kontakt zu treten. Eltern sind deshalb weder schlecht, noch haben sie versagt. Signale sollten unbedingt respektiert werden. Häufige Verletzungen oder Unfälle können eine Botschaft sein, doch einmal genauer hinzuschauen und zuzuhören. Vielleicht sucht jemand nach mehr Nähe oder Beachtung. Die Erinnerung an die eigene Jugend kann mehr Verständnis und Einfühlungsvermögen wecken. 
Die Frage, „Was habe ich von meinen Eltern erwartet und was habe ich von ihnen bekommen?" kann bei diesem Prozess für beide Seiten hilfreich sein.

Wichtig ist:

  • Massage in jedem Alter, dem Körper und seiner jeweiligen Beschaffenheit, ebenso wie an die körperlichen und emotionalen Bedürfnisse, anzupassen.
  • um Erlaubnis zu fragen.
  • immer auf die Signale und Reaktionen zu achten.
  • bei Bedarf zu verweilen, sich Zeit zu lassen und nachzufragen.

Literaturtipps

1. Berührung, Sensorische Integration, Entwicklungspsychologie

2. Allgemeine Pädagogik

3. Praktische Anregungen:

4. Gruppenleiten und Kommunikation

5. Zeitschriften

  • Geo Wissen: September 93: Kindheit und Jugend
  • Geo Wissen: September 97: Sinne und Wahrnehmung 
  • (beides zwei gut lesbare und interessante Sonderhefte) GEO 3.02 POSSEMEYER INES, HERBRICH, THOMAS: Zivilisationsplage STRESS die Ursachen, die Folgen, die Auswege S.143-169

6. Zeitungsartikel

  • DR. HAUG-SCHNABEL GABRIELE: Sexualität ist kein Tabu, vom behutsamen Umgang mit einem schwierigen Thema, Reihe: Kindergarten heute Herder Verlag 
  • DR. HAUG-SCHNABEL GABRIELE: Aggressionen im Kindergarten, Verständnis und Bewältigung, Reihe: Kindergarten heute, Herder Verlag 
  • DR. HAUG-SCHNABEL GABRIELE: Sich in seiner Haut wohl und stark fühlen- zur Entwicklung des Körpergefühls  Kindergarten heute 10/97, Herder Verlag 
  • UHLE MARGRET:  Jedes Kind braucht einen Roller , Kindergarten heute 
  • NEUMEYER ANNALISA:  Fall nicht Kindergarten heute 11-12/95 
  • PFLUGER- JAKOB MARIA: Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen,  Kindergarten heute 3/96 
  • BARTH KARLHEINZ: Kindheit im gesellschaftlichen Wandel, Kindergarten  heute 10/93

7. Musik

  • Ami tomake, Infantastic Versand, www.infantastic.de 
  • Der Weg des Wassers, Musik zum Erleben, Genießen, Entspannen; Soundmotiv Verlag GmbH, Best.Nr.21304
  • Traumwelten, Musik zum Erleben, Genießen, Entspannen; Soundmotiv Verlag GmbH, Best.Nr. 70301
  • Waldkonzert, Musik zum Erleben, Genießen, Entspannen; Soundmotiv Verlag GmbH, Best.Nr.21302

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