Schallwellenmassage

Schallwellenmassage

Bei der Schallwellenmassage kann der Patient die Töne gleichzeitig hören, fühlen und unter Umständen auch sehen. Diese vielfältige Anregung wird u.a. zur Entspannung von Muskeln, zur Verminderung von Schmerzen und Spastiken, aber auch in der Behandlung von Schwerkranken genutzt.

Autor/en dieses Beitrages:
Wolfgang Ludwig, Physiotherapeut/in aus Grünheide

Einführung

Schallwellenmassage, Quelle Wolfgang Ludwig
Schallwellenmassage, Quelle Wolfgang Ludwig

Schallwellenmassage gehört zu den vibroakustischen Verfahren und verbindet Elemente aus der rezeptiven Musiktherapie, der Klangtherapie, der Muskelrelaxation, der basalen Stimulation, der Atemmassage und der Schmerztherapie. Auditives und sensorisches Klangerleben werden kombiniert.

Geschichte

Das Verfahren steht in der Tradition der Arbeit mit Klanginstrumenten, wie dem Monchord, Klangschalen, Klangliege, Klangstuhl usw. Es ermöglicht auf elektronischem Wege das Hören und Spüren einzelner Töne, Tonreihen und ganzer Musikstücke, auch die Lieblingstücke der Anwender.

Wirkungsweise der Schallwellenmassage

Schallwellenmassage, Quelle Wolfgang Ludwig
Schallwellenmassage, Quelle Wolfgang Ludwig

Die Schallwellenmassage ist ein gerätegestütztes Verfahren, welches mit musik- und toninduzierten Vibrationen durch Schalldruck eine sensible Ganzkörperstimulation bewirkt.

Die Verteilung der Schwingungen erfolgt mechanisch über Knochenleitungen, Wassermoleküle und Körperhohlräume bis in jede Zelle. Deshalb sind die Vibrationen am ganzen Körper, auch bei Körperpartien, die keinen direkten Kontakt zur Schallmatte bzw. -liege haben, tastbar. Sensorisch sprechen Mechanorezeptoren in der Haut, in der Muskulatur, in Gelenken und inneren Organen an. Spezielle Rezeptoren (sog. RA-, SA- und PC-Rezeptoren) wandeln die durch Schalldruck erzeugten mechanischen Reize in elektrische Reize um und machen sie somit für das zentrale Nervensystem (ZNS) verarbeitbar. Neben der Körperwahrnehmung melden die Mechanorezeptoren durch die Vibration einen erhöhten Spannungszustand der Muskulatur worauf die Kontraktion gehemmt bzw. der Muskel entspannt wird. Schmerzen und Spastiken können dadurch verringert werden. Der Teufelskreis aus Strukturschaden und reflektorischen Muskelverspannungen, die sich gegenseitig unterhalten, kann durchbrochen werden.

Musiktherapeutisch spricht das Gerät das Gehirn parallel auf sensorischer, kognitiver und emotionaler Ebene an, stimuliert und integriert neuronale Vernetzungen in einer musikspezifischen Weise.

Tests haben ergeben, dass durch die tiefreichenden Vibrationen bei der Schallwellenmassage Bronchialsekret mobilisiert werden kann. Sekret kann vermehrt abgehustet bzw. abgesaugt werden. Die Verstärkung der kombinierten Atmung aus Brust- und Bauchatmung (costo-abdominale Atmung) führt zu einer verbesserten Sauerstoffzufuhr in alle Zellen und Gewebe, die Lunge wird besser belüftet. Das Gerät kann daher auch zur Vorbeugung einer Lungenentzündung (Pneumonie) eingesetzt werden.

Bei der Schallwellenmassage wird eine wesentlich größere Tiefenwirkung erreicht, als bei anderen Massageanwendungen, weil diese, ob manuell oder motomechanisch, in der Regel transversal erfolgen, während Schallwellenmassage longitudinal erfolgt.

Energetisch wirkt die Schallwellenmassage regulierend auf Meridiane und Chakren, wie mit geeigneten Messverfahren nachweisbar.

Die Schallwellenmassage ist eine Ganzkörpertherapie, wobei durch Auswahl einzelner Tonfrequenzen oder Frequenzgruppen bestimmte Funktionskreise im Organismus angesprochen werden können.

Auch Resonanzeffekte spielen bei der Schallwellenmassage eine Rolle. In der Bioenergetik wird Krankheit als eine am falschen Ort zur falschen Zeit festgehaltene Energie definiert. In ähnlicher Weise lässt sich eine körperliche Störung auch als falscher Ton am falschen Ort verstehen, wenn man davon ausgeht, dass jedes Organ, jedes Gewebe seine eigene Frequenz besitzt, in der es normalerweise schwingt. Tritt der Körper in Resonanz mit den angebotenen Tönen, resonieren verschiedene Körperteile (Organe, Muskelgruppen, Hohlräume) mehr oder weniger stark zu jeder angebotenen Frequenz.

Behandlung mit der Schallwellenmassage

Die Behandlung mit der Schallwellenmassage erfolgt mit einer mobilen Matratze (Schallmatte) oder einer stationären Liege. In der mobilen Variante wird die Matratze auf einer Behandlungsliege, auf dem Patientenbett, einem anderen geeigneten Liegemöbel oder auf dem Fußboden platziert. Der Patient liegt während der gesamten Schallwellenmassage bequem auf der Schallmatte bzw. Liege und bleibt dabei ganz bekleidet. Er empfängt die Schallwellenmassage passiv, nachdem er oder ein Behandler die Steuerelektronik gestartet haben. Zur Einstimmung auf die Schallwellenmassage wird häufig eine geeignete CD eingelegt. Danach wird ein Therapieprogramm aus voreingestellten Tonfolgen oder ein einzelner Ton für die Schallwellenmassage ausgewählt. Der Patient fühlt die Musik, Tonfolgen oder Töne als sanfte und überaus angenehme Vibrationen, die in der Intensität auf den Patienten abgestimmt werden können. Gleichzeitig werden die Klänge leise gehört. Mit einer anschließbaren Lichtbrille kann der Effekt noch durch eine visuelle Komponente verstärkt werden. Alle diese Impulse laufen simultan und kongruent ab. Alle Sinne empfinden gemeinsam. Das Gehirn bekommt deckungsgleiche Informationen durch Fühlen, Hören und Sehen. Durch geeignete Frequenzwahl kann auch eine Gehirnwellenstimulation durchgeführt werden.

Angewendet wird die Schallwellenmassage zwischen 20 und 45 Minuten mehrmals pro Woche.

Hauptanwendungsgebiete der Schallwellenmassage

Schallwellenmassage wird seit 2005 angewendet. Nach den bisherigen Erfahrungen profitieren folgende Patientengruppen besonders von der Schallwellenmassage:

  • Patienten mit Schwierigkeiten der Körperwahrnehmung, Störungen der Tiefensensibilität und Bewegungsstörungen, z.B. Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose, schlaffe Paresen, Neclect, Barré-Syndrom
  • Patienten mit schmerzhaften Muskelverspannungen, z.B. degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates, Morbus Bechterew, Osteoporose
  • Patienten mit starken Spasmen, Sprachverlust, Bewegungsverlust, Hörverlust, Wahrnehmungsverlust, z.B. nach Schlaganfällen, nach Trauma von Gehirn oder Rückenmark, Menschen im Wachkoma
  • Patienten mit psychischen Störungen, um sie in Kontakt mit ihren Emotionen zu bringen und so Spannungen und Ängste abzubauen. Z.B.: Schizophrenie, Persönlichkeitsstörungen, Neurotische und Angststörungen, Autismus, Mutismus
  • Patienten mit Demenz
  • Patienten mit psychosomatischen Beschwerden, wie Fibromyalgie, Spannungskopfschmerzen, Migräne, Burnout, Rückenschmerzen
  • Patienten mit psychomotorischer Unruhe sowie reduzierten rezeptiven Fähigkeiten, z.B. Wernicke Aphasie
  • Patienten mit großen Schwierigkeiten in der Krankheitsverarbeitung mit Symptomen, die typisch sind für posttraumatische Belastungsstörungen, z.B. bei Tumorerkrankungen, nach traumatischen Erlebnissen
  • Patienten mit Bewegungsmangel zur Pneumonie-, Thrombose- und Kontrakturprophylaxe
  • Patienten mit Obstipationen und Störungen der Blasenfunktion
  • Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen (Asthma, COPD - chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Mukoviszidose oder Langzeitbeatmung zur Lungenbelüftung und Sekretolyse
  • Patienten, die palliativmedizinisch betreut werden

Möglichkeiten und Grenzen der Schallwellenmassage

Die Schallwellenmassage wirkt sehr schonend und ist deshalb auch für Schwerstkranke geeignet. Durch die komplexe Einwirkung auf den ganzen Körper wirkt die Schallwellenmassage entspannend auf Körper, Geist und Seele und beeinflusst eine ganze Reihe von Körperfunktionen. Schmerzhafte Muskelverspannungen und Spastiken werden gelöst, die Körperwahrnehmung verbessert, Darm- und Blasenfunktion werden reguliert, der Lymphabfluss stimuliert, kombinierte Brust-/Bauchatmung und der Sekretabfluss werden gefördert.

In vielen Fällen kann der Medikamenteneinsatz (Spasmolytika, Relaxantien, Sekretolytika, Laxativa, Antidepressiva etc.) reduziert werden.

Die Schallwellenmassage kann gut mit anderen Methoden wie der Akupunktur kombiniert werden.

Die Grenzen der Schallwellenmassage bestehen in der unspezifischen Wirkungsweise. Es ist selten eine zielgenaue Therapie möglich. Der Therapieerfolg ist individuell, sowohl in der Vielfalt als auch im Grad der Linderung von Gesundheitsproblemen. Manche Wirkungen zeigen sich schon nach einer Anwendung (z.B. bei Spannungskopfschmerzen), andere erst nach mehrwöchigem Einsatz. Die Schallwellenmassage ist eher für die rehabilitative und pflegende Medizin, weniger für die Akutmedizin geeignet.

Gegenanzeigen (sog. Kontraindikationen) sind medikamentös nicht kompensierte Anfallsleiden und lebenserhaltende elektronische Implantate (Herzschrittmacher, Defibrillatoren)

Welches Wissen ist notwendig, um die Schallwellenmassage anzuwenden

Die Schallwellenmassage ist für die Anwendung sowohl durch medizinisches Fachpersonal als auch durch Angehörige von Schwerstkranken oder zur Selbstbehandlung konzipiert. Die Schallwellenmassage bedarf keiner speziellen Ausbildung, medizinisches und naturheilkundliches Basiswissen ist natürlich von Vorteil. Spezielles musik- oder klangtherapeutisches Wissen ist nicht erforderlich, sodass es von jedem Arzt, Heilpraktiker oder Therapeuten nach kurzer Einweisung sofort eingesetzt werden kann. Angehörige oder Selbstanwender werden für den konkreten Anwendungsfall eingewiesen.

Stand der naturheilkundlichen Forschung

Zu musik- und klangtherapeutischen Methoden sowie über vibrationsmedizinische Verfahren existieren eine Vielzahl von Arbeiten und Veröffentlichungen.

Fazit

Die Schallwellenmassage ist ein einfach anzuwendendes Verfahren mit einem umfangreichen Wirkungsspektrum und wenigen Kontraindikationen. Sanftheit und gute Dosierbarkeit der Stimulation erlauben auch den Einsatz bei schwerstkranken, multmorbiden (d.h. unter vielfältigen Krankheiten leidenden) oder sehr empfindlichen Patienten. Patienten schätzen, dass sie sich nicht entkleiden müssen, die bequeme Lagerung und die oft eintretenden schnellen Therapiefortschritte. Medizinisches Fachpersonal und Angehörige schätzen die leichte Bedienung und den geringen Zeitaufwand.

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