Orthomolekulare Vitaminoide

Orthomolekulare Vitaminoide

Bei den Vitaminoiden handelt es sich um Vorstufen von Vitamine wie das Beta-Carotin oder um Stoffe, deren Vitaminfunktion strittig ist, weil sie eigentlich in der normalen Kost immer ausreichend vorhanden sind oder im Körper hergestellt werden können.

Übersicht: Orthomolekulare Medizin

Autor/en dieses Beitrages:
Peter-Hansen Volkmann, FA. für Allgemeinmedizin aus Lübeck

Einführung

Bei den Vitaminoiden handelt es sich um Substanzen, die entweder als Vorstufen von Vitaminen anzusehen sind wie das Beta-Carotin oder um Stoffe, deren Vitaminfunktion strittig ist, weil sie eigentlich in der normalen Kost immer ausreichend vorhanden sind oder im Körper selber hergestellt werden können. Dennoch gibt es Situationen, in denen die Vitaminoide zusätzlich gezielt eingenommen werden sollten. Das ist z.B.

  • stark erhöhter Verbrauch durch Leistungssport oder im Rahmen des Alterungsprozesses, sowie bei Krebsleiden.
  • In der Rekonvaleszenz nach schweren Erkrankungen oder auch z.B. bei chronischen Haut- und Darmerkrankungen kann die Aufnahme aus dem Darm, sowie die Umwandlung von Vitaminvorstufen in der Haut so gestört sein, dass eine zusätzliche Zufuhr einen Sinn macht.

Offensichtliche bekannte Mangelerscheinungen gibt es für die Vitaminoide bisher nicht.

Alpha-Liponsäure

Es handelt sich dabei um eine schwefelhaltige Fettsäure, die auch Thioctsäure genannt wird. Sie scheint essentiell zu sein, das heißt, dass sie regelmäßig zugeführt werden sollte.
Normalerweise wird sie durch eine fleischhaltige Ernährung rausreichend zugeführt. Die höchsten Konzentrationen finden wir wieder in der Leber und im Herzmuskel. Mangelerscheinungen sind wie bei den anderen Vitaminoiden auch für die Alpha-Liponsäure nicht bekannt. Allerdings hat sich zum Beispiel

  • beim langjährigen Diabetiker mit zunehmenden Nervenstörungen die regelmäßige zusätzliche Gabe sehr bewährt.
  • Der Einsatz bei Polyneuropathien unklarer Ursache hat sich zumeist positiv auf den Heilungsverlauf ausgewirkt und z.B. die Nervenleitung deutlich verbessert. Gefühlsstörungen vor allem in den Beinen sprechen gut auf eine Thioctsäurebehandlung an.
  • Für den Leberstoffwechsel spielt sie eine große Rolle und wird gern als so genanntes Leberschutztherapeutikum eingesetzt.
  • In der Schwermetallausleitung kann Thioctsäure neben anderen Therapeutika wirkungsvoll eingesetzt werden.

Die Dosierungen liegen für die zusätzliche Aufnahme bei 300 – 500 mg pro Tag. Spricht eine Erkrankung, wie vor allem die Polyneuropathie nicht gut auf die orale Aufnahme an, sollte zunächst für ca. zwei Wochen einer intravenösen Therapie der Vorzug gegeben werden.

Beta-Carotin

Beta-Carotin wird auch als Provitamin A (s. auch Vitamin A) bezeichnet und umfasst eine Gruppe natürlicher Vorstufen von Vitamin A. Bekannt sind mehr als 200 Carotinoide, von denen allerdings wahrscheinlich nur ca. 40 für den Menschen wichtig sind.
Die Carotinoide sind zunächst in der Karotte gefunden worden und namentlich von ihr abgeleitet. Die Gelborangefärbung ist ein sicheres Merkmal, so dass wir von vielen roten und gelbroten Gemüsen wissen, dass sie einen hohen Gehalt an Carotinoiden haben.
Durch Enzymeinwirkung in der Darmwand und z.B. in der Leberzelle kommt es zur Umwandlung der Carotinoide in die aktive Form des Vitamin A.
Im Fettgewebe und in der Leber können Vitamin A oder auch verschiedenen Vorstufen gespeichert werden, so dass sie bei Bedarf an das Blut abgegeben werden können.

  • Vor allem für das Auge ist allgemein ein hoher Bedarf an Vitamin A bekannt. Bei Mangel kommt es zunächst zu Schleimhautveränderungen und dann zu Nachtblindheit sowie zu einer Zerstörung der Hornhaut mit Erblindung.
  • Carotinoide sind aber auch für die Sexualfunktion vor allem der Eierstöcke sehr wichtig. Die gelbe Farbe ist der Carotinoide findet sich auch in dem Gelbkörper des Eierstocks wieder.
  • Bei chronischen Hauterkrankungen, Akne und Schleimhauterkrankungen kann man unter zusätzlicher Beta – Carotin – Gabe auch gute Ergebnisse sehen.

Überdosierungen machen eine harmlose Gelbfärbung der Haut, vor allem an Händen und Füßen. Synthetische Carotinoide, die in der Tierproduktion eingesetzt werden, sind bei Schwangeren möglicherweise für das Kind gefährlich.

Carnitin

Carnitin ist eine essentielle Aminosäure, die der Körper selber herstellen kann. Sie ist vor allem für die Fettverdauung und -verbrennung im Körper wichtig, weil sie die ungesättigten Fettsäuren in die Zellen für den Energiestoffwechsel einschleust.
Die Synthese erfolgt im Körper in der Leber und den Nieren in Anwesenheit verschiedener anderer Aminosäuren und Vitamin C und B-Vitaminen.
Energie verbrauchende Organe wie Herz, Leber oder Nieren enthalten besonders hohe Konzentrationen an Carnitin und sind in der Ernährung für eine außerordentliche Zufuhr entsprechend wichtig.
Zwischen den Tierarten gibt es große Carnitin – Konzentrationsunterschiede im Fleisch. Hühnerfleisch enthält mit ca. 8 mg Carnitin pro 100 g relativ wenig, Rindfleisch mit ca. 60 mg und Schaffleisch mit bis zu 250 mg Carnitin auf 100 g Fleisch einen relativ hohen Anteil.

  • Der Bedarf an Carnitin ist vor allem bei starken körperlichen Belastungen deutlich erhöht, wie z.B. bei Ausdauersportlern.
  • Diabetiker haben einen erhöhten Bedarf und zeigen bei zusätzlicher Gabe von Carnitin eine Verbesserung der Blutzuckerkurve wie unter Chrom.
  • Hirnleistungsstörungen sprechen ähnlich wie frühkindliche Gedeihstörungen oft gut auf Carnitin an.
  • Bei Dialyse oder chronischen Nierenerkrankungen ist eine Gabe sinnvoll.

Herzkranke profitieren besonders von einer zusätzlichen Zufuhr, wobei auch bei diesem Patientenkreis die regelmäßige Kost einer genaueren Beurteilung unterzogen werden sollte. Fast food oder Junkfood - wie heute oft üblich - sind eben verarmt an natürlichen Vitaminen und Vitaminoiden!

Ubichinone - Coenzym Q 10

Als Vitamin Q 10 machte das Coenzym Q 10 vor Jahren Furore. Dabei handelt es sich um eine weit verbreitet vorkommende Gruppe chemischer Substanzen, die wichtige Funktionen in der so genannten Atmungskette der Zellen haben.
Die andere Hauptwirkung des Ubichinone ist der Schutz von Zellmembranen und Geweben vor Oxidation durch freie Radikale. Sie sind also sehr effektive Antioxidanzien. Ubichinone finden wir in allen Lebewesen in unterschiedlicher chemischer Form und Konzentration, so dass wir eigentlich bei jeder Kost mit diesen Substanzen ausreichend versorgt werden. Eine besondere Bedeutung haben Ubichinone bei der Energiegewinnung in der Muskulatur. Besonders der nie zur Ruhe kommende Herzmuskel ist auf diese Stoffe angewiesen. Typische Mangelerscheinungen sind für die Ubichinone nicht bekannt. Allerdings ist in vielen Untersuchungen auffällig, dass der Gehalt an Coenzym Q 10 in verschiedenen Körpergeweben mit zunehmendem Alter unterschiedlich stark rückläufig ist.

  • Coenzym Q 10 wirkt leistungssteigernd im Sport, sowie mit zunehmendem Alter. Dabei profitiert vor allem die Herzmuskulatur von einer Substitution.
  • Ein Blutdruck senkender Effekt wird für Ubichinon diskutiert, wobei ich aufgrund meiner naturheilkundlichen Erfahrungen sagen kann, dass bei einem gravierenden Mangel einer Substanz die jeweilige optimale Substitution stets einen normalisierenden Einfluss auch auf den Blutdruck oder die Hypercholesterinämie (Fettstoffwechselstörung) hat.

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