Selbstmotivation = Die Dinge selbst in die Hand nehmen

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Jeder von uns kennt Situationen, die nicht unseren Vorstellungen oder Erwartungen entsprechen. Doch wie gehen wir damit um? Anhand einer persönlichen Erfahrung zeigt die Diplom-Psychologin Ilona Bürgel, wie wir mit der nötigen Selbstmotivation unsere Wahlmöglichkeiten nutzen können, wie Selbstmotivation gelingt und warum sie sich lohnt.

Autor/en dieses Beitrages:
Diplom-Psychologin Dr. Ilona Bürgel, aus Dresden

Ich sitze im herrlichen Schloss Lautrach und freue mich beim Frühstück auf den Tag. Ich habe für mich das Seminar „Spiritualität und Unternehmensführung“ gebucht. Wir starten pünktlich 9 Uhr. Die Vorstellungsrunde verspricht interessante und sympathische Teilnehmer, wir alle stellen uns auf zwei Tage Inspiration aus der Welt der Benediktiner ein.

Realität und Erwartungen stimmen oft nicht überein

Erstaunt stelle ich fest, dass ich, anders als erwartet, bereits in der ersten Pause so müde bin, dass ich mich kurz ausruhen muss. Wie kann das sein? Normalerweise bin ich Feuer und Flamme, wenn ich Seminare besuche, die meiner persönlichen Entwicklung dienen. Mir fällt auf, dass die Grundstimmung in der Gruppe dahin tendiert, dass viel Negatives und Belastendes aus dem Unternehmensalltag berichtet wird. Mitarbeiter, die nicht zu finden sind, Menschen, die nur an sich und nicht die Kollegen denken, Konkurrenzdruck auf dem internationalen Markt, das Tempo im Alltag. Auch unser Seminarleiter berichtet von vielen Entwicklungen in der Welt, in Deutschland und innerhalb seiner Arbeit, die kritisch zu sehen sind.

Zunächst gehe ich davon aus, dass die Beschäftigung mit den Herausforderungen unseres Arbeitsalltages als Einleitung dazu dient, bessere Wege mit spirituellen Einsichten zu finden. Doch leider ist dem nicht so. Enttäuscht nehme ich zur Kenntnis, dass es einerseits ein besonderer Moment ist, einem weltgewandten, erfahrenen und bekannten Kirchenmann zu lauschen, andererseits die Erzählungen viel zu oft am Thema vorbeigehen und die Teilnehmer einfach nur zuhören.

Am Ende des ersten Tages bin ich erschöpft anstatt inspiriert, habe für mich wichtige Erinnerungen an die Prinzipien des Benedikt gehört, aber keine Schlussfolgerungen für meinen Alltag, meine Arbeit oder mein Leben ziehen können. Jedoch scheinen außer mir alle zufrieden zu sein. Natürlich hat jeder andere Erwartungen und ich verstehe, dass sich meine Mitstreiter in erster Linie auf eine Auszeit und den Genuss philosophischer Gedankenanstöße eingestellt hatten.

Motivation heißt, seine Wahlmöglichkeiten zu nutzen

Was war zu tun? Ich begann, abzuwägen. Galt es einfach, Geduld zu lernen und mit dem einverstanden zu sein, was angeboten wird? Sollte ich mich der zufriedenen Gruppe anpassen und mich freuen, einem besonderen Menschen, unserem Seminarleiter, zu begegnen? Gehörte es sich überhaupt, in diesen Rahmen etwas Kritisches zu sagen? Lag es an mir, dass ich falsche Erwartungen hatte? Bestand meine Chance in diesem Seminar darin, einfach einmal passiv am Leben teilzunehmen? Sollte ich lernen, dass es nicht immer nach meinem Kopf gehen und trotzdem gut sein kann? Dagegen sprach, dass viel Geld und Reiseaufwand investiert worden waren und jede Stunde eine Stunde meiner kostbaren Lebenszeit war, die ich sinnvoller für mich oder meine Arbeit nutzen konnte. Ich zog telefonisch meinen Partner zu Rate, der die Seite des Respektes vor dem Alter und der Erfahrung betonte und zur Besonnenheit mahnte.

Ich fasste folgenden Plan: Ich wollte bis zur ersten Pause abwarten, ob sich an Führung und Inhalt des Seminars etwas änderte und anschließend entscheiden, ob ich gehe oder bleibe. Ich suchte Taxinummer und Zugverbindungen heraus und ging beruhigt in den Abend.

Doch dann erinnerte ich mich daran, dass es jeder von uns in der Hand hat und einen Beitrag dazu leistet, wie ein Augenblick, eine Veranstaltung verläuft.

Ist es nicht viel zu oft in Familien und Unternehmen so, dass wir uns beklagen, unzufrieden sind, uns etwas stört, wir es jedoch – wenn überhaupt – nur hinter vorgehaltener Hand sagen? Welche Chance also hatte unser Dozent, etwas zu ändern, wenn er gar nicht erfuhr, was mich störte? Ist es nicht vielmehr das eigene gute Beispiel, das allen nützt oder eben auch nicht?

Motivation heißt Selbstverantwortung

Ich änderte meinen Plan und beschloss, aktiv zu werden. Mein Wohlbefinden auch an diesem Ort selbst in die Hand zu nehmen. Ich dachte über ein ausschließlich konstruktives Feedback nach, das der Veranstaltung eine neue Richtung geben und mir mehr Nutzen bringen würde. Gesagt getan, hob ich nach Beginn des zweiten Seminartages die Hand und bat um Anknüpfung an das gestrige Thema Gelassenheit. Und zwar mit den angekündigten – aber noch nicht vorgestellten – konkreten Praxisideen. Ebenfalls bat ich darum, dass wir die Impulse der Benediktiner mit eigenen Praxisbeispielen versehen.

Und es geschah das Wunder, das immer geschieht, wenn sich eine Person positiv engagiert. Sobald ich selbst die Perspektive gewechselt hatte, nahm ich viel mehr Positives wahr. Das Lächeln des Seminarleiters, die interessanten, nun auch positiven Beiträge der Teilnehmer. Ich fühlte mich besser und durch die gemeinsame Aktivität die ganze Gruppe. Die Müdigkeit verschwand und wir begannen uns wirklich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich schilderte eigene positive Beispiele und schon änderte sich die Denkrichtung für alle.

Motivation auf den Punkt gebracht

  • Motivation kann jederzeit aus uns selbst geschöpft werden.
  • Selbstmotivation kann in jeder Situation trainiert werden.
  • Konstruktive Motivation tut uns selbst und anderen immer gut.
  • Selbstmotivation wird mit Hilfe und im Austausch mit anderen einfacher.
  • Verändern Sie Ihre Perspektive, wenn es Ihnen schwer fällt, sich zu motivieren.
  • Sorgen Sie gut für sich: Motivieren Sie sich für die zu Ihnen passenden Dinge.

5 gängige Gründe, sich von Selbstmotivation abbringen zu lassen

  1. Wir fühlen uns nicht für die Situation verantwortlich.
  2. Wir finden, jetzt sind die anderen einmal dran.
  3. Wir sind verärgert, enttäuscht, frustriert und haben keine Kraft.
  4. Wir haben keine Idee, wie es besser ginge.
  5. Es scheint einfacher, eine Situation zu verlassen, als sie zu gestalten.

5 Konsequenzen mangelnder Selbstmotivation

  1. Wenn wir negative Emotionen haben, nehmen wir mehr Negatives wahr.
  2. Wenn wir negativ denken, fühlen wir uns schlechter.
  3. Wenn wir uns schlecht fühlen, verhalten wir uns dazu passend, z.B. passiv – oder stören sogar aktiv.
  4. Wir stecken andere mit unseren Gedanken und Gefühlen an.
  5. Wir starten negative Kreisläufe, in denen sich Gedanken, Gefühle und Verhalten gegenseitig verstärken.

Nutzen selbstbestimmter Motivation in der Arbeitswelt 4.0

Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit sind ein häufig missverstandenes Paar. Wohlbefinden ist schon längst keine Belohnung mehr nach erbrachter Leistung. Sondern Voraussetzung für die Leistung, die wir erbringen wollen und sollen.   

Leistung, die ohne oder auf Kosten von Wohlbefinden erbracht wird, beeinträchtigt sich selbst.

Wenn wir uns selbst angemessen fordern, bringt dies am Ende immer Wohlbefinden. Das gilt für Körper und Geist.

Fragen Sie sich nach dem Sinn Ihres Tuns, dann motivieren Sie sich leichter.

Was hat mein positiver Impuls mit den Ideen der Benediktiner gemein? „Das gute Wort geht über die beste Gabe“ war mein Lieblingsimpuls der beiden Tage. Ich bin sehr zufrieden, dass ich mich selbst dazu motivieren konnte. 

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