Pulsdiagnose des Maharishi Ayurveda

Was ist Pulsdiagnose? Wir funktioniert die Pulsdiagnose des Maharishi Ayurveda? Hier erklärt eine der erfahrensten Ayurveda-Ärztinnen Deutschlands, Dr. Karin Pirc, wie der Puls im Maharishi Ayurveda gefühlt wird und was er dem kundigen Arzt alles verrät.

Doshas verstehen und selbst den Puls fühlen: Wie das funktioniert, zeigt die obenstehende Aufzeichnung eines Kurzlehrgangs zum Pulsfühlen von Dr. Karin Pirc.

Dr. phil. Karin Pirc - Ayurvedapraxis Bad Ems / Maharishi Ayurveda Privatklinik Bad Ems
Dr. phil. Karin Pirc
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"Die Pulsdiagnose des Maharishi Ayurveda ist ein hochdifferenziertes Diagnostik-Instrument. Mit ihr kann man Störungen bereits in sehr frühen Stadien aufspüren und ausgleichen – lange bevor sie sich zu manifesten Krankheiten entwickelt haben."

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Ayurveda – seit Jahrtausenden überliefert

Das Sanskritwort Ayurveda bedeutet übersetzt die ‚Wissenschaft vom Leben‘. Es ist davon auszugehen – dies findet man so in den alten Texten des Ayurveda – dass dieses alte Ganzheitswissen in der Zeit der vedischen Hochkultur vom Maharishi (wörtl. ‚großer Seher‘) Bharadwaja in geistiger Schau kraft seines erleuchteten Bewusstseins empfangen wurde. Seitdem wurde es über viele Jahrtausende mündlich minutiös genau überliefert: Die Schüler entwickelten nicht nur ihr eigenes Bewusstsein unter der Anleitung eines erleuchteten Meisters, sondern lernten durch tägliches Rezitieren die Inhalte des Ayurveda und anderer vedischer Disziplinen auswendig. Nach ihrer seelischen und inhaltlichen Vervollkommnung gaben sie dies in einer ungebrochenen Kette von Meister-Schüler-Traditionen jeweils wieder an ihre Schüler weiter. Nur so konnte dieses grandiose und umfassende Wissen über Jahrtausende erhalten bleiben, bevor es ab ca. 600 v. Chr. schließlich schriftlich aufgezeichnet wurde.

Die Kunst des Pulslesens – eine uralte Technik

Die Kunst des Pulslesens – eine uralte Technik
(Bildquelle: fotolia.com 40730019 - Pulse diagnostic closeup © Fabian)

Nadi Vigyan, die Wissenschaft vom Puls, ist eine uralte Tradition, die in den klassischen schriftlichen Aufzeichnungen des Ayurveda erwähnt wird. Allerdings findet man dort nirgends beschrieben, wie diese Technik ganz genau ausgeführt wird. Trotzdem werden ihre Grundzüge heute an jeder Ayurveda-Universität gelehrt, obwohl ihre Feinheiten verloren gegangen schienen.

Seit Beginn der 1980er-Jahre wurde das uralte Menschheitswissen unter Inspiration von Maharishi Mahesh Yogi wiederbelebt, der wie die alten Rishis vor Jahrtausenden in der Lage war, die überlieferten Wahrheiten in seinem Bewusstsein wahrzunehmen. Die Ayurveda-Texte, die ursprünglich von Sprachgelehrten, die nichts vom Ayurveda verstanden, in westliche Sprachen übertragen wurden, wurden erneut genauer übersetzt und interpretiert. Westliche Mediziner durchdrangen das alte Wissen mit den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft und alte Familientraditionen Indiens, die heute nicht mehr an den Universitäten gelehrte Traditionen und Heilverfahren bewahrt hatten, schlossen sich dieser Neubelebung des Ayurveda an, so dass ihr Wissen in den so entstandenen Maharishi Ayurveda integriert werden konnte.

Eine dieser Familien, die sowohl mütterlicherseits als auch väterlicherseits auf eine lange Linie von Vaidyas (Ayurveda-Gelehrten) zurückblickt, ist die Familie von Dr. J.R. Raju. Die Kinder dieser Großfamilie lernen bereits ab dem 4. Lebensjahr durch tägliches Üben das Lesen ihres eigenen Pulses, erst später auch an Patienten. Dr. Raju hat erstmals in der Geschichte der Familie sein differenziertes Geheimwissen über die Feinheiten der Pulsdiagnose auch außerhalb seiner Familientradition gelehrt, die Maharishi Ayurveda Pulsdiagnose.

Drei Doshas im Puls

Alles im Universum klassifiziert der Ayurveda mit dem Zusammenspiel der drei die Materie strukturierenden Grundkräfte, der drei Doshas. Heilkundige lesen deren Wirken seit urlanger Zeit auch im Puls am Handgelenk ab.

Die drei Finger des Pulslesenden – Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger – werden unterhalb des Köpfchens der Speiche nebeneinander leicht aufgelegt, wobei der Zeigefinger in der kleinen Kuhle unterhalb des Köpfchens zu liegen kommt. Auch ein Anfänger kann sanft so weit drücken, bis er dort problemlos das leichte Klopfen seines Herzschlags spüren kann.

Der Puls unter dem Zeigefinger gibt dabei Auskunft über das Vata-Dosha, das vereinfacht zusammengefasst, alle Bewegungen in Körper und Geist regiert: die Informationsübertragungen im Nervensystems ebenso wie Bewegungen von Organen und Muskeln. Ist ein Mensch im Gleichgewicht, fühlt sich der Puls an dieser Taststelle eher hart, kühl, klar, schnell, rau und beweglich an und wird als Bewegung einer Schlange charakterisiert.

Unter dem Mittelfinger kann man die Pitta-Qualitäten eines Menschen ablesen. Dieses Dosha bewirkt Stoffwechsel und Transformation, Verdauung, Wärmeentwicklung im Körper und gute geistige Intelligenz. Dementsprechend ist der typische Pitta-Puls eher warm, energievoll, dynamisch und regelmäßig – er wird mit dem Hüpfen eines Frosches verglichen.

Der Ringfinger gibt schließlich Auskunft über die Kapha-Qualitäten: alles, was den Zusammenhalt im Körper, Festigkeit und Flüssigkeiten steuert, wie Gelenkschmiere oder Schleimbildung der Organe. Der Kapha-Puls gleicht dem majestätischen Dahingleiten eines Schwans, er ist gleichmäßig, weicher, sanft und weniger klar zu fühlen.

Neben der Ausprägung dieser Qualitäten kann der Geübte noch zwischen einem Puls unterscheiden, der klar oder eher klebrig und dumpf ist, was Ama (Stoffwechselablagerungen) anzeigt.  

Diese Qualitäten zu fühlen lernen heute die meisten Studenten an den Ayurveda-Universitäten Indiens und auch dies kann bereits einen recht guten Überblick über die Hauptstörungen und Ungleichgewichte eines Menschen geben. Darüber hinaus lassen sich mit der Pulsdiagnose aus der Familientradition der Dres. Raju noch eine Vielzahl von Feinheiten erkennen, aus deren Zusammenspiel ein Arzt nicht nur Grundstörungen erkennen, sondern ein ganz differenziertes Krankheitsgeschehen ableiten kann.

Die Subdoshas im Puls

Jedes Dosha lenkt Geist und Körper nicht nur als Ganzes, sondern mit jeweils 5 Subdoshas (Unterdoshas), die die Funktionen verschiedener Organe, Organsysteme oder Aktivitäten im Körper steuern. Deren Wirken kann man an der sehr zarten Oberfläche der Pulswelle ablesen, indem jede Fingerkuppe in 5 gedachte Areale eingeteilt und die Ausschläge des Pulses an genau dieser Stelle abgelesen werden. Gestörte Bereiche sind entweder stärker zu spüren – und zwar wiederum unterscheidbar mit ihren jeweiligen Vata-, Pitta- oder Kapha-Qualitäten, die Aussagen darüber machen, in welcher Weise dieser Körperbereich gestört ist. Oder aber sie sind bei Unteraktivität oder Fehlen von Organen gar nicht mehr tastbar.

Diese Erkenntnisse sind natürlich wichtig, um dem Arzt die Richtung zu weisen, welche Therapie er wählen muss, um einen Ausgleich herbei zu führen.

Die Dhatus im Puls

Durch immer stärkeres Pressen kann man die Pulswelle in der Tiefe ganz unterdrücken. Lockert man nun minimal, so markiert das erste Wiedererscheinen der Pulsbewegung den so genannten tiefen Puls. In der Mitte zwischen dem Oberflächen- und dem tiefen Puls liegt die Ebene der Dhatus, an dem der Geübte den Zustand des Stoffwechsels der Gewebe ablesen kann.

Der Ayurveda unterscheidet die Stoffwechselaktivtäten 7 verschiedener Dhatus: Rasa (die verdaute, im Blut mitschwimmende Nährflüssigkeit), Rakta (Blut), Mamsa (Muskelmasse), Meda (Fettgewebe), Asthi (Knochen), Majja (Knochenmark incl. Gehirn) und Sukra (weibl. und männl. Fortpflanzungsgewebe). Dem Zusammenspiel der Kombinationen der Pulswelle unter den drei tastenden Fingern sind die 7 Dhatus zugeordnet.

Diese Informationen ergänzen die Aussagen aus dem Oberflächenpuls, so dass dadurch das Geschehen im Körperinneren noch differenzierter erfasst werden kann. Dass dies ein großes Wissen von den Vorgängen und den Zusammenspiel der Doshas in Körper und Geist aus ayurvedischer Sicht voraussetzt, ist sicher nachvollziehbar. Jeder Ayurveda-Heilkundige lernt über Jahre, welche Störung der Doshas Vata, Pitta oder Kapha welche Krankheiten nach sich zieht. Und ebenso, wie sich der gestörte Stoffwechsel der Dhatus – je nachdem, ob sie zu viel oder zu wenig arbeiten – in Geist und Körper auswirkt.

Der Puls vergisst nichts

Noch erstaunlicher ist es, dass sich dem Geübten auch das gesamte gesundheitliche Geschehen eines Patientenlebens mit Hilfe des Pulses erschließen lässt.

Gleiten die Finger gezielt über die verschiedenen Ebenen des Pulses zwischen Oberflächen- und Tiefenpuls, lässt sich genau erkennen, wann eine Störung in den Subdoshas das erste Mal aufgetreten ist. Der tiefe Puls markiert dabei den Beginn des Lebens, der Oberflächenpuls den Zeitpunkt, an dem abgelesen wird. Man kann also ziemlich genau ablesen, wie lange eine Störung bereits besteht oder in welchem Bereich die Störung zunächst auftrat und welche Folgestörungen in anderen Funktionsbereichen sie schließlich nach sich zog.

Verständlich, dass der Ayurveda-Arzt die Grundstörung mitbehandeln muss, um einen dauerhaften Heilerfolg erzielen zu können. Wenn er die Pulsdiagnose in regelmäßigen Abständen wiederholt, kann er außerdem erkennen, inwieweit die Besserungen des Patienten fortgeschritten sind, selbst wenn dieser sie vielleicht noch nicht so deutlich spürt.

Auf diese Weise ist die Pulsdiagnose des Maharishi Ayurveda nicht nur ein hochdifferenziertes Diagnostik-Instrument. Denn man kann damit Störungen bereits in sehr frühen Stadien aufspüren und ausgleichen, lange bevor sie sich zu manifesten Krankheiten entwickelt haben und lange bevor die Untersuchungsmethoden der modernen Medizin diese feststellen können. So wird die ayurvedische Empfehlung nachvollziehbar, regelmäßig seinen Puls lesen zu lassen (oder selbst zu lesen), um schon von vorneherein das Gleichgewicht von Geist und Körper so gut als möglich wahren zu können. Denn vorbeugen ist natürlich sehr viel einfacher – und kostengünstiger – als heilen. Gleichzeitig ist Nadi Vigyan eine hilfreiche Methode für den Ayurveda-Arzt, einen Einblick in den Therapieerfolg und die gesundheitlichen Verbesserungen seines Patienten zu bekommen und seine Behandlungsempfehlungen daraufhin anzupassen. Und das mit einem Handgriff, ohne jedes Mal wieder die fortschrittliche – und selbstverständlich oft äußerst nützliche – Apparate-Medizin bemühen zu müssen.

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