Welche Forschung braucht die Homöopathie? (7/2010)

Welche Forschung braucht die Homöopathie?

(Quelle: Homöopathische Nachrichten, Juni/Juli 2010, www.welt-der-homoeopathie.de)

Übersicht: Diskussion zur Homöopathie

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Organon 2010 zum 200-jährigen Jubiläum des Organon der Heilkunst von Dr. Samuel Hahnemann wurde in Berlin über Homöopathie-Forschung diskutiert.

Unter dem Titel „Individualisierung und Versorgungsforschung – Ergänzung oder Gegensatz?“
skizzierten die Referenten Prof. Dr. Claudia Witt und Dr. Michael Teut vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité Berlin wie viel Individualität sich im Rahmen von Studien abbilden lässt und welche Studiendesigns dafür Sinn machen. – Es folgte eine Diskussion mit engagierten und sachkundigen Beiträgen aus dem Publikum.

In der homöopathischen Fallaufnahme und Behandlung spielt die Individualisierung eine wesentliche Rolle. Das stellt andere Anforderungen an das Studiendesign als übliche Arzneimittelstudien, die in der Regel von einer Standardisierung bei der Diagnose, der Therapie und der Erfassung des Therapieerfolgs geprägt sind. „Ich war bei der Auseinandersetzung mit dem Thema überrascht, wie viel Individualisierung in der Versorgungsforschung grundsätzlich möglich ist“, klärt Witt entgegen so manchem Vorurteil auf. Die Versorgungsforschung untersucht per Definition eben die Versorgung der Bevölkerung und von Einzelnen. Ihre Beobachtungseinheiten umfassen Individuen genauso wie Familien, Populationen oder Organisationen.

Insbesondere pragmatische randomisierte Studien mit heterogenen Patientengruppen und komplexen Therapiekonzepten sind dazu geeignet, individualisiert zu werden. „Die homöopathische Anamnese kann ins Forschungsdesign einfließen“, erläutert Witt, „auch individualisierte Arzneimittelwahl kann in einer Studie berücksichtigt werden.“ All dies ist bereits mit dem gängigen Methoden-Baukasten der Forschung möglich, auch wenn es noch zu selten genutzt wird. „Im Studienergebnis selbst ist das Individuum jedoch nicht mehr zu erkennen“, erläutert Witt, „Individualisierung in der Diagnostik und Therapie ist in Studien aber grundsätzlich möglich.“

Dr. Teut geht auf die Möglichkeiten wissenschaftlicher Kasuistik ein. „Einzelfälle werden in der Forschung zunehmend diskutiert. Sie sind anfassbar für den Kliniker“, betonte bereits Witt. Teut präsentiert unterschiedliche Studiendesigns und geht ausführlich auf das Problem der Kausalität am Einzelfall ein. Welche Entwicklungen des Patienten sind die Folge der ärztlichen Intervention, und welche nicht? Ist Kausalität, die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung, ein von unserer Wahrnehmung und unserem Denken abhängiges Konstrukt? Neben der Sensibilisierung des Plenums für solche erkenntnistheoretischen Fragen erklärt Teut, weshalb jeder Arzt auch ein Forscher sein kann: „Der Trick an den Einzelfallstudien ist, dass der Arzt seine Methoden zur Beurteilung der Wirkung von Therapien am einzelnen Patienten prospektiv, also vorausschauend und mit System anwendet.“ Jeder Arzt, der beispielsweise einen chronisch Kranken behandelt, macht intuitiv ein so genanntes AB-Design. Er vergleicht den Zustand des Patienten vor der Therapie (A) mit dem Zustand während bzw. nach der Therapie (B). Aufbauend auf der Idee, systematisch verschiedene Therapiephasen im Laufe der Therapiezeit miteinander zu vergleichen, können unterschiedliche Designs aufgebaut werden, prinzipiell können sogar Placebophasen, Verblindung und Randomisierung angewendet werden. Ziel dieser experimentellen Einzelfallstudien ist es, für den Patienten individuell die bestmögliche Therapie zu finden. In einer experimentellen Einzelfallstudie wird im Gegensatz zum normalen Praxisalltag systematisch, vorausschauend vorgegangen und sehr genau dokumentiert. Wichtig ist es, individuell passende und aussagefähige Zielkriterien zu finden und zu evaluieren. Neben den experimentellen Einzelfallstudien gibt es auch Kriterien, mit denen sich die Kausalität einer therapeutischen Intervention im Einzelfall beurteilen lässt, beispielsweise in dem Konzept der Cognition Based Medicine (CBM).

Die allgemeine wissenschaftliche Aussagekraft eines Einzelfalls hält sich jedoch in Grenzen: „Während die Aussage für den Einzelfall valide ist, kann man die Ergebnisse natürlich nicht auf ein Patientenkollektiv verallgemeinern. Dies wäre aber prinzipiell durch Fallserien erreichbar“, empfiehlt Teut. Ein gemeinsames, systematisches Vorgehen homöopathischer Ärzte bei der Erstellung von Einzelfallstudien ist möglich und macht Sinn, um die Homöopathieforschung voranzutreiben – die rudimentär bereits in jeder Praxis stattfindet.

Alle Informationen zu den Organon 2010 Veranstaltungen lesen Sie unter www.organon 2010.de

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