Zahnersatz – Was tun bei Zahnverlust?

Zahnersatz – Was tun bei Zahnverlust?

Ob Karies oder Parodontose. Wenn Zähne verloren gehen oder gar nicht erst angelegt sind, ist das nicht nur ein ästhetisches Problem. Die Zahnärztin Dr. Nadj-Papp zeigt, welche Möglichkeiten es gibt, einen fehlenden Zahn zu ersetzen.

Dr. (Med. Univ. Budapest) Edith Nadj-Papp, M.A., MBA
Dr. (Med. Univ. Budapest) Edith Nadj-Papp, M.A., MBA
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"Ganzheitliche Zahnmedizin heißt für mich, den Menschen als Ganzes zu sehen. Denn hinter jedem Zahn steht ein ganzer Mensch."

Praxis für ganzheitliche Zahnmedzin
Tel: (07156) 81 55
Marktstr. 16
71254 Ditzingen

Das Problem: Wie entstehen Zahnlücken?

Zahnlücken können verschiedene Ursachen haben:

  • Nichtanlage
  • Karies
  • Parodontitis
  • Kieferfehlbildungen / Zahnfehlstellungen
  • Unfälle

Während früher Karies der einsame Spitzenreiter beim Zahnverlust war, hat inzwischen die Parodontitis rasant aufgeholt. Bei über 40-Jährigen ist die Parodontitis schon heute die Ursache Nr. 1 für Zahnverlust. Bei den unter 40-Jährigen ist es immer noch die Karies.

Gerade bei Kindern sind es auch Unfälle, die zur Beschädigung oder sogar zum Verlust von Zähnen führen. Wie Sie Zahnunfällen beim Sport vorbeugen können und was Sie tun sollten, wenn doch mal ein Zahn beim Sport verloren gehen sollte, erfahren Sie in unserem Beitrag „Zahnverlust durch Sport“.

Wenn nicht alle Zähne angelegt sind, kann es ebenfalls zu unschönen Zahnlücken kommen. Dies kommt immer mal wieder bei den zweiten Schneidezähnen (sog. 2er) und den kleinen Backenzähnen (sog. 5er) vor. Während nicht angelegte Weisheitszähne eigentlich nie ersetzt werden, hängt es bei den anderen Zähnen sehr vom Einzelfall ab. In manchen Fällen erscheint es sinnvoll, die Lücke kieferorthopädisch zu schließen, während in anderen Fällen zunächst mit einem Provisorium gearbeitet wird, das dann später durch einen bleibenden Zahnersatz abgelöst wird.

Was kann man zum Erhalt der Zähne tun?

Um möglichst lange gesunde Zähne zu behalten, sind vor allem drei Punkte wichtig.

  1. zahngesunde Ernährung
  2. regelmäßiges und richtiges Zähneputzen
  3. professionelle Zahnreinigung

1. Zahngesunde Ernährung

  • Saures und Süßes fördern Karies. Essen und Sie also lieber weniger Süßigkeiten und trinken Sie vor allem weniger oder besser gar keine Softdrinks. Stilles Wasser ist aus Sicht der Zähne einem Sprudelwasser vorzuziehen.
  • Zähne wollen auch gefordert werden. Essen Sie also ruhig fasereiche Rohkost usw.
  • Für die Zähne ist es günstiger, wenn Sie auf Zwischenmahlzeiten verzichten.
  • Damit Zähne und Zahnfleisch gut versorgt sind, sollte aber auch insgesamt auf eine gesunde Ernährung mit vielen Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen geachtet werden.

2. Regelmäßiges und richtiges Zähneputzen

Putzen Sie Ihre Zähne mindestens 2-mal täglich für 5 Minuten – und zusätzlich nach jeder Mahlzeit. Dabei sollten Sie nach dem Verzehr von (saurem) Obst einen zeitlichen Abstand bis zum Zähneputzen lassen.

Vergessen Sie auch die Zahnzwischenräume nicht und reinigen Sie diese regelmäßig mit Zahnzwischenraumbürsten und/oder Zahnseide. Besonders gut reinigen flauschige Zahnseiden (Floss), die inzwischen von verschiedenen Herstellern angeboten werden.

Meine Patienten empfehle ich, die Zähne mit der elektrischen Zahnbürste zu putzen. Die Allermeisten Patienten erzielen damit besser Putzergebnisse.

3. Professionelle Zahnreinigung

Je nach individuellem Risiko (Karies, Parodontitis) sollte eine professionelle Zahnreinigung 1- bis 4-mal pro Jahr durchgeführt werden.

Welche Alternativen gibt es als Zahnersatz?

Die wichtigsten Alternativen, die im Folgenden näher vorgestellt werden sollen, sind

  • Lücke belassen
  • Brücke
  • Implantate
  • Zahnprothese

Trotz der inzwischen guten Möglichkeiten zum Zahnersatz sollte man wissen, dass keine noch so gute Versorgung einen gesunden Zahn voll ersetzen kann. Jede Alternative hat Vor- und Nachteile. Das Beste – und vor allem aus Sicht der Ganzheitsmedizin Gesündeste – ist immer noch der eigene gesunde Zahn. Daher sollte es in erste Linie darum gehen, Zähne und Zahnfleisch möglichst lange gesund zu erhalten.

Lücke belassen

Fehlende Zähne sind nicht nur ein ästhetisches Problem. Mögliche Folgen sind:

  • Kieferabbau im Bereich der Zahnlücke
  • Kippen von Nachbarzähnen und dadurch
  • Verlust weiterer Zähne sowie
  • Verschiebung des Bisses.
  • veränderte Körperhaltung und damit verbundene Fehlstellungen des gesamten Halte- und Stützapparates
  • stärkere Belastung des Verdauungstraktes
  • Beeinflussung der kognitiven Fähigkeiten.

Wenn im Bereich der Backenzähne Lücken bleiben, passt der Kiefer beim Zusammenbeißen nicht mehr genau. Dies kann sogar Folgen für die kognitive Leistung haben. Kauen kann Denkprozesse beschleunigen sowie Aufmerksamkeit, Intelligenz und Reaktionszeit verbessern. Außerdem scheint Kauen Abbauvorgängen im zentralen Nervensystem (ZNS) vorzubeugen. Wenn Zähne vor dem 36. Lebensjahr verloren werden, erhöht das spürbar das Alzheimer-Risiko. Auch wenn die Vorgänge noch nicht bis ins Detail verstanden sind, sprechen die Ergebnisse doch dafür, Zahnlücken im Backenzahnbereich zu schließen.

Brücke

Eine Brücke ist eine relativ einfache Möglichkeit, Zahnlücken zu schließen. Um eine Brücke einzugliedern, werden normalerweise zunächst die angrenzenden Zähne beschliffen. Anschließend wird anhand eines Abdruckes die Brücke angefertigt. Der Nachteil dabei ist, dass mitunter auch noch gesunde Zahnsubstanz verloren geht. Eine Alternative bietet die sogenannte Klebebrücke. Dabei werden die benachbarten Zähne weniger bearbeitet und dafür mit einem kleinem Anker versehen, auf den die eigentliche Brückenkonstruktion gehängt wird. Da die Bügel bei der Klebebrücke innen liegen, stören sie nicht die Optik.

Ein wichtiger Vorteil einer Brücke ist, dass sie relativ schnell und meist unkompliziert eingesetzt werden kann.

Wie bei jedem Zahnersatz sollte man bei Brücken auf das Material achten. Die beste Verträglichkeit zeigt dabei Vollkeramik, die zudem schön aussieht und viel weniger auffällt als z.B. Brücken aus Goldlegierungen. Dazu kommt, dass aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) Metallbrücken gewissermaßen Kurzschlüsse zwischen Meridianen bilden können.

Wer eine Brücke anfertigen lässt, sollte wissen, dass jede Bearbeitung (hier der Nachbarzähne) ein Trauma für den Zahn ist und er in der Folge absterben kann. Dann stehen Sie vor der Frage, ob Sie eine, aus ganzheitsmedizinischer Sicht nicht unbedenkliche Wurzelbehandlung durchführen lassen oder ein weiterer Zahn gezogen werden muss.

Implantate

Ziel der Implantate ist es, den „normalen“ Zustand möglichst gut wieder herzustellen. Verankert wird das Implantat direkt im Knochen. Damit übernimmt das Implantat gewissermaßen die Funktion einer künstlichen Zahnwurzel.

Damit das Implantat überhaupt gesetzt werden kann, sind eine gewisse Knochendicke und Knochenqualität nötig. Wenn eine Zahnlücke schon länger besteht oder zuvor mit einer Brücke versorgt war, kann sich der Knochen in der Zwischenzeit soweit zurückgebildet haben, dass vor der Implantation ein Knochenaufbau nötig ist.

Zum Einsetzen des Implantates bekommen Patienten in der Regel eine örtliche Betäubung, ggf. auch einen Dämmerschlaf oder eine Vollnarkose. Unmittelbar nach dem Einsetzen des Implantates sollte die Wundstelle nicht belastet werden. Während der Einheilungszeit wird der Patient zunächst mit einem Provisorium versorgt. Dieses darf im ersten halben Jahr nicht belastet werden.

Die Implantate können prinzipiell aus zwei Materialgruppen hergestellt werden – aus einem Metall (Titan) oder ohne Metall (in der Regel aus Keramik/Zirkon oder aus dem Sonderkunststoff PEEK). Verbreitet sind Titanimplantate. Sie können jedoch Allergien auslösen. Absolut körperverträglich sind Vollkeramikimplantate.

Der Zeitpunkt der Implantation hängt von den individuellen Gegebenheiten ab. In der Regel werden die Implantate 3–6 Monate nach der Zahnentfernung gesetzt. Eine Besonderheit bilden Sofortimplantate. Diese werden direkt nach dem Ziehen des Zahnes bzw. nach dem Zahnverlust eingesetzt. Somit verkürzt sich die Zeit zwischen dem Verlust des Zahnes und der vollständigen Neuversorgung erheblich. Die hat insbesondere im Frontzahnbereich eine Bedeutung.

Die wichtigsten Vorteile von Implantaten sind:

  • Implantate ersetzen den fehlenden Zahn vollständig und vollwertig.
  • Dadurch beugen sie Knochenabbau vor,
  • liefern eine ästhetisch sehr anspruchsvolle Lösung,
  • ermöglichen ein normales Kaugefühl und
  • schonen die Nachbarzähne (im Vergleich zum Abschleifen bei Brücken).

Implantate gelten heute als ein sehr breit verbreitetes und sicheres Verfahren. Erhöhte Risiken können entstehen bei: Rauchern, starkem Über- oder Untergewicht, Diabetes, Störungen im Bluthaushalt und der Einnahme bestimmter Medikamente.

Zahnprothese

Eine Zahnprothese kommt vor allem immer dann in Frage, wenn relativ viele Zähne fehlen. Je nach Größe, unterscheidet man in der Zahnmedizin Teil- und Vollprothesen. Die Vollprothese kommt für einen zahnlosen Kiefer in Frage. Die Teilprothesen werden eingesetzt, wenn noch Zähne vorhanden sind. Um die Teilprothese zu verankern, gibt es hier mehrere Möglichkeiten.

Im einfachsten Fall können Teilprothesen mit einer Klammer befestigt werden. Diese vergleichsweise günstige Lösung hat jedoch den Nachteil, dass die Klammern optisch stören und dass sie keine stabile Verankerung bieten. Durch dauernde Mikrobewegungen, die insbesondere beim Kauen auftreten, ist der Kaukomfort eingeschränkt und die Nachbarzähne können auf Dauer kaputt gehen.

Optisch anspruchsvoller und weitaus stabiler sind zweiteilige Lösungen, die mit einer Geschiebe oder einem Anker an den vorhandenen Zähnen befestigt sind. Dabei ist der eine Teil mit der tragenden Krone und der andere Teil mit der Teilprothese verbunden. Beim Geschiebe wird die Prothese über eine Schiene, beim Anker über einen Knopf an den Pfeilerzähnen befestigt.

Beide Prothesen sind herausnehmbar und können daher einfach gereinigt werden. Allerdings sind sie für ältere Menschen mitunter schwierig zu handhaben, wenn diese nicht mehr über die nötige Feinmotorik verfügen. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Nachbarzähne abgeschliffen und mit Kronen versorgt werden müssen, und somit körpereigenes Zahnmaterial verloren geht.

Die Prothese selbst sitzt auf dem Kieferkamm, der sich im Laufe der Zeit zurückbilden kann. Dadurch vergrößert sich der Spalt zwischen Kieferkamm und Prothese, die Pfeilerzähne werden dadurch überbelastet und können sich auf Dauer locken oder abbrechen. Weiterer Zahnverlust droht.

Eine weitere Methode zur Befestigung von Prothesen sind Teleskopkronen. Diese bieten eine hohe Stabilität und Langlebigkeit. Unter den Teilprothesen haben die Teleskopkronen die beste Statik, allerdings müssen die Nachbarzähne bei diesem Verfahren am stärksten abgeschliffen werden. Das erhöht das Risiko eines weiteren Zahnverlustes (wie bereits bei den Brücken beschrieben).

Alle Prothesen müssen nach jedem Essen herausgenommen werden, um sie gründlich zu reinigen. Für die Reinigung nimmt man am besten eine Prothesenzahnbürste und Spülmittel. Zahnpasta und Prothesenreinigungstabletten empfehlen sich nicht, weil sie die Kunststoffoberfläche angreifen. Die eigenen Zähne werden wie gewohnt mit einer Zahnbürste und Zahnpasta geputzt.

Wenn der gesamte Ober- oder Unterkiefer zahnlos ist, kommt eine Vollprothese in Frage. Diese ist recht großflächig angelegt. Da sie durch Vakuum hält und sich am harten Oberkiefer besser festsaugen kann, haftet eine Vollprothese im Oberkiefer besser als im Unterkiefer. Die Haftung lässt sich zusätzlich mit Haftcreme verbessern.

Insgesamt liefert die Vollprothese aber keinen besonders guten Komfort. Für den Patienten ergibt sich ein unangenehmes Gefühl, weil die Prothesen nicht richtig festsitzen. Hinzu kommt ein ständiges Unsicherheits- und Fremdkörpergefühl im Mund. Durch den großflächigen Abschluss des Oberkiefers kommt es zu Geschmacksbeeinträchtigungen. Auch die Kaukraft lässt nach, was wiederum zur Mangelernährung führen kann.

Alle oben genannten Prothesen haben den Nachteil, dass sie ein Nährboden für Bakterien, Pilze und Viren sind. Deshalb haben ihre Träger ein erhöhtes Risiko, an Lungenentzündung, Herzinfarkt, Schlaganfall, Hirnhautentzündung etc. zu erkranken. Gleichzeitig drücken diese zahntechnischen Meisterstücke auf den Knochen, führen dadurch zu einem verstärkten Knochenabbau des Kieferkamms und zu Druckstellen, die bei bestimmten Patienten (die z.B. durch die Einnahme von Bisphosphonaten ein hohes Risiko zu einer Kieferknochennekrose haben) ein zusätzliches Risiko mit sich ziehen.

Die oben genannten Teil- und Voll-Prothesen können aus einer Kombination von Metall und Kunststoff oder aus reinem Kunststoff angefertigt werden. Für die Metallbasis kann eine Legierung aus Kobalt, Chrom und Molybdän oder auch eine Bio-Goldlegierung genommen werden. Der Kunststoffanteil wird standardmäßig aus einem Methylmethacrylat angefertigt. Sowohl das Metall als auch der Kunststoff können Allergien auslösen. Deshalb empfehlen wir in solchen Fällen auf Sonderkunststoffe zurückzugreifen, die den Körper weniger belasten, wie z.B. Polyan, Puran HC, Valplast, Luxene, Flexistrong Plus, Acetal, Dental-D, PEEK, Visiclear, Dentalos.

Wir bevorzugen Implantate statt Prothesen, weil sie aus einem körperverträglichen Material hergestellt und hygienisch sind, sehr schön aussehen und ein vollkommenes Kaugefühl bieten. Sollten Sie sich dennoch für eine Teil- oder Vollprothese entscheiden achten Sie bitte darauf, dass sie frei von Metallen und Methylmethacrylaten ist.

Zahnersatz im Überblick

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