Aktion „Homöopathische Überdosis“ nun auch bei uns? (1/2011)

Aktion „Homöopathische Überdosis“ nun auch bei uns?

2010 wurde in Großbritannien heftig Stimmung gegen die Homöopathie gemacht.

Übersicht: Diskussion zur Homöopathie

2010 wurde in Großbritannien heftig Stimmung gegen die Homöopathie gemacht (mehr dazu). Besonders großes Aufsehen erregte die unter dem Namen 10:23 laufende Kampagne, bei der eine Gruppe von Homöopathie-Gegnern zur demonstrativen und kollektiven Überdosierung homöopathischer Arzneien aufrief, um deren Wirkungslosigkeit zu beweisen. Wie der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) in der Januarausgabe seiner Homöopathischen Nachrichten berichtet, sollen ähnliche Aktionen für Anfang Februar in Berlin, München, Hamburg und anderen Städten geplant sein.

Dass es den Organisatoren dabei nur um Stimmungsmache gegen die Homöopathie gehen kann, ist offensichtlich. Denn selbst aus homöopathischer Sicht ist bei einem derartig konzipierten Versuch keine Wirkung zu erwarten. Schließlich werden dabei grundlegende Prinzipien der Homöopathie missachtet:

  • Bei der Homöopathie geht es nicht um eine stoffliche Wirkung im pharmazeutischen Sinne. Folgerichtig kann man bei der Gabe einer großen Menge eines homöopathischen Mittels in einer Hochpotenz auch keine vermehrte Wirkung erwarten – gleich ob 2 oder 500 Globuli eingenommen werden.
  • Die Homöopathie basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass zur Behandlung in potenzierter Form das Mittel eingesetzt wird, das bei der Arzneimittelprüfung am Gesunden möglichst ähnliche Symptome hervorruft, wie der Patient sie hat. In der Kampagne bleiben die Beschwerden der Teilnehmer jedoch völlig außer Acht.

Wer schon eine homöopathische Arzneimittelprüfung durchführen möchte, sollte dies wenigstens nach den Regeln der Homöopathie tun. Dazu sollte das gewählte Mittel häufiger und nicht einmal in großer Menge genommen werden. Der DZVhÄ schreibt dazu: „Nehmen Sie eine Woche lang mehrmals täglich einige Kügelchen zu sich. Verwenden Sie dafür beispielsweise Schwefel (Sulfur) in einer C 30 (also weit jenseits der Avogadro-Zahl). Die Wahrscheinlichkeit, dass das eine oder andere Phänomen auftritt, ist bei häufigerer Einnahme deutlich höher. Falls Symptome auftreten und Sie sich fragen, ob diese überhaupt mit der Einnahme von Sulfur zusammenhängen, sollten Sie den Versuch einfach nach einigen Wochen wiederholen. Wenn keine Symptome auftreten, könnte das damit zusammenhängen, dass das Mittel nicht zu Ihnen passt. In diesem Fall könnten Sie den Versuch mit einem anderen Mittel wiederholen.“

Lesen Sie im Folgenden den Beitrag in den Homöopathischen Nachrichten vom Januar 2011 (Quelle: www.welt-der-homoeopathie.de):

Aktion „Homöopathische Überdosis“ nun auch in Deutschland

Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung der Paramedizin, kurz GWUP, fordert „Verbraucherschützer auf der ganzen Welt“ auf, an der globalen Aktion „Homöopathische Überdosis“ am 5. und 6. Februar teilzunehmen, „um die Öffentlichkeit auf die Nutzlosigkeit homöopathischer Präparate aufmerksam zu machen“. Die GWUP kündigt Demonstrationen in Berlin, München, Hamburg und anderen Städten an. Die Aktion geht aus von den britischen Merseyside Skeptics, die eine Wiederholung ihrer 10:23 Aktion vom Januar 2010 (vergl. Homöopathische Nachrichten, Januar 2010, www.welt-der-homoeopathie.de im Bereich Presse) ankündigt. Die öffentlichkeitswirksame Überdosierungsaktion fand in England unter lebhafter Medienbeteiligung statt. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) erläutert das richtige Vorgehen bei einer homöopathischen Arzneimittelprüfung.

(Über)-Dosieren – aber richtig. Ein Aufruf an Skeptiker.

Liebe Skeptiker!
Es ehrt Sie, dass Sie nicht alles glauben, was man Ihnen vorsetzt. Wir haben auch großes Verständnis dafür, dass Sie der Homöopathie kritisch gegenüberstehen. Dass etwas derart Verdünntes noch einen Effekt haben soll, ist schwer mit dem gesunden Menschenverstand zu vereinbaren. Wir hatten allerdings bereits bei der Kampagne in Großbritannien darauf hingewiesen, dass die Aktion in dieser Form fragwürdig ist. Sie werden sich entscheiden müssen. Sind Sie ein echter Skeptiker? Sie glauben nichts unbesehen und prüfen alles kritisch. Dann sollten Sie sich mit den homöopathischen Behauptungen über Arzneimittelprüfungen soweit vertraut machen, dass Sie auch in der Lage sind, diese Behauptungen zu prüfen.
Oder sind Sie gar kein Skeptiker? Sie sind nicht neugierig, sondern einfach gegen alles, was nicht mit Ihrer Vorstellung von gesundem Menschenverstand zu vereinen ist. Geht es Ihnen nicht um eine kritische Prüfung, sondern einfach nur um die Show? Dann stellen Sie sich in eine Reihe, lassen sich ein T-Shirt überziehen und hoffen auf ein möglichst hohes Medienecho. Wir fragen uns dann aber, ob Sie nicht eher Skeptizist sind als Skeptiker.

Lesen Sie hier nur weiter, wenn Sie ein echter Skeptiker sind.

Homöopathen behaupten, dass Hochpotenzen einen substanzspezifischen Effekt hervorbringen; sie behaupten nicht, dass es sich dabei um einen pharmakologischen Effekt handelt. Von einer pharmakologischen Wirkung kann gesprochen werden, wenn eine Substanz regelhaft (d.h. statistisch belegbar) eine messbare Veränderung in einem Organismus hervorruft. Eine pharmakologische Wirkung ist dosisabhängig und lässt sich in einer Dosis-Wirkungskurve beschreiben. Bei einer homöopathischen Arzneimittelprüfung im Bereich von Hochpotenzen wird keine messbare oder jedenfalls eine sehr geringe) Dosis des Arzneimittels verabreicht, insofern kann auch keine pharmakologische Wirkung hervorgerufen werden. Das Ziel einer homöopathischen Arzneimittelprüfung mit Hochpotenzen ist die Stimulierung von Reaktionen des Organismus. Diese Reaktionen lassen sich von pharmakologischen Wirkungen deutlich unterscheiden; sie sind stark individuell geprägt und den pharmakologischen Wirkungen der jeweiligen Substanz häufig entgegengesetzt. Erst aus der Analyse einer Gruppe von Prüfern ergibt sich ein spezifisches Muster. Warum überhaupt Reaktionen auftreten ist wissenschaftlich unklar, dass Reaktionen auftreten, ist belegt (Möllinger et al. A Double-Blind, Randomized, Homeopathic Pathogenetic Trial with Healthy Persons: Comparing Two High Potencies. Forschende Komplementärmed. Klass Naturheilkd 2004;11:274-280).

Als echter Skeptiker sollten Sie das nicht glauben.

Soweit die Behauptungen von homöopathischer Seite. Als echter Skeptiker sollten Sie das nicht glauben; Sie können es aber ausprobieren. Bei einmaliger Einnahme ist es gleich, ob sie 2 Kügelchen oder 500 Kügelchen zu sich nehmen. Einen Effekt wird es nur geben, wenn das individuelle Symptomenmuster passt. Wenn die Arznei keine 100-prozentige Übereinstimmung mit den Symptomen hat, müssen Sie sie häufiger einnehmen. Nehmen Sie eine Woche lang mehrmals täglich einige Kügelchen zu sich. Verwenden Sie dafür beispielsweise Schwefel (Sulfur) in einer C 30 (also weit jenseits der Avogadro-Zahl). Die Wahrscheinlichkeit, dass das eine oder andere Phänomen auftritt, ist bei häufigerer Einnahme deutlich höher. Falls Symptome auftreten und Sie sich fragen, ob diese überhaupt mit der Einnahme von Sulfur zusammenhängen, sollten Sie den Versuch einfach nach einigen Wochen wiederholen. Wenn keine Symptome auftreten, könnte das damit zusammenhängen, dass das Mittel nicht zu Ihnen passt. In diesem Fall könnten Sie den Versuch mit einem anderen Mittel wiederholen.
Bei einer richtigen homöopathischen Arzneimittelprüfung sind die Prüfer homöopathische Ärzte, die gelernt haben, auf die genaue Ausprägung von Symptomen zu achten. Die Prüfer werden von besonders erfahrenen homöopathischen Ärzten genau nach den aufgetretenen Symptomen befragt. Ob sich das auch mit Laien umsetzen lässt, wurde in größerem Maßstab noch nie erprobt. Bitte teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit, auch negativer Art. Schreiben Sie an info@dzvhae.de. Wir veröffentlichen dies gerne und natürlich anonymisiert.

Der DZVhÄ will auch in Zukunft auf seiner Webseite www.welt-der-homoeopathie.de über die Aktion informieren.

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