Tai Chi Chuan

Tai Chi Chuan

Tai Chi oder „Schattenboxen“ stellt in stilisierter Form den Kampf imaginärer Gegner dar. Die Bewegungsabläufe, die zu jeder Bewegung die Gegenbewegung mit einschließen, spiegeln das Wechselspiel der polaren Kräfte im Körper, wie Yin und Yang, das weibliche und das männliche Prinzip, Geben und Nehmen, Spannung und Entspannung.

Autor/en dieses Beitrages:
Elisabeth Sommer, Tai Chi Lehrer/in aus Stuttgart Bad-Cannstatt

Einführung

Tai Chi oder „Schattenboxen“ stellt in stilisierter Form den Kampf imaginärer Gegner dar. Die Bewegungsabläufe, die zu jeder Bewegung die Gegenbewegung mit einschließen, spiegeln das Wechselspiel der polaren Kräfte im Körper, wie Yin und Yang, das weibliche und das männliche Prinzip, Geben und Nehmen, Spannung und Entspannung. Diese Art der Bewegungsmeditation zielt nicht ab auf eine Perfektionierung und Maximierung sportlicher Fähigkeiten, sondern soll die Gesundheit erhalten und der körperlichen und geistigen Erholung dienen. Im Tai Chi gibt es mehr als hundert verschiedene Bewegungen, die in Zeitlupe und gleichmäßig fließend ausgeführt werden, immer nach dem Prinzip von Yin und Yang – gemäß der taoistischen Weltsicht, dass alles Biegsame und Weiche auf Dauer allem Harten überlegen ist, so wie das Wasser dem Stein überlegen ist.

Meditation in Bewegung: vereint Körper, Geist und Seele in Harmonie.

Ursprung und Geschichte

Vielleicht begann Tai Chi schon vor 5ooo Jahren. Der legendäre "Gelbe Kaiser" Huang-di (etwa 2600 v. Chr.) soll angeblich der Begründer der Gesellschaftsordnung, der Schrift, und der "Herausgeber" des ersten medizinischen Buches gewesen sein. Dem Volk habe er kultische Tänze verordnet. Hier liegt möglicherweise der Ursprung von Tai Chi.

Tai Chi bedeutet wörtlich übersetzt: "Oberster Firstbalken", was mit "höchstes Gesetz" umschrieben werden kann.

Chuan (chin.) heißt Faust, daher rührt wohl die deutsche Bezeichnung für Tai Chi Chuan: "Schattenboxen".

Aber auch verschiedene Legenden erzählen von der Entstehung des Tai Chi. So soll ein Einsiedler in den Bergen den Kampf einer Schlange mit einem Raubvogel beobachtet haben: der Gewandtere wurde Sieger.

Geschichtlich belegt ist seit dem 17. Jh. der Chen Stil. Begründer Chen Bo ist Vorfahre vieler Tai Chi Meister. Der Chen-Stil wurde wie Kampfsport betrieben und nur an die männlichen Mitglieder des Familienclans weitergegeben.

Ein Nachfahre von ihm unterrichtete im 18. Jh. Yang Lu Chang, der den Yang Stil begründete, der gleichmäßig langsam ausgeführt wird.

Er unterrichtete erstmals mit Erlaubnis des Kaisers in einer öffentlichen Schule.

1956 wurde der Yang-Stil von Sportlehrern und Sportmedizinern der Sporthochschule Peking überarbeitet und verkürzt; so entstand die "Peking-Form". Über Amerika kam Tai Chi Chuan dann auch nach Europa. 

Tai Chi und Qigong sind neben der Akupunktur und der Heilkräutermedizin die wichtigste Säule der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).

Richtungen

Wie schon aus der Entstehungsgeschichte ersichtlich, gibt es mehrere Richtungen. Der älteste, der Chen-Stil verbindet weiche Bewegungsfolgen mit kraftvollen, kämpferischen Elementen.

Andere Stilrichtungen sind nicht so bekannt geworden, werden aber von Kampfkunstexperten z.T. noch geübt.

Der klassische Yang-Stil ist langsam und sanft und für jedes Alter geeignet. Seine Bewegungsabläufe werden häufig wiederholt. Die verkürzte Peking Form kann in 24 bis 36 Stunden erlernt werden.

Wie läuft eine Tai Chi Übungsstunde ab?

Ein Kurs beginnt meist mit kleinen Lockerungsübungen, die schon auf das Tai Chi hinführen, also gezielt ausgeführte Bewegungen.
Vermittelt werden sollte:

  • die richtige Grundstellung und Körperhaltung
  • wo liegen die Energiepunkte?
  • der Atemeinsatz
  • die gleichmäßig fließenden Bewegungen
  • die Herkunft aus dem Kampfsport
  • die geistige Haltung, da Tai Chi eine Form der Meditation darstellt

Wenn die äußere Form ohne Schwierigkeiten geübt werden kann, dann beginnt die Feinarbeit. Um eine optimale Wirkung zu erreichen, sollte man täglich 20-30 Minuten üben.

Wirkungsweise

Der Tai Chi Ausübende erfährt schon bald nach dem Erlernen der Bewegungsabläufe die wohltuend positive Wirkung. Wer mit voller Aufmerksamkeit die langsamen, sanften Bewegungen ausführt, spürt sehr bald:

  • Eine tiefe physische und psychische Entspannung.
  • Die Aktivität des Großhirns wird auf die motorischen Zentren gelenkt, alle anderen Areale können sich "ausruhen".
  • Die Funktion vieler innerer Organe wird verbessert.
  • Die Atmung wird ruhiger.
  • Die Aktivierung des Zentralnervensystems wird spürbar.
  • Der Kreislauf wird stabilisiert.
  • Die inneren Organe werden massiert, was zu einem verbesserten Stoffwechsel führt.
  • Das Verdauungssystem wird angeregt.
  • Haltungsschäden können ausgeglichen werden, die Wirbelsäule wird beweglicher.
  • Durchblutungsstörungen können vermindert werden.
  • Der Gleichgewichtssinn wird geschult.
  • Die Muskeln werden elastisch und schonend aufgebaut.
  • Die Gelenke werden optimal trainiert.
  • Der Kalziumeinbau in Knochen wird angeregt.
  • Psychische Unruhe wird abgemildert.

Sinn der Übungen ist es, Energie aufzubauen. Die Meridiane werden positiv aktiviert. Die Energie kann besser fließen, Energieblockaden lösen sich.

Anwendungsgebiete

Die Anwendungsgebiete sind breit gefächert, für jeden gesunden Menschen ist Tai Chi ein Gewinn, für "Gestresste" eine Erholung, für Menschen mit Konzentrationsstörungen kann es eine Hilfe sein.

In China wird in vielen Kliniken parallel zur modernen Medizin Tai Chi und Qigong eingesetzt. Die Ergebnisse werden mit Gruppen, die kein Tai Chi oder Qigong betreiben, verglichen. Bei Herz- und Kreislauferkrankungen und bei Krebsleiden wurden die besten Ergebnisse in den Gruppen erzielt, die Tai Chi begleitend geübt hatten. Bei der Tinitusbehandlung (Tinitus=Ohrgeräusch) wird erfolgreich mit Tai Chi gearbeitet. Es kann beim Nikotinentzug helfen. Während der Schwangerschaft geübt, erleichert Tai Chi die Geburt.

Inzwischen arbeiten auch einige deutsche Kliniken mit TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) und bieten begleitend zu den hiesigen BehandlungsmethodenTai Chi oder Qigong (chinesische Heilmethode basierend auf Bewegung und Atmung) an.

Die Erfahrung zeigt, dass Tai Chi auf den gesamten Organismus eine positive Wirkung ausübt.

Grenzen

  • Schwerkranke können mit mit der alleinigen Anwendung von Tai Chi nicht geheilt werden.
  • Schwere psychische Störungen sind damit nicht behandelbar.

Wichtig ist, dass die Übungen durch einen erfahrenen Therapeuten angeleitet werden. Probleme können entstehen, wenn die Übungen nicht richtig ausgeführt werden.

Aber natürlich ist es sinnvoll, schon vor einer Erkrankung, Tai Chi zu erlernen. Der philosophische Hintergrund (Yin - Yang- Prinzip, Daoismus) kann vielleicht der Anstoß zu einer anderen Weltbetrachtung, zur Veränderung des eigenen Verhaltens sein.

Jeder kann nach eigenem Ermessen davon profitieren. Der Weg ist das Ziel.

Elisabeth Sommer lernte Mitte der 80er Jahre bei Meister Ping Liang Tjoa den klassischen Yang Stil. Später in vielen Workshops, Seminaren in Berlin, München und Stuttgart die Peking Form und unterrichtet seither in verschiedenen Institutionen.

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