Mit Achtsamkeit abnehmen

Mit Achtsamkeit abnehmen

Trotz Diäten kein langfristiger
Erfolg beim Abnehmen? Das ist
kein Grund zum Frust, sondern ganz normal. Deutlich vielversprechender sind Achtsamkeitsübungen, die zu mehr Entspannung, Genuss, einem gesunden Verhältnis zum Essen helfen und so auf lange Sicht zum Wunschgewicht führen.

Durch inneres Gleichgewicht zum Idealgewicht

Achtsamkeit ist en vogue. Ob es darum geht, Stress zu reduzieren, Schmerzen zu lindern, Burnout und Depressionen vorzubeugen, Suchtverhalten zu bekämpfen oder darum, belastende Ernährungsmuster zu durchbrechen – achtsamkeitsbasierte Wege erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Der Grund ist einfach: Achtsamkeitsmethoden sind nachweislich sehr effektiv.

Dies ist eine gute Nachricht für alle, denen daran gelegen ist, in ihrem Leben positive Veränderungen zu bewirken. Und es ist natürlich auch eine gute Nachricht für Menschen, die unter Übergewicht leiden und nach einer sinnvollen, intelligenten Möglichkeit zum Abnehmen suchen.

Falls Sie zu viel wiegen, haben Sie wahrscheinlich auch schon das ein oder andere Mal versucht, gegen Ihre Pfunde anzukämpfen. Es ist gut möglich, dass Sie dabei frustrierende Erfahrungen gemacht haben. Tatsächlich ist der Kampf gegen den eigenen Körper nämlich aussichtslos, denn wer gegen sich selbst kämpft, kann dabei letztlich nur verlieren.
Regelmäßig scheitern unsere guten Vorsätze zum Abnehmen an unserem „inneren Schweinehund“. Die Frage ist nur, ob wir diesen „inneren Schweinehund“ nicht lieber als unseren „inneren Genießer“ bezeichnen sollten. Der Wunsch, sein Leben (und damit auch sein Essen) zu genießen, ist nämlich nicht nur sehr natürlich, sondern durchaus auch sehr gesund. Wenn Ihr „innerer Genießer“ Sie also davon abhalten sollte, zwanghaft Kalorien zu zählen oder sich mit strikten Diäten zu quälen, dann ärgern Sie sich nicht darüber, sondern danken Sie ihm lieber für seine positive Absicht.
Sie können Ihr äußeres Gewicht nicht ins Gleichgewicht bringen, sprich abnehmen, so lange Sie nicht gut auf sich selbst – und das heißt vor allem auf Ihr inneres Gleichgewicht – „achtgeben“ (oder mit anderen Worten „achtsam sind“). Und um Ihr inneres Gleichgewicht wiederherzustellen, führen äußere Regeln und Verbote Sie nicht weiter. Die Tür, die zur inneren und äußeren Leichtigkeit führt, geht nicht nach außen, sondern nach innen auf ...

Diäten funktionieren nicht

Ob Ananas-, Kohlsuppen-, Steinzeit-, Low-Fat- oder Hollywooddiät – eines haben fast alle Diäten gemeinsam: auf lange Sicht funktionieren sie nicht. Das zeigen verschiedene Forschungsergebnisse. In einer Megastudie aus den USA wurden über 30 Langzeitstudien zu verschiedenen Diätvarianten genau analysiert. Das Ergebnis war eindeutig: Auch wenn viele Diäten kurzzeitig zu einer Gewichtsreduktion führten – auf kurz oder lang schnellte das Körpergewicht wieder nach oben.
Es gibt einige Gründe dafür, warum Diäten so selten zum Erfolg führen:

  • Diäten machen Essen zum Feind. Wer Diät führt, dem fällt es schwer, sein Essen zu genießen – kein Wunder also, dass Diäten so häufig abgebrochen werden.
  • Diäten gehen nicht an die Ursachen. Unachtsames und emotionales Essen kann nie dadurch durchbrochen werden, dass wir einige Wochen nur noch Rohkost essen.
  • Diäten sind immer auf das „Nein“ ausgerichtet –  auf Verbote, Regeln, darauf, was wir nicht tun sollen und nicht essen dürfen. Diäten erzeugen ein schlechtes Gewissen und schüren Ängste – sie richten sich gegen unsere Lebensfreude.
  • Die meisten Diäten – und vor allem Crashdiäten – entziehen dem Körper wichtige Nährstoffe. Die Folge ist, dass unser Körper auf sein Notprogramm umschaltet, seinen Energiebedarf senkt und Fett besonders effektiv speichert. Und so ist es kein Wunder, dass es oft so schwer ist, trotz Diät abzunehmen.

Warum hilft Achtsamkeit beim Abnehmen?

Die Zeit für einen neuen Ansatz zur Veränderung belastender Ernährungsgewohnheiten ist reif. Einer der wichtigsten Schlüssel zum Abnehmen ist Achtsamkeit. Durch Achtsamkeit lernen wir, wieder auf uns selbst zu vertrauen und nehmen Kontakt zur Intelligenz unsers Körpers auf. Statt gegen unseren Körper anzukämpfen beginnen wir, harmonisch mit unserem Körper und seinen Bedürfnissen zu leben. Und unter anderem lernen wir dabei, wann wir wirklich hungrig sind und wann wir nur Appetit haben.

Wichtiger als das, „was“ wir essen, ist „wie“ wir essen – in welcher Verfassung unser Geist also während der Mahlzeiten ist. Achtsamkeit richtet das Hauptaugenmerk darauf, in welcher Stimmung, mit welchen Gedanken und Gefühlen und in welchen Situationen wir essen (oder auch zu viel essen). Dabei erkennen wir, ob und inwiefern belastende Stimmungen unser Essverhalten negativ beeinflussen – was leider oft der Fall ist.

Achtsamkeit hilft uns, zu entspannen und offen zu bleiben. Zudem ist Achtsamkeit ein effektives Mittel gegen Stress, und nachweislich ist Stress eine der größten Gefahren für unsere schlanke Linie. Während Stress dick machen kann, reduziert Achtsamkeit Stress. Doch es gibt noch andere Gründe dafür, warum Achtsamkeit beim Abnehmen hilft:

Die Vorteile des achtsamen Essens

Wenn Sie damit beginnen, beim Essen mehr Achtsamkeit zu entwickeln, werden Sie mit der Zeit einige interessante Veränderungen bemerken:

  • Durch Achtsamkeit entschleunigen Sie Ihr Essen. Sie lernen, langsamer, bewusster und entspannter zu essen. Auf diese Weise kann jede Mahlzeit zu einer einfachen Meditation werden, durch die Sie mitten im Alltag durchatmen und zu sich kommen können.
  • Statt sich von den ständig wechselnden Ratschlägen von Ernährungsexperten, Coaches und Prominenten verunsichern zu lassen, lernen Sie durch Achtsamkeit, Ihre eigenen Erfahrungen wieder ernst zu nehmen, sich selbst zu vertrauen und Ihr eigener Experte zu werden.
  • Achtsam zu essen bedeutet, sein Essen mit allen Sinnen zu genießen. Indem Sie lernen, Ihr Essen wieder intensiv zu sehen, zu riechen und zu schmecken, lernen Sie ganz nebenbei auch, wieder intensiver zu leben.
  • Durch Achtsamkeit können Sie schnell erfahren, dass weniger oft mehr ist. Nicht die Menge unserer Nahrung ist entscheidend, sondern die Qualität. Qualität statt Quantität – diese Strategie wirkt sich nicht nur positiv auf der Waage aus, sondern führt auch dazu, dass wir bewusster auswählen und unserer Umwelt auf diese Weise weniger Schaden zufügen.

Was ist Achtsamkeit überhaupt?

Achtsam zu sein ist an sich sehr leicht. Achtsamkeit ist die Kunst, sein Bewusstsein ganz und gar auf das Hier und Jetzt zu lenken. Wer genau da ist, wo er gerade ist und genau das tut, was er gerade tut (zum Beispiel essen), der ist achtsam. Es geht also darum, seine Aufmerksamkeit gezielt darauf zu lenken, was geschieht, während es geschieht. Und im Mittelpunkt unserer achtsamen Aufmerksamkeit stehen wir selbst: unser Körper, unsere Gefühle und Gedanken.

Achtsamkeit hilft uns, aufzuwachen und ganz wach und präsent im jeweiligen Augenblick zu sein. Wer achtsam ist, der achtet darauf, was ihm gut tut. Um alte Ernährungsmuster zu durchbrechen, helfen gute Vorsätze ebenso wenig weiter wie pure Willenskraft. Stattdessen ist es wichtig, genau hinzusehen – offen, mitfühlend und ohne sich selbst zu verurteilen.

Äußere Fülle durch inneren Mangel

Mediziner schätzen, dass gut ein Drittel unserer Bevölkerung zu den „emotionalen Essern“ zählt. Und bei Übergewichtigen ist der Anteil jener, die Essen als Ersatz nutzen, noch ungleich höher. Der Hunger nach Leben, die Sehnsucht nach Entspannung und Wohlbefinden, der Wunsch, unangenehmen Gefühlen wie Einsamkeit, Traurigkeit, Frust oder auch Langeweile zu entkommen sind es, die uns immer wieder um den Kühlschrank schleichen lassen. Denn wenn das, wonach unser Herz begehrt, im täglichen Leben auch oft unerreichbar scheint – im Kühlschrank finden wir zumindest einen schnellen Ersatz dafür.

Achtsam zu sein bedeutet nicht, sich für sein Verhalten zu verurteilen oder gar ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Es ist ganz natürlich, dass wir versuchen, unsere Sehnsucht zu stillen. Achtsamkeit fordert uns jedoch dazu auf, uns selbst genau zu beobachten. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Nachsicht und Mitgefühl. Falls wir dabei erkennen, dass unsere äußere Fülle etwas mit einer inneren Leere zu tun hat, dann ist auch das eine Form der Achtsamkeit.
Achtsam zu werden heißt einfach nur, dass wir in einem dunklen Zimmer ein Licht anzünden. Ganz gleich, wie lange wir schon in der Dunkelheit gestanden sein mögen: Ein einziges Streichholz genügt, um die Orientierung wiederzugewinnen.

Achtsamkeit hilft Ihnen dabei zu erkennen, dass schwierige Gefühle einfach nur schwierige Gefühle sind. Sie sind wie Wellen, die kommen und gehen. Indem Sie Ihre Gefühle achtsam wahrnehmen, können Sie Muster durchbrechen, die Sie bisher dazu gezwungen haben, zur Schokolade zu greifen, sobald Sie sich unwohl fühlten.

Kann denn Essen Sünde sein?

Ernährungsfehler werden gewöhnlich als Hauptursache für Gewichtsprobleme angesehen. Doch was heißt das überhaupt, „Ernährungsfehler“? Aus Sicht der Achtsamkeit geht es dabei nicht darum, dass wir zu viele raffinierte Kohlenhydrate oder gesättigte Fettsäuren zu uns nehmen, sondern darum, dass wir regelmäßig

  • zu viel essen
  • zu oft und zu oft zwischendurch essen
  • zu schnell essen

Der gemeinsame Nenner für diese drei Verhaltensmuster lautet Unachtsamkeit. Wir können nur dann zu viel, zu oft und zu schnell essen, wenn wir während des Essens nicht wirklich bei der Sache sind. Und das ist leider sehr oft der Fall. Ob vor dem Fernseher, am Handy, beim Autofahren oder Lesen – oft essen wir ganz nebenbei und nehmen dabei beträchtliche Mengen an Kalorien zu uns.

Durch Achtsamkeit lernen wir, Multitasking zu vermeiden. Wir lernen, unseren Geist wieder ganz auf eine Sache zu richten – zum Beispiel auf unsere Mahlzeit. Mit anderen Worten: Achtsamkeit versetzt uns in die Lage, wieder aufzuwachen und die Kontrolle über unser Verhalten selbst zu übernehmen, statt im Autopilot-Modus zu handeln. Der Vorteil dabei: Wer bewusst isst, braucht bei weiten nicht so viel Nahrung und vermeidet mit der Zeit ganz von selbst belastende und ungesunde Nahrungsmittel.

Die Praxis des achtsamen Abnehmens: Vier einfache Tipps

Achten Sie doch einmal kurz auf Ihren Rücken, während Sie diesen Artikel lesen: Sitzen Sie aufrecht oder eher krumm? Lehnen Sie sich an oder sitzen Sie frei? Oder sitzen Sie gar nicht, sondern liegen vielleicht auf dem Sofa? Und wie fühlen sich Ihre Füße gerade an? Sind sie eher kühl oder warm?
Sehen Sie: Achtsam zu sein ist tatsächlich sehr einfach. Es geht lediglich darum, seine Aufmerksamkeit gezielt zu lenken. Schwierig ist nur, daran zu denken, dies regelmäßig zu tun. Leider fällt Achtsamkeit nicht vom Himmel, sondern ist eine Fähigkeit, die sich nur durch Üben entfalten kann. Ganz gleich ob Sie ein Instrument oder eine Sprache erlernen oder aber eine Fähigkeit des Geistes, wie etwa Konzentration oder Achtsamkeit, entwickeln wollen – nur Übung macht den Meister.

Grundsätzlich können Sie Ihre Achtsamkeit auf zweierlei Weise entwickeln: Die eine Möglichkeit besteht darin, ein gezieltes Achtsamkeitstraining wie MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) zu absolvieren. In unserem Buch „Schlank durch Achtsamkeit“ haben wir ein gezieltes 5-Wochen-Training angeboten, das die Achtsamkeit rund ums Essen schärft und auf den Prinzipien des MBSR-Programms basiert.
Die andere Möglichkeit besteht darin, seine Achtsamkeit immer wieder mitten im Alltag zu entwickeln. Im Folgenden lernen Sie einige einfache Übungen kennen, um Ihr Bewusstsein beim Essen zu schärfen und schädigende Essmuster zu durchbrechen und so beim Abnehmen helfen.

Achtsamkeits-Übung 1: Essen im Hier und Jetzt

Im Alltag und besonders auch beim Essen sind wir oft mit Grübeln, Planen, Tagträumen, Sorgen, Wünschen und allerlei Ablenkungen beschäftigt – die Welt in unserem Kopf nimmt dabei sehr viel mehr Raum ein, als uns gut tut. Die Folge ist, dass wir dabei unbewusst oft viel zu viel essen und natürlich nicht abnehmen. Die folgende Übung bietet Ihnen die Möglichkeit, wieder ganz an den Ort und in die Zeit zurückzukehren, in der Ihr Leben tatsächlich stattfindet – in das Hier und Jetzt. Sie können immer wieder einmal gezielt eine Mahlzeit auswählen, um beim Essen Kontakt mit dem gegenwärtigen Augenblick aufzunehmen. Dabei sind folgende Punkte wichtig:

  1. Entscheiden Sie sich bewusst. Natürlich müssen Sie nicht jede Mahlzeit „im Hier und Jetzt“ einnehmen. Doch wann immer sich die Möglichkeit dazu bietet, sollten Sie sich bewusst entscheiden, achtsam zu essen.
  2. Nehmen Sie sich genug Zeit. Wenn Sie Ihr Essen wirklich mit allen Sinnen genießen wollen, klappt das nur, wenn Sie dabei keine Eile haben. Nutzen Sie die Gelegenheit, von Fast-Food auf Slow-Food umzuschalten. Entschleunigen Sie den Essvorgang, denn dadurch werden Sie automatisch weniger essen. Wichtig ist dabei auch, dass Sie im Sitzen und nicht im Stehen oder gar Gehen essen.
  3. Nehmen Sie alle Ihre Sinne mit an den Tisch. Beginnen Sie mit dem achtsamen Essen, indem Sie Ihre Aufmerksamkeit zunächst ganz auf Ihre Speisen richten und versuchen, Ihr Essen wirklich wahrzunehmen. Achten Sie auf das Aussehen, den Duft und natürlich auch auf den Geschmack Ihres Essens. Nehmen Sie sich Zeit, Ihr Essen in Ruhe zu kauen, zu schmecken und mit allen Sinnen zu genießen. Je mehr Sie Ihr Essen genießen, desto achtsamer essen Sie auch.
  4. Lenken Sie die Achtsamkeit zwischendurch immer wieder auf sich selbst. Spüren Sie Ihren Körper: Wie ist Ihre Haltung? Gibt es unnötige Muskelanspannungen? Spüren Sie Ihren Atem: Lassen Sie den Atem entspannt kommen und gehen, ohne ihn zu beeinflussen. Und richten Sie Ihre Achtsamkeit auch einmal auf Ihre Gefühle und Gedanken. Woran denken Sie, während Sie essen? Und wie fühlen Sie sich – welche Stimmung herrscht vor?

Es ist gut möglich, dass Ihre Aufmerksamkeit immer wieder vom Vorgang des Essens abschweift. Das macht nichts und ist ganz natürlich. Wichtig ist nur, dass Sie achtsam verfolgen, wohin Ihr Geist jeweils wandert. Was auch immer gerade in das Feld Ihrer Achtsamkeit tritt: Nehmen Sie alles bewusst wahr, ohne es zu bewerten. Anschließend kehren Sie dann einfach immer wieder geduldig zum Essen im Hier und Jetzt zurück.

Achtsamkeits-Übung 2: Öfter mal was Neues

Routine gehört zu den größten Hindernissen auf dem Weg zur Achtsamkeit. Beim Essen zeigt sich deutlich, dass wir Menschen Gewohnheitstiere sind. Wir neigen dazu, immer wieder das gleiche zu essen. Wir wählen beim Kochen die gleichen Zutaten und wenn wir auswärts essen, besuchen wir meist immer wieder die gleichen Lokale.

Um Ihre Achtsamkeit zu schärfen ist es hilfreich, alte Gewohnheiten bewusst zu durchbrechen. Indem Sie sich mehr Raum gönnen, um Neues auszuprobieren und zu experimentieren, werden Ihre Sinne ganz von selbst wacher und bewusster. Es ist gar nicht so schwer, dem grauen Alltag zu entfliehen und sein Leben in ein kulinarisches Abenteuer zu verwandeln.

  • Probieren Sie beim Kochen neue Rezepte aus. Bereiten Sie Ihre Speisen mit Gewürzen, Kräutern und Zutaten zu, die Sie normalerweise nicht im Repertoire haben. Es gibt eine große Fülle an interessanten Kochbüchern und Rezepten, die Sie nicht nur in Büchereien, sondern beispielsweise auch im Internet finden können.
  • Durchbrechen Sie alte Gewohnheiten schon beim Einkaufen. Ob Brot, Müsli, Rotwein oder Schokolade – die Auswahl an Sorten ist enorm. Greifen Sie öfter einmal zu Produkten, die Sie noch nicht kennen. Selbst bei ganz „banalen“ Früchten wie Äpfeln gibt es viele verschiedenen Sorten. Versuchen Sie doch einmal, mit verbundenen Augen verschiedene Obststückchen „auseinander zu schmecken“. Können Sie Golden-Delicious-Äpfel von Gala, Elstar oder Topaz unterscheiden? (Wussten Sie übrigens, dass es allein in Deutschland rund 2000 Apfelsorten gibt?)
  • Auch das Essen im Restaurant kann zu einer Abenteuerreise für unsere Geschmacksknospen werden. Neben italienischen, griechischen oder chinesischen Lokalen findet man in vielen Städten inzwischen auch Restaurants, die auf die thailändische, französische, vietnamesische, afghanische oder äthiopische Küche spezialisiert sind (um nur einige zu nennen).

Achtsamkeits-Übung 3: Alles zu viel? Warum weniger oft mehr ist

In unserer Überflussgesellschaft stellen wir uns selten die Frage, wie viel wir eigentlich wirklich brauchen, um uns wohl zu fühlen. Das gilt natürlich auch beim Essen. Die folgende, einfache Methode kann Ihnen helfen, vor oder während der Mahlzeiten einmal in sich hinein zu spüren und die Achtsamkeit auf die Frage zu richten, ob weniger nicht manchmal mehr wäre und ob das, was Sie essen (möchten) auch wirklich das ist, was Sie brauchen.

  • Noch bevor Sie zu essen beginnen, sollten Sie sich folgenden Fragen stellen: „Würde ich mich vielleicht rundum wohler fühlen, wenn ich weniger essen würde?“ „Ist es mir im Augenblick möglich, die Menge zu reduzieren, indem ich achtsamer esse und meine Achtsamkeit ganz auf das Genießen lenke?“
  • Immer dann, wenn Sie sehr große Mengen essen, also etwa mitten in einem Fressanfall, sollten Sie sich selbst beobachten. Können Sie womöglich einen inneren Mangel entdecken, den Sie durch Nahrung füllen wollen? Fühlen Sie sich gestresst, sind Sie einsam, frustriert oder gelangweilt? Sie müssen dabei nichts verändern. Nehmen Sie nur achtsam wahr, was in Ihnen im Augenblick vor sich geht.
  • Um wahrnehmen zu können, wie viel Sie wirklich brauchen, sollten Sie langsam essen und kleine Pausen einlegen. Ein einfacher Trick: Legen Sie das Besteck nach jedem Bissen ab, statt sich eine Gabel nach der anderen aufzuhäufen.
  • Ist es wirklich Hunger, oder ist es eher die Gier, die Sie essen lässt? Allzu leicht, kann sich das eine in das andere verwandeln. Dann essen wir weiter, obwohl unser Körper eigentlich schon satt wäre. Doch auch hier geht es nicht darum, sich zu verurteilen. Vielmehr besteht die Herausforderung darin, achtsam wahrzunehmen, an welchem Punkt sich unser Hunger möglicherweise in Gier verwandelt.

Achtsamkeits-Übung 4: Das Universum in der Orangenmarmelade

In unserer zivilisierten Welt ist Einkaufen oft eine sterile Angelegenheit geworden. Viele Menschen haben den Bezug zu Ihrer Nahrung längst verloren. Kürzlich zeigte eine Mal-Aktion in bayerischen Kindergärten, dass jedes dritte Kind Kühe nicht etwa braun oder schwarz, sondern lila malte. Viele Kinder wissen weder, woher die Milch im Tetrapak stammt noch, dass Pommes frites etwas mit Kartoffeln zu tun haben. Auch wenn das recht erheiternd ist – Hand aufs Herz: Sind Sie sich wirklich vollkommen bewusst darüber, dass die Nahrung, die wir täglich essen, uns mit unzähligen Menschen, Pflanzen und Tieren verbindet? Was immer Sie auch essen – ob Dosenananas, Schokolade oder Knäckebrot: Nichts davon wächst im Supermarktregal. Die nächste Übung dient dazu, das, was uns vom Verstand her sicher klar sein dürfte, auch im Herzen zu spüren – dass unsere Nahrung nämlich aus der ganzen Welt zu uns kommt und uns mit allem Leben verbindet. Und dass unzählige Hände nötig waren, bis wir eine so banale Sache wie eine Tasse Cappuccino serviert bekommen können.

Ganz gleich, ob Sie Müsli, Kaffee oder Orangenmarmelade einkaufen oder zu sich nehmen. Stellen Sie sich zwischendurch immer wieder einmal die Frage, woher Ihr Essen wohl stammt. Wo ist es gewachsen? Wie viele Hände waren nötig, um beispielsweise die Orangen für die Marmelade anzubauen, zu ernten, zu transportieren und zu verarbeiten? Wie viele Menschen haben dazu beigetragen, dass die Waren es bis in unsere Geschäfte oder auf unseren Tisch geschafft haben?

Indem Sie diese Frage weniger mit dem Kopf als vielmehr mit dem Herzen ergründen, können selbst scheinbar so selbstverständliche Dinge wie ein Marmeladenbrot oder eine Tasse Kaffee einen besonderen Wert für Sie bekommen. Und auch das ist eine Form der Achtsamkeit, die beim Abnehmen helfen kann.

Fazit zum Abnehmen durch Achtsamkeit

Achtsam zu sein bedeutet in erster Linie, einmal innezuhalten, sich zu öffnen, hinzusehen, hinzuspüren und Kontakt zum Leben aufzunehmen. All das ist weder schwer, noch ist eine besondere Technik oder Fähigkeit dazu nötig. Was jedoch nötig ist, ist die Bereitschaft und womöglich sogar die Sehnsucht danach, aufzuwachen und eine neue Perspektive einzunehmen. Achtsamkeit hilft Ihnen nicht nur dabei, schädigende Essmuster zu durchbrechen und erfolgreich abzunehmen. Es geht um viel mehr – darum, sein Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen, gelassener und heiterer zu werden und zu mehr Unbeschwertheit und Leichtigkeit zu finden – und das nicht nur auf der Waage, sondern auch in unserem Herzen.

Ronald Pierre Schweppe, Buchautor, Coach für Stressbewältigung durch Achtsamkeit (MBSR), Leiter des Instituts für achtsames Essen, München
Redaktion: Dr. rer. nat. Inge Ziegler

Kommentare

Vegane Diaet, 05.07.2016:
Ein sehr schöner Artikel, vielen Dank. Achtsamkeit ist ein wichtiger Aspekt in und während der Ernährung. Ich praktiziere Achtsamkeit auf Basis, oder in Verbindung mit der Veganen Diaet. Das Endergebnis, ein entspanntes und stressfreies Leben.
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