Hypnose beim Zahnarzt

Hypnose beim Zahnarzt

Für die meisten Patienten ist ein Behandlung beim Zahnarzt unangenehm oder sogar mit Angst verbunden. Hier kann die Hypnose helfen, bei der die  Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Sache gelenkt wird. Doch das ist nur eines der Einsatzmöglichkeiten der Hypnose beim Zahnarzt.

Autor/en dieses Beitrages:
Dr. (Med. Univ. Budapest) Edith Nadj-Papp, MA, MBA, aus Ditzingen
ZA Peter Gaebel, aus Pforzheim

Was ist Hypnose?

Ein Weg zur entspannten Behandlung

Während man im normalen Bewusstseinszustand immer verschiedene Reize gleichzeitig wahrnimmt, ist in Hypnose oder in Trance die gesamte Aufmerksamkeit (oder zumindest ihr größter Teil) auf eine bestimmte Sache gerichtet, so dass man die restliche Umgebung mehr oder weniger aus dem Auge verliert. Etwas „wie in Trance“ zu tun, ist also ein ganz alltäglicher Zustand, den man z.B. beim Joggen, beim Lesen eines spannenden Buches oder bei einer konzentrierten Arbeit erleben kann. Bei der medizinischen Anwendung kann man diese Fähigkeit zur „Alltagstrance“ sehr stark und so gezielt fördern, dass sich Patienten auch auf dem Zahnarztstuhl aus der momentanen Situation (der Behandlung) soweit entfernen können, wie sie es möchten. Die moderne medizinische Form von Hypnose, mit der ich arbeite, hat einige besondere Eigenschaften: 

  • In eine Trance zu gehen und wieder aus ihr herauszukommen ist ein vollkommen freiwilliger Vorgang, bei dem der Wille etwas zu tun oder nicht zu tun, in keiner Weise eingeschränkt werden kann. (So wie man auch aus freiem Willem joggen gehen und damit wieder aufhören kann). 
  • Wenn man sich weit genug in einen Trancezustand hineinbegibt, entwickelt sich eine Art Automatismus, der einen einerseits Dinge ohne besondere Anstrengung richtig machen lässt und andererseits dabei hilft, dass man in sich selbst neue Fähigkeiten entdecken und ausprobieren kann. (Auch das sind im Grunde ganz alltägliche Erfahrungen, so wie z. B. beim Joggen irgendwann die Beine von allein laufen). 

Man kann also sagen, dass in der modernen Hypnose alltägliche Fähigkeiten, über die fast jeder Mensch mehr oder weniger verfügt, für einen medizinischen Zweck gezielt nutzbar gemacht werden.

Was kann Hypnose und wem hilft sie?

Trancezustände lassen sich in der gesamten Medizin, besonders bei chronischen Erkrankungen, sehr sinnvoll einsetzen. In der Zahnmedizin ist Hypnose bei fast allen Maßnahmen hilfreichinsbesondere längere Behandlungen (z. B. das Beschleifen für Kronen) können in Trance einfacher verlaufen. Darüber hinaus kann man sie in folgenden speziellen Bereichen verwenden: 

  • Hypnose kann besonders ängstlichen oder angespannten Patienten eine wesentlich angenehmere Zahnbehandlung ermöglichen. Im Laufe der Zeit lässt sich so die Angst vor dem Zahnarzt meist abbauen.
  • In besonders schweren Fällen gibt es die Möglichkeit einer hypnotherapeutischen Vorbehandlung, um eine notwendige Behandlung zu ermöglichen.
  • Patienten, die das taube Gefühl nach einer Betäubung nicht mögen oder normale Betäubungsmittel nicht vertragen, können sich auch ohne Spritze schmerzarm oder sogar schmerzfrei behandeln lassen.
  • Hypnose eignet sich besonders gut für solche Patienten, die unter starkem Würgereiz leiden.
  • Sie kann als begleitende Maßnahme eingesetzt werden bei schmerzhaften Kiefergelenkbeschwerden und Verspannungen der Kaumuskulatur.

Ich bin der Meinung, dass fast alle Menschen hypnotisierbar sind, ohne dass sie dafür besondere Fähigkeiten haben müssen.
Besonders gut lassen sich Kinder mit Hypnose behandeln, während geistig Behinderte oder Drogenabhängige für eine solche Behandlung nicht in Frage kommen.

Wie wirkt Hypnose

Bei der Einleitung einer Trance wird die Aufmerksamkeit weg von äußeren Reizen hin auf ein inneres Erleben gelenkt. Hierzu gibt es die verschiedensten Methoden. Dabei gilt grundsätzlich, dass Hypnose kein schematisches „Entspannungsprogramm“ ist, sondern für jeden Menschen eine individuelle Wirkungsweise hat. Die von mir in der Praxis hauptsächlich angewandte so genannte moderne klinische Hypnose zeichnet sich dadurch aus, dass das innere Ziel der Aufmerksamkeit immer ein positives und angenehmes ist. Das wird im Voraus vom Patienten selbst bestimmt, z.B. eine schöne Urlaubserfahrung oder eine sportliche Tätigkeit. Beim Übergang in den Trancezustand kommt es zunächst 

  • zu einer körperlichen Entspannung. Dieser Entspannungszustand ist mit einer Beruhigung der inneren Rhythmen (z.B. Atmung und Pulsschlag) verbunden, die es jedem Menschen auf seine eigene Art ermöglichen, sich in sein inneres Erleben zu vertiefen.
  • Diese intensive Beschäftigung mit inneren Erlebnissen führt zu einer starken Einschränkung der äußeren Wahrnehmung und lässt dadurch die zahnärztliche Behandlung in den Hintergrund rücken. 
  • Dabei ist der Patient jederzeit ansprechbar und kann sich, wenn er will auch kurzfristig der Behandlung zuwenden, so dass ein Patient in Trance die Entscheidungsfreiheit hat, die Behandlung teilweise mitzuerleben oder sich ganz von ihr zu entfernen. 

Im Rahmen dieser grundsätzlichen Wirkungsweise gibt es außerdem einige spezielle Wirkungen, die sich für die zahnärztliche Behandlung nutzen lassen:

  • Im Trancezustand verkürzt sich subjektiv die Dauer sehr langer Behandlungen.
  • Ein entspannter Patient ermöglicht seinem behandelnden Zahnarzt eine sehr viel präzisere Arbeit und erhält so ein verbessertes Ergebnis.
  • Die Wundheilung nach chirurgischen Eingriffen verläuft schneller und unkomplizierter.

Hinweis: Diese Form zahnärztlicher Behandlungen, die z.B. in Schweden und den USA seit Jahrzehnten routinemäßig angewandt wird, ist bei uns in Deutschland leider viel zu unbekannt. Im Gegensatz zur so genannten Show-Hypnose, die nur der Unterhaltung dient, setzt die medizinische Hypnose immer einen ärztlichen Zweck voraus. Jede Anwendung ohne medizinisches Ziel ist den Mitgliedern unserer Hypnosegesellschaften verboten!

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