Die Osteopathie

Osteopathie

Die Osteopathie ist eine präventive Form der Medizin, die sich schwerpunktmäßig mit der manuellen Behandlung des Halte- und Bewegungssystems befasst. Sie gilt als sinnvolle Ergänzung und begleitende Therapieform zur Schulmedizin.

Autor/en dieses Beitrages:
Petra Gohl-Frohnmayer, Heilpraktiker/in aus Stuttgart

Einführung

Die Osteopathie ist eine präventive Form der Medizin, die sich schwerpunktmäßig mit der manuellen Behandlung des Halte- und Bewegungssystems befasst. Sie gilt als sinnvolle Ergänzung und begleitende Therapieform zur Schulmedizin. Zusammen mit der Chiropraktik gehört sie zur Manuellen Therapie, die sich in Europa als Zweig der Orthopädie etabliert hat. Die Osteopathie dient vorwiegend zur Behandlung von Funktionsstörungen mit Hilfe der Hände und geht auf den amerikanischen Arzt A.T. Still (1828- 1917) zurück. Die Osteopathie beruht auf dem Grundsatz, dass Leben Bewegung ist (das Herz schlägt, die Lunge weitet sich etc.), dass der menschliche Organismus eine untrennbare Einheit darstellt, und dass jede einzelne Körperstruktur lebt und sich bewegt. Ist eine Bewegung gestört oder eingeschränkt, so folgen daraus Funktionsstörungen (ein nicht mehr bewegtes Gelenk versteift). Mit speziellen Techniken gibt der Osteopath der betroffenen Struktur ihre Beweglichkeit wieder.

Der Körper ist Gottes Apotheke.
In ihm sind alle Flüssigkeiten, Heilmittel, befeuchtenden Öle,
Opiate, Säuren, Basen und jede Qualität an Heilmitteln vorhanden,
die die Weisheit Gottes als notwendig erachtete
für die Gesundheit und das Glück des Menschen.

A.T. Still

Ihr geistiger Begründer ist Andrew Still, der um die Jahrhundertwende in Amerika lebte. Für ihn stellte sich die Frage, warum manche Kinder eine Infektionskrankheit überleben und andere nicht. In seinen Forschungsarbeiten stellte er fest, dass zwischen der Wirbelsäule und dem Eingewei­desystem eine enge Beziehung besteht und dass Organe auch eine eigene Beweglichkeit besit­zen. Sein Werk hat sein Schüler Gordon Sutherland fortgesetzt und um die craniale Osteopathie er­weitert, die den Schädel mit einbezieht.

Die Osteopathie stützt sich auf drei große Säulen:

Beinlängendifferenzen
Beinlängendifferenzen

Die parietale (strukturelle) Osteopathie

befasst sich hauptsächlich mit dem Skelettsystem. Dazu gehören die Techniken der manuellen Therapie und der Chiropraktik, die sowohl mobilisierend wie manipulierend eingesetzt werden können. Neben den Manipulationen gibt es sehr viele weiche Techniken zur Kor­rektur von Fehlstellungen in den Gelenken, so z.B.:

  • Die Jones Techniken (Technik der Positionierung): Hier wird das Gelenk in die frei bewegliche Richtung gebracht. In dieser Endstellung kann sich das Gelenk wieder neu organisieren,
  • Die Pulssynschronisation: Es wird eine energetische Verbindung zwischen dem Organ und der Wirbelsäule hergestellt,
  • Unwinding: So, wie sich die Schnur eines Telefonhörers verdrehen kann und durch Herabhängen sich entwindet, so wird der Spannung des Gewebes gefolgt, bis dieses entspannt ist.

Diese Techniken werden vor allem dann eingesetzt, wenn Manipulationen nicht möglich sind.
Es wird aber vor allem die enge Beziehung zwischen der Wirbelsäule und den Organen berücksichtigt. Bewegungseinschränkungen in einer be­stimmten Höhe der Wirbelsäule und Veränderungen im dazugehörigen Hautbereich deuten jeweils auf ein betroffenes Organ hin. Das Organ beeinflusst die Wirbelsäule und umgekehrt.

Wichtig sind auch „Ursachen und Folge Ketten“, die in Bezug auf die Wirbelsäule auf oder absteigend sein können. Es wird abgeklärt, ob das Problem eher in Seitneigung oder Drehung, bei Beugung oder Streckung auftritt. So kann z.B. eine Bewegungseinschränkung in einem bestimmten Teil des Fußes, an­dere Teile des Körpers beeinträchtigen.

Leichte Veränderungen an der Wirbelsäule allein sind noch nicht krankhaft, wie z.B. Beinlängendifferenzen, wenn diese bis zum Kopf ausgeglichen wer­den können, so dass die Augen auf einer horizontalen Linie stehen. Ist dies aber nicht der Fall und gerät die Wirbelsäule aus dem Lot, verschiebt sich das Problem und tritt an einer anderen Stelle wieder auf.

Auch das Knochensystem wird als ein lebendiges Sy­stem betrachtet, das Veränderungen unterliegt. Wenn ein Mensch seine Wirbelsäule nicht im Lot halten kann, werden zuerst Muskeln und Bänder versuchen, den Ausgleich vorzunehmen. Wenn dies nicht mehr möglich ist, wird an diesen Stellen zusätzlich Gewebe angelagert. Die Diagnose lautet Arthrose (degenerative Gelenkerkrankung). Die Ursache derselben liegt oft an anderer Stelle.

Die viszerale Osteopathie

(visceralis, lat.: die Eingeweide betreffend)
beschäftigt sich vor allem mit dem Hüllensystem der Organe, Muskeln und Nerven.

Unser Bindegewebe ist das Gewebe, das überall in unserem Körper vorhanden ist. Blut zählt zum Bindegewebe, die Leber ist Bindegewebe plus Leberzellen. Man kann diese Struktur mit einem großen Tuch vergleichen. Wenn irgendwo ein Knoten ist, dann können Zugbewegungen fußwärts oder kopfwärts entstehen, die dann dort zu Spannungen Schmerzen usw. führen können. Die Ursache einer solchen Verklebung könnte z.B. eine alte Infektion der Lunge sein, eine Operationsnarbe oder ein Bruch.

In den feinsten Räumen dieses Gewebes findet der Nährstoffaustausch statt. Es werden aber auch Gifte abgelagert, die der Körper nicht mehr ausscheiden kann. Am besten lässt sich diese Funktion am Beispiel der Niere erklären, die mit ihrer Hülle auf dem langen Hüftbeuger liegt. Mit jedem Atemzug gleitet sie ca. drei cm rauf und runter. Das sind an einem Tag fast 300 Meter. Schränkt sich diese Bewegung ein, dann kommt es zur Verklebung der Hülle mit dem Hüftbeuger, was diesen wieder in seiner Beweglichkeit einschränkt. Da die versorgenden Strukturen der Niere zwischen diesen Hüllen liegen, wird die Versorgung der Niere gedrosselt und der Weg für potentielle Infektionen erleichtert.

Zu Techniken in diesem Bereich gehören Mobilisationstechniken, Techniken für venöses Blut und Lymphe, die die Entwässerung des Körpers unterstützen, aber auch Techniken für Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse usw., damit diese Organe ihre Sekrete besser abgeben können. Parallel würde man aber auch im parietalen System, hier vor allem im Bereich der Wirbelsäule, nach den Gebieten schauen, die vom vegetativen Nervensystem versorgt werden. Ebenso nach den zentralen Gebieten der hormonellen Versorgung, wie Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) und dem Vagus (zehnter Hirnnerv, zuständig für die Verdauung und Regeneration).

Die craniale Osteopathie

(cranium, lat.: der Kopf)

Für die Osteopathie ist der Schädel kein starres Sy­stem, sondern innerhalb desselben sind minimalste Bewegungen möglich, die mit viel Übung zu tasten und zu beur­teilen sind.Mitten im Schädel liegt das Ventrikelsystem, das mit Rückenmarksflüssigkeit gefüllt ist und in einem eigenen Rhythmus den Liquor (Rückenmarksflüssigkeit) in die Rückenmarkshaut und zwischen die Hirnhäute auspumpt und aufsaugt. Der Rückenmarksschlauch ist am dritten Sakralwirbel und Steißbein fixiert. Blockaden, Entzündungen, Vorwölbungen der Bandscheibe können die Beweglichkeit des Rückenmarkschlauches einschränken und damit die Vitalität und Infektabwehr dieses Menschen beeinträchtigen.Mitten im Schädel liegt auch das Speno-Basiläre-Gelenk (zentrales Gelenk zwischen Keilbein und Hinterhauptsbein). Auf dem Spenoid (Keilbein) liegt der Türkensattel, der die Hirnanhangsdrüse beherbergt, das Sammelbecken unserer Hormone. In direkter Nähe liegt der Hypothalamus, einer der zentralsten Schaltzellen des Gehirnes. Fehlspannungen in diesem Bereich haben auf dieses System Einfluss.Die Kopf­gelenke und deren Muskulatur, die sehr viele Rezeptoren haben, sind eng mit den Augen und Ohren durch einen gemeinsamen Kern im Stammhirn, der zentrale Bedeutung für unsere Orientierung hat, verschaltet.. Probleme in diesem Bereich können zu Schwindel und Ohrensausen führen.Neben den Kopfgelenken verlässt der Vagus (zehnter Hirnnerv) den Schädel, so dass Fehlspannungen in diesem Bereich unser Verdauungssystem stören kann.Zu der cranialen Arbeit gehören aber auch die „Somato (Körper) – Emotionale –Release (Entspannung) –Techniken“ :Unser Kör­pergewebe hat ein Gedächtnis und Verletzungen werden als eine Art Erinnerung im Gewebe gespeichert. Diese Technik versucht diese Erinnerung an frühere Verletzungen zurückzuholen, um diese heute, als er­wachsene Person, wieder verarbeiten zu können. Unbewusste, alte Spannungsmuster sollen dadurch aufgelöst werden. Neuere Forschungen der Psychoimmunologie (Lehre, die sich mit der psychischen Infektabwehr beschäftigt) in Amerika haben die alte Theorie der Chinesen bestätigt, dass bestimmte Gefühle, immer bestimmte Organe energetisch beeinträchtigen: zuviel Ärger stresst die Leber( eine Laus läuft ihm über die Leber), zuviel Trauer die Lunge.So kommt alles in allem eine riesige Palette an Techniken heraus und die Kunst ist es wohl, den passenden Einstieg zu finden. Ziel ist es die primäre Verletzung oder die dominanteste Verletzung zu finden. Diese kann strukturell, viszeral, cranial oder emotional sein. Die zusätzliche Aufgabe des Therapeuten liegt darin, die verschiedenen Anteile in der Behandlung zu gewichten.Am Anfang steht die Anamnese (Vorgeschichte der Krankheit), der Sichtbefund, der funktionelle Befund und der Tastbefund, das Prüfen der Gelenkbeweglichkeit, der viszerale und craniale Befund. Es müssen Akutprobleme von chronischen unterschieden werden. Je länger und chronischer ein Mensch krank ist, umso umfassender muss therapiert werden und desto länger dauert die Therapie.Man kennt hier ein horizontales Heilsystem:

  • Strukturell: Arbeit an Gelenken und Muskeln,
  • Chemisch: Tabletten, Korrektur des Säure-Base-Gleichgewichts, Ernährung, Pflanzenheilkunde,
  • Elektrisch: Akupunktur, Akupressur, Strombehand­lung,
  • Phsychisch-emotional: Somato-emotionale Entspannungsverfahren und Gespräch.

Bei chronisch kranken Patienten sollte die Therapie auf mindestens drei Säulen gestützt werden.

Ein Teil der Osteopathen bedient sich der Kinesiologie, um Therapieblockaden abzuklären.

Kontraindikationen

Osteopathie ist keine Notfallmedizin.
Sie kann bei ernsten Erkrankungen wie Krebs nur begleitend sein.
Bei psychischen Erkrankungen sollte die Osteopathie nur begleitend angewandt werden.

Die Osteopathie kann bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt werden. Aus dem ganzen Spektrum möchte ich hier die Indikationen der Frauenheilkunde aufzählen:

Krankheitsbilder der Frauenheilkunde, osteopathisch behandeln

Es werden keine Diagnosen behandelt, sondern Patienten. Auch bei bestimmten Symptomen kann es sein, dass der Osteopath es für sinnvoll erachtet, an völlig anderer Stelle zu therapieren.

Regelstörungen:

  • Bei der jungen Frau
  • Bei schmerzhafter Regel
  • Bei vorzeitigem Ausbleiben im Vorklimakterium
  • Fruchtbarkeitsprobleme
  • Senkungsbeschwerden, die oft mit Rückenschmerzen verbunden sind
  • Rückenprobleme, die eine viszerale Ursache haben z.B. Blase, Darm, Gebärmutter, Niere
  • Hüftprobleme, die eine viszerale Ursache haben
  • Zustand nach Stürzen z.B. auf das Steißbein
  • Ischiasbeschwerden
  • Knieschmerzen
  • Probleme in der Schwangerschaft, bei der Geburt, bei der Rückbildung
  • Schwangerschaftsdepression, wenn diese durch Veränderung der Kreuzbeinposition verursacht ist (depressed sakrum).
  • Begleitend bei Krebs
  • Nach Operationen: Gebärmutterentfernung, Brustabnahme, Bestrahlung( kann das Nervengewebe in seiner Funktion einschränken)
  • Narben, die auch durch andere Operationen wie z.B. Blinddarm verursacht sein können.
  • Kopfschmerzen, Migräne (hormonell beeinflusst)
  • Begleitend bei Endometriose (Schleimhaut der Gebärmutter wächst in den Bauchraum und blutet dort während der Periode), da diese auch zu Verklebungen und Vernarbungen führt.
  • Begleitend zur Ausleitung z.B. von Schwermetallen
  • Verdauungs- und Stauungsprobleme

Behandlung des Neugeborenen, dessen Kopf und Wirbelsäule durch die Geburt oder die Schwangerschaft in Fehlpositionen gekommen sind. Hierzu gehört:

  • Asymmetrien des Schädels
  • Schreikinder
  • Fehlstellung der Kopfgelenke
  • Verdauungsprobleme
  • Hüftgelenksprobleme

Ausbildung eines Osteopathen

In den Vereinigten Staaten ist der Osteopath ein ärztlicher Beruf, dessen Qualifikation nach einem Grundstudium in der Medizin erworben werden kann. Hier in Europa steht diese Ausbildung medizi­nisch vorgebildeten Berufen offen. Nach vielen Streitigkeiten versuchen sich die europäischen Schulen zusammenzuschließen und Einheitlichkeit in Ausbildungsordnung und Lehrplan zu schaffen.

In Belgien, Holland und England ist dies gelungen. In diesem Zusammenhang wird auch versucht, den Titel des Osteopathen zu schützen.

Je nach Schule und deren Dozenten, aber auch nach eigenen Neigungen und persönlichen Erfahr­ungen, verwendet der einzelne Therapeut die verschiedenen Techniken unterschiedlich. Es sind zudem viele neue Einflüsse dazugekommen, wie Erkenntnisse der Traditionellen Chine­sischen Medizin und der Kinesiologie.

In der Ausbildung werden neben den praktischen Techniken vor allem Anatomie, Biomechanik, Neu­rologie, Röntgenanatomie, Embryologie, Ernährungslehre und Krankheitslehre vermittelt.

Hier in Deutschland macht sich der Verband der Osteopathen Deutschland (VOD, WWW.Osteopathie.de) für den Beruf stark. Die Schulen, die nach europäischen Standard ausbilden, haben sich zu einer Akademie zusammengeschlossen, die die Qualität der untergeordneten Schulen überprüft und die nationale Prüfung abnimmt. Sie betreut die Diplomarbeiten und unterstützt wissenschaftliche Arbeiten. Von der Akademie wird der Titel D.O. an die Absolventen verteilt. In einer Internetliste des Verbandes werden die Therapeuten aufgeführt, die diesem Standard entsprechen.

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