Kräuter auf dem Balkon

Kräuter auf dem Balkon

Gehören Sie zu den Menschen, die gerne zu Beginn eines neuen Jahres die allerbesten Vorsätze fassen? Die sich vielleicht mehr bewegen und überhaupt mehr auf die Gesundheit achten wollen? Die weniger Fast Food, dafür mehr Gemüse, Obst und Salat auf den Tisch bringen möchten? Dann sollten Sie unbedingt auch an Kräuter denken.

Autor/en dieses Beitrages:
Dieter Berweiler, Heilpraktiker/in aus Stuttgart-Mühlhausen

Einführung

Dieter Berweiler
Christel Berweiler

Gehören Sie zu den Menschen, die gerne zu Beginn eines neuen Jahres die allerbesten Vorsätze fassen? Die sich vielleicht mehr bewegen und überhaupt mehr auf die Gesundheit achten wollen? Die weniger Fast Food, dafür mehr Gemüse, Obst und Salat auf den Tisch bringen möchten? Dann sollten Sie unbedingt auch an Kräuter denken. Die waren jahrtausendelang von den Menschen zur Bereicherung ihrer Nahrung geschätzt, bis sie im vergangenen Jahrhundert durch unsere „fortschrittlichen“ Kochgewohnheiten, durch Industrieprodukte und Chemie verdrängt wurden.

Doch schon seit vielen Jahren sind Kräuter in all ihrer Vielfalt, bis hin zu den so genannten "Unkräutern", schwer auf dem Vormarsch.
Kein Markt, auf dem nicht neben Petersilie und Schnittlauch auch rotlaubiges Basilikum, Zitronenthymian oder Thai-Minze angeboten wird. Falls Sie zu den Zeitgenossen gehören, die mit dem mittlerweile hippen Grünzeug noch nicht so richtig viel anzufangen wissen, sollten Sie nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. So unglaublich, gar unüberschaubar reich die Kräuterwelt auch ist: Ein Versuch mit den gesunden Gewächsen lohnt sich. Schließlich verlangt niemand von Ihnen, dass Sie 30 Minze-Sorten samt den innewohnenden ätherischen Ölen herunterbeten können. Doch wer bedenkt, dass Kräuter nicht nur ganz ungewohnte, neuartige Gaumenfreuden bescheren und dabei helfen können Kochsalz einzusparen, sondern auch gegen allerlei Zipperlein von A wie Angina bis Z wie Zahnfleischbluten wirken, der wird seine Bedenken wegen des noch mangelhaft funktionierenden grünen Daumens möglicherweise verdrängen. Schließlich ist es auch ein sinnlich-ästhetisches Vergnügen, der wachsenden, oft zauberhaft blühenden Vielfalt beim Gedeihen zuzuschauen.

Christel und Dieter Berweiler, die Gründer des Calendula Kräutergartens empfehlen jenen, die Kräuter nur auf einem Balkon oder am Küchenfenster ziehen können und speziell Kräuter für die Küche anpflanzen wollen, aus folgenden Kräutern die eigenen, ganz persönlichen Lieblings-Top-Ten für den sonnigen Balkon auszuwählen.

Welche Kräuter eignen sich überhaupt für die Topfkultur?

Kräuter, die nicht zu tief wurzeln oder zu groß werden, eignen sich im Normalfall auch für den Topfgarten. Außerdem gibt es von vielen Kräutern Sorten, die klein und kompakt bleiben.

Kräuter für den sonnigen Balkon

Rosmarin, kompakter Majoran, Thymian (etwa Zitronenthymian oder hängender Kaskadenthymian), Ysop, Salbei, Basilikum (z.B. Heiligenbasilikum oder Zimtbasilikum), Currykraut, Dill, Koriander, Zitronenverbene, Gewürzfenchel und Jioagulan.

Kräuter, die auch für einen Balkon im Halbschatten geeignet sind

Minze (z.B. Schokominze, Hemingwayminze, Marokkanische Minze), Kerbel, Zitronenmelisse, Kapuzinerkresse, Beinwell, Weinraute, Beifuß, Liebstöckel, Bärlauch, Boretsch und die Klassiker Schnittlauch und Petersilie.

Kräuter – woher nehmen?

An die Kräuter kommen Sie auf unterschiedlichste Weise:

Sie kaufen Samen und halten sich an die auf den Tütchen angegebenen Aussaattermine. Das geht jedoch nicht bei allen Kräutern. Manche lassen sich nur durch Stecklinge vermehren.

Noch einfacher zu handhaben sind Saatbänder oder –scheiben. Sie haben den Vorteil, dass die keimenden Kräuter später nicht mehr pikiert und vereinzelt werden müssen – hier ausgefallene Sorten zu finden ist aber eher schwierig.

Zu guter Letzt können Sie sich einfach vom Angebot bei Ihrem Gärtner, auf dem Markt oder speziellen Kräutergärtnereien, wie dem Calendula-Kräutergarten, inspirieren lassen und direkt Jungpflanzen kaufen.

Später, nachdem Ihre Balkonkräuter sozusagen eingewachsen sind, können Sie bei vielen Kräutern (z.B. Salbei, Ysop, Wermut, Melisse, Rosmarin, Thymian) für Nachschub durch Stecklinge sorgen. Schneiden Sie die Stecklinge, junge, noch nicht verholzte Triebspitzen, im Sommer und entfernen Sie alle Blätter bis auf die obersten. Stecken Sie die Stecklinge in kleine Töpfe mit sandiger Erde und halten Sie den Nachwuchs immer leicht feucht. Im warmen Halbschatten sollten bald die Würzelchen sprießen und sie können die bewurzelten Nachwuchskräuter in größere Töpfe pflanzen.

Pflanzgefäße, Erde und Dünger

(Um)gepflanzt werden können die Kräuter in Ton- oder Kunststoffgefäße. Die Töpfe oder Balkonkästen sollten nicht zu klein und zu schmal sein. "Kein Topf sollte unter 25 cm Durchmesser haben", sagt Kräuterexperte Dieter Berweiler, wobei etwa nach zwei, drei Jahren Salbei und Rosmarin in deutlich größeren Töpfen besser wachsen.

Wichtig ist es für einen guten Wasserabzug zu sorgen: Alle Gefäße brauchen also Löcher im Boden, über die man z.B. Tonscherben oder Kieselsteine legt. Darüber kommt eine ein bis zwei Zentimeter hohe Schicht Sand, evtl. gemischt mit Splitt oder Kies. Als Kräutererde empfiehlt Dieter Berweiler Bioerde. Ansonsten kann man auch Topferde selbst mischen aus jeweils einem Drittel reifem Kompost, Sand und Gartenerde.

Als Dünger kann man in diesem Fall in die halb gefüllten Töpfe Hornspäne als Langzeitdünger geben, denn auch jene Kräuter, die etwa am Mittelmeer auf trockenen, kargen Böden wachsen, kommen nicht ohne Nährstoffe aus. "Im Grunde ist es ähnlich wie bei uns Menschen. Auch wir können viele Tage lang ohne Nahrung auskommen und überleben, aber gut tut uns das nicht immer", erklärt der Stuttgarter Kräuterexperte. Den Sommer über kann man seine Kräuter daher auch mal mit Brennnesseljauche düngen oder mit Hornmehl für Stickstoffnachschub sorgen. Wer winterharte Pflanzen im Topf oder Balkonkasten hat und sie über den Winter bringen will, sollte ab Juli nicht mehr düngen.

Eine einfache Faustregel fürs Gießen gibt es ebenfalls nicht, außer dem Tipp, wenigstens morgens und/oder abends die Kräuter zu gießen, deren Topf bereits wieder trocken ist. Hier ist ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt, zumal Kräuter in Töpfen natürlich schneller austrocknen als im Garten ausgepflanzte Gewächse. Folgende Kräuter haben auf jeden Fall mehr Durst als andere: Melisse, Liebstöckel, Schnittlauch, Estragon, Petersilie, Oregano und Basilikum.
Deutlich weniger Wasser brauchen etwa Thymian, Rosmarin, Salbei. Am besten stellt man die durstigen Pflanzen zusammen, so kann man sie gemeinsam gießen.

Kräuterernte

Ernten Sie Ihre Kräuter immer dann, wenn Sie in der Küche (oder für andere Zwecke) welche brauchen. Die meisten gängigen Kräuter, die in unseren Breiten gedeihen, können ständig beerntet werden. Bei krautigen Arten wie Schnittlauch, Petersilie, Boretsch oder Pimpinelle schneidet man die ganzen Triebe. Die Pflanze treibt dann von unten wieder kräftig aus. Bei verholzenden Pflanzen wie Rosmarin oder Salbei schneidet man oberhalb der letzten Blätter. Haltbar machen können Sie Ihre Kräuter durch Trocknen, Einfrieren oder in Öl einlegen und schließlich auch noch verarbeitet zu Pesto.

Auch hier müssen Sie ein wenig experimentieren, was sich wofür besser eignet. Generell kann man sagen, dass Kräuter mit harzigem Aroma wie Thymian, Salbei, Liebstöckel oder Bohnenkraut auch beim Trocknen ihr Aroma behalten. Dazu kann man sie in kleinen Sträußchen an einem trockenen, schattigen und luftigen Platz aufhängen.

Kräuter mit flüchtigerem Aroma wie Petersilie, Kerbel, Schnittlauch oder Dill kann man besser einfrieren. Dazu werden die frisch geschnittenen Pflanzen von ihren harten Stielen befreit und gehackt.

Im Übrigen kann man von fast allen Kräutern auch die Blüten essen, wie etwa bei Boretsch, Kapuzinerkresse, Thymian, Bergbohnenkraut, Calendula. Auch Salbeiblüten und Rosmarinblüten sind essbar – und die Behauptung, dass man Kräuter, die blühen, nicht mehr essen kann, stimmt nach Meinung von Kräuterexperten wie Berweiler mitnichten. Probieren Sie also selbst, ob Majoran, Thymian, Oregano und Bohnenkraut vor oder während der Blüte besser schmecken!

Wohin mit den Kräutern im Winter?

Mehrjährige Kräuterstauden, die nicht frosthart sind (erkundigen Sie sich gleich beim Kauf danach), müssen im Herbst ins Haus geholt werden, z.B. Lorbeer, einige Rosmarinsorten, Strauch-Baskilikum, Zitronen-Verbene, Ananas- oder Frucht-Salbei. Hier können sie an einem kühlen, hellen Platz mit hoher Luftfeuchtigkeit über den Winter kommen. Je kühler eine Pflanze überwintert, desto weniger muss gegossen werden. Aber der Wurzelballen sollte auch im Winter nie ganz austrocknen! Gegossen wird bei frostfreien Temperaturen.

Manche Kräuter sind durchaus winterhart, wie etwa Ysop, Salbei, Bergbohnenkraut, die meisten Thymiansorten, einige Rosmarinsorten, Oregano, Eberraute. Als Topfpflanzen frieren sie aber viel schneller durch als Pflanzen im Garten, so dass man die Töpfe zusätzlich schützen sollte. Das geht mit Noppenfolie, altem Zeitungspapier oder Säcken, die um die Töpfe gebunden werden, die zudem nicht direkt auf kaltem Stein stehen sollen.

Kräuter-Wegweiser für einige der genannten Kräuter in Kurzform

Boretsch
Boretsch
Dill
Dill
Petersilie
Petersilie
Pimpinelle
Pimpinelle
Zitronenmelisse
Zitronen-melisse

Die Einjährigen:

  • Basilikum: wird bei uns je nach Sorte meist als einjährige Pflanze gezogen und mag es gern warm – seine Bedürfnisse sind aber je nach Sorte sehr unterschiedlich. Er schmeckt frisch-würzig und pfeffrig süß, enthält ätherische Öle und Gerbstoffe, die krampflösend und nervenberuhigend wirken sollen. Basilikum ist unentbehrlich in allen mediterranen Gerichten, in Salaten, Quark und er passt zu Gemüse und Fleisch ebenso wie zu Fisch. Es gibt eine unüberschaubare Sortenvielfalt vom Zimtbasilikum, Zitronenbasilikum, Thaibasilikum, Heiligen Basilikum über die bei uns bekannteste Sorte „Genovese“ bis hin zum afrikanischen Strauchbasilikum. Letzterer verträgt Temperaturen bis 5 Grad Celsius und wächst ab 10 Grad.
  • Boretsch: gibt es als mehrjährige Staude, die in harten Wintern abgedeckt werden sollte oder als einjährige Art. Er enthält Schleim- und Mineralstoffe, Saponine sowie Gerb- und Kieselsäure. Boretsch schmeckt frisch und säuerlich und erinnert im Geschmack ein wenig an Gurken. Er passt in Salate, Quark und Kräutersoßen. Boretsch soll Rheuma lindern und herzstärkend wirken.
  • Dill: die Blätter schmecken frisch und herb. Das Kraut passt in Salate, Soßen und Kräuterbutter und schmeckt zu Fisch oder eingelegt in Essig. Dill lindert Blähungen und wirkt entspannend.
  • Kerbel: Ätherische Öle, Glycoside und Bitterstoffe sorgen beim Kerbel für süß-würzigen Geschmack und seine stoffwechselanregende Wirkung passt gut zu Omletts, aber auch in Salate, Kräutersoßen und Suppen.

Zweijährige

  • Petersilie: In der wassertreibenden Petersilie stecken viel Vitamin C, ätherische Öle und Mineralstoffe. Sie passt in Salate, Soßen, Suppen, Gemüse und zu Kartoffeln und stärkt die Widerstandskraft.

Die Mehrjährigen

  • Beifuß: enthält ätherische Öle, Bitterstoffe, Inulin, Gerbstoffe und Harz. Beifuß schmeckt herb, leicht bitter und macht schwere Speisen leichter verdaulich. Daher passt er gut zu Gerichten aus fettem Fleisch oder zu Braten.
  • Fenchel: passt zu Fisch, Schweinefleisch, in Salate und Soßen. Seine ätherischen Öle und Mineralstoffe wirken krampflösend und lindern Blähungen.
  • Majoran: Der typische, kräftig-süße Majoranduft lässt Wurst, Fleisch, Hackfleisch, Kartoffeln und Soßen noch würziger schmecken. Majoran soll appetitanregend und entkrampfend wirken, was seinen fetten Ölen, den Gerb- und Bitterstoffen und seinen ätherischen Ölen zu verdanken ist.
  • Melisse: schmeckt zitronig und wird in Salate, Soßen, Quark oder zu Tomaten, aber auch an Süßspeisen gegeben. Sie enthält die ätherischen Öle Citronella und Citral, sowie Gerb- und Bitterstoffe. Melisse wirkt herz- und nervenberuhigend und fördert das Einschlafen.
  • Oregano: enthält das ätherische Öl Thymol sowie Gerb- und Bitterstoffe. Mit Oregano würzt man Fleisch, Pizza, Eintöpfe und Suppen. Das Kraut wirkt krampflösend und nervenstärkend.
  • Pefferminze: ist ein Klassiker für erfrischende Teeaufgüsse. Das ätherische Öl Menthol, ihre Gerb- und Bitterstoffe lassen Pfefferminze krampflösend und wärmend wirken. Der frische Minzgeschmack passt zu Lammfleisch, Soßen und Marinaden, zu Süßspeisen und Schokolade.
  • Pimpinelle wirkt antiseptisch und hilft bei der Blutstillung. Wichtige Inhaltsstoffe sind der Gerbstoff Tannin, Flavone und Vitamin C. Pimpinelle schmeckt leicht säuerlich und nussig und wird verwendet in Salaten, Quark und Soßen.
  • Rosmarin enthält Campher, Harz sowie Gerb- und Bitterstoffe. Er schmeckt würzig und passt zu Fleisch- und Tomatengerichten sowie in südländische Gemüsegerichte. Rosmarin wirkt anregend auf den Kreislauf.
  • Salbei enthält Thujon und Campher neben Saponinen, Gerb- und Bitterstoffen. Sie sorgen für das kräftig-würzige Aroma und die antiseptische, entzündungshemmende Wirkung. Salbei hilft auch gegen Halsschmerzen und Nachtschweiß und wird in der Küche vor allem für Fleischgerichte und Soßen verwendet.
  • Schnittlauch enthält viel Vitamin C, Mineralstoffe und ätherische Öle. Sein zwiebliger, scharfer Geschmack passt zu Salaten, Quark, Soßen und Eierspeisen. Schnittlauch wirkt appetitanregend und blutbildend.
  • Thymian schmeckt herb-würzig und passt in Eintöpfe, zu Fleisch und Kartoffelgerichten. Thymol, Harz, Gerb- und Bitterstoffe lassen ihn desinfizierend und antiseptisch wirken und bringen Linderung bei Husten.
  • Ysop wirkt dank seiner Gerb- und Bitterstoffe appetitanregend, krampflösend, er regt den Kreislauf an und wird in der Küche für Salate, Soßen und Kräuterdressings verwendet.
  • Zitronenverbene (nicht winterhart!) enthält als Hauptbestandteile Citral, Neral und Geraniol und duftet frisch nach Zitrone. Die Blätter werden frisch oder getrocknet für Salate, Schweinefleisch- und Pilzgerichte verwendet, aber auch zum Würzen von Süßspeisen und für Tee. Zitronenverbene wirkt appetitanregend und verdauungsfördernd sowie leicht beruhigend bei Nervosität und Schlaflosigkeit. Sie fördert den Milchfluss der stillenden Mutter und wirkt Gebärmutter-kontrahierend (ideal nach der Geburt aber Vorsicht während der Schwangerschaft!).

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen



Mailadresse dient möglichen Rückfragen durch die Redaktion.
Sie wird nicht veröffentlicht.


Wichtiger Hinweis:

Diese Inhalte dienen der Information und Orientierung. Sie können und sollen unter keinen Umständen den Besuch eines Arztes und die Konsultation medizinischer Beratung oder professioneller ärztlicher Behandlung ersetzen.
Der Inhalt von naturheilmagazin.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Im Übrigen verweisen wir auf die Geltung unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB

Krankheiten A-Z