Titan – Implantate mit Nebenwirkungen

Titan – Implantate mit Nebenwirkungen

Titan ist ein beliebter Werkstoff, der schon seit Jahren gern in der orthopädischen Chirurgie (z.B. in künstlichen Gelenken) zum Einsatz kommt und gemeinhin als gut verträglich gilt. Inzwischen ist Titan in Form von Implantaten auch in der Zahnmedizin weit verbreitet. Doch nicht für jeden sind Titanimplantate eine gute Wahl. Je nach Veranlagung drohen gravierende Nebenwirkungen vom Implantatverlust bis hin zu entzündlichen Allgemeinerkrankungen wie Rheuma, Arteriosklerose, Bluthochdruck und Herzkrankheiten.

Autor/en dieses Beitrages:
Dr. med. dent. Karlheinz Graf, aus Straubing-Ittling

Einführung

Titan gilt in der Schulmedizin gemeinhin als der verträglichste Werkstoff, weil bisher kaum eine Allergie darauf nachgewiesen wurde. Aus diesem Grund werden in der Gelenks- und Ersatz-Chirurgie heute überwiegend Ersatzteile aus diesem Leichtmetall verwendet.

Auch in der Zahnmedizin werden seit vielen Jahren zum Ersatz von verloren gegangenen Zähnen Implantate aus Titan verwendet. Sie sind in der Regel unkompliziert zu setzen und bleiben im Kieferknochen stabil und sehr dauerhaft verankert, so dass darauf ein stabiler, festsitzender Zahnersatz geplant werden kann.

Einzelne Patienten klagen jedoch nach dem Einbringen von Titan-Implantaten über allgemeines Unwohlsein und berichten über sehr unterschiedliche gesundheitliche Probleme. Da Titan aber gemeinhin als sehr verträglicher Werkstoff gilt, werden die vorgebrachten Symptome nach dem Einbringen von Titan in der Regel nicht mit dem Implantat in Zusammenhang gebracht. Das scheint nach meiner Meinung aber etwas voreilig zu sein. Warum?

Im schulmedizinischen Sinn gilt ein Werkstoff als unverträglich, wenn eine Allergie darauf nachgewiesen wird – und Allergien auf Titan wurden bisher kaum beschrieben. Außer Acht wird dabei gelassen, dass es neben einer Allergie auch andere Formen von Unverträglichkeiten oder Folgen davon gibt (Abb. 1), so dass wir korrekter von verschiedenen, nämlich immunologisch (rot) und toxikologisch (blau) bedingten, Unverträglichkeiten sprechen sollten. Während immunologisch bedingte Unverträglichkeiten in der Regel labormedizinisch gut nachgewiesen werden können, können die chronisch toxischen Wirkungen von Werkstoffen, die in ihrer Symptomatik individuell höchst verschiedenartig ausfallen, meist nur durch ihre gesundheitlichen Folgen postuliert werden.

Abb. 1: Verschiedene Arten einer Unverträglichkeitsreaktion. Unterschieden werden immunologisch (rot) und toxikologisch (blau) bedingte Unverträglichkeitsreaktionen.
Abb. 1: Verschiedene Arten einer Unverträglichkeitsreaktion. Unterschieden werden immunologisch (rot) und toxikologisch (blau) bedingte Unverträglichkeitsreaktionen.

Entzündungsreaktion auf Titan und ihre Folgen

Bewiesen ist bei Titan, dass es sogenannte immunologische „Highresponder“ gibt. Immunologische Highresponder können labormedizinisch sehr gut durch einen sogenannten „Titan-Stimulationstest“ erkannt und eindeutig identifiziert werden (Abb.2). Dieser genetisch prädestinierte Personenkreis reagiert bei der Einbringung von Titan ins Gewebe mit einer überschießenden Ausschüttung von Entzündungsmediatoren, das sind Botenstoffe, in deren Folge es zu einer Entzündung kommt. Diese Entzündung kann zum einen lokal am Ort der Ausschüttung entstehen – mit der Folge, dass das eingebrachte Implantat wieder entzündlich abgestoßen wird.

Abb. 2: Testergebnis bei Titan-Unverträglichkeit
Abb. 2: Testergebnis bei Titan-Unverträglichkeit

Zum andern können die Entzündungsmediatoren z.B. über Blut, Lymphe oder andere Körperflüssigkeiten an andere Stellen weitertransportiert werden, so dass es zu Entzündungsreaktionen fern der Ursache und damit zu medizinisch-ursächlich unerklärlichen Reaktionen kommen kann, wie z.B.

  • Rheuma
  • Arteriosklerose
  • Bluthochdruck
  • Herzkrankheiten (z.B. Myocarditis)

Als weitere häufige Symptome können Abgeschlagenheit, Kräfteverfall, Hautprobleme sowie lokalisierter Druckschmerz und/oder Schwellungen fern der Ursache auftreten. Möglicherweise gibt es auch Zusammenhänge zu depressiven Verstimmungen. Die Symptome können somit den gesamten Organismus auf allen Ebenen betreffen!

Korrosion von Titan

Es mehren sich die Hinweise darauf, dass Titan im Kieferknochen nicht korrosionsstabil zu sein scheint und sich zersetzt. So konnten durch Untersuchungen von Kieferbezirken mit Titan-Implantaten hohe Werte von Titan nachgewiesen werden. Auch die zugehörigen Lymphknoten, die die erste regionale Filterstation des Organismus sind, zeigten hohe Einlagerungen von Titan.

Diesbezügliche subtoxische Wirkungen von Titan werden noch diskutiert. Es ist aber wahrscheinlich, dass es zu ähnlichen Wirkungsmechanismen wie bei anderen Metallen kommt und diese werden vermutlich je nach Wirkungsort zu beschreiben sein, u.a. mit:

  • Hemmung von Enzymaktivitäten
  • vermehrter Bildung freier Radikale
  • Öffnung der Blut-Hirn-Schranke mit entsprechenden Wirkungen auf Psyche, Nerven und Immunsystem
  • Autoimmunkrankheiten wie z.B. Multiple Sklerose, Alzheimer oder Morbus Parkinson
  • Potenzierungseffekte auf andere Schadstoffe (nach Prof. Witte, siehe Abb. 3)
Abb. 3: Potenzierende Wirkung verschiedener Schadstoffe untereinander
Abb. 3: Potenzierende Wirkung verschiedener Schadstoffe untereinander

Alternativen zu Titan

Unwägbarkeiten und Risiken dieser Art müssen heute nicht mehr eingegangen werden, denn es gibt eine gute biologische Alternative zu Titan-Implantaten: Implantate aus Vollkeramik.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Keramik ist ein inertes Material, das nicht korrodieren kann, sich also nicht zersetzen kann.
  • Bei optimalen Voraussetzungen kann, im Gegensatz zu einem Titan-Implantat, ein Keramik-Implantat sofort nach der Zahnextraktion gesetzt werden, was den zu erwartenden Knochenverlust nach einer Zahnextraktion deutlich zu minimieren hilft.
  • Die klinischen Erfahrungen sind beeindruckend. Bei entsprechender Begleitbehandlung wächst das Implantat unmittelbar nach der Extraktion innerhalb von 3 Monaten fest im Kieferknochen ein. Somit können Keramik-Implantate im Vergleich zur herkömmlichen Operationstechnik schon deutlich eher definitiv versorgt werden.

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen



Mailadresse dient möglichen Rückfragen durch die Redaktion.
Sie wird nicht veröffentlicht.



 

Wichtiger Hinweis:

Diese Inhalte dienen der Information und Orientierung. Sie können und sollen unter keinen Umständen den Besuch eines Arztes und die Konsultation medizinischer Beratung oder professioneller ärztlicher Behandlung ersetzen.
Der Inhalt von naturheilmagazin.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Im Übrigen verweisen wir auf die Geltung unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB

Krankheiten A-Z