Stellungnahme Carstens-Stiftung (11/2010)

Stellungnahme Carstens-Stiftung

Stellungnahme der Karl und Veronica Carstens-Stiftung zum Artikel „Rückfall ins Mittelalter“ von Markus Grill und Veronika Hackenbroch.
(DER SPIEGEL, Nr. 47/22, November 2010)

Übersicht: Diskussion zur Homöopathie

DER SPIEGEL hatte der Homöopathie im Sommer bereits das Titelthema „gewidmet“. Jetzt holt das Nachrichtenmagazin erneut gegen komplementäre Therapieverfahren aus. Als Aufhänger dienen die jüngsten Aussagen von Ärztekammer-Präsident Prof. Dr. Dr. Jörg Dietrich Hoppe auf dem Dialogforum „Pluralismus in der Medizin“.

Auf der Festveranstaltung zum 10-jährigen Bestehen des Dialogforums trat Professor Hoppe für eine stärkere Verknüpfung von konventioneller Medizin („Schulmedizin“) und Komplementärmedizin ein. Nur eine Kombination aus beiden Richtungen sei dauerhaft sinnvoll, so Hoppe.

In Anbetracht der Zielsetzungen des Forums (siehe unten), dem Professor Hoppe als Mitglied angehört, erscheinen diese Forderungen wenig spektakulär. Die SPIEGEL-Autoren missbrauchen sie, um Stimmung gegen die Komplementärmedizin im Allgemeinen und die Homöopathie im Speziellen zu machen.

Aussagen im SPIEGEL

  • 1. Homöopathie in der Ausbildung von Ärzten

    Die SPIEGEL-Aussage "für Medizinstudenten sieht die neue Approbations-ordnung die Homöopathie als Wahlpflichtfach vor" ist falsch. Homöopathie kann auf Wunsch des Dekanats einer medizinischen Fakultät als Wahlpflichtfach aufgenommen und von Studierenden belegt werden, sie ist kein „vorgesehener“ Bestandteil eines Medizinstudiums. Richtig ist, dass Fakultäten, die ein Wahlpflichtfach „Homöopathie“ anbieten wollen, eine Förderung bei der Carstens-Stiftung beantragen können.

    Professor Hoppes Aussage, dass die Homöopathie ein wichtiger Zweig in der Ausbildung von Ärzten geworden sei, bezieht sich auf die außeruniversitäre Weiterbildung niedergelassener Ärzte. Die Zusatzbezeichnungen „Homöo-pathie“, „Akupunktur“ oder „Naturheilverfahren“ werden von den Landesärztekammern seit Beginn der 50er Jahre an Fachärzte verliehen – nach einer strengen Prüfungsordnung. An dieser Stelle muss die Frage erlaubt sein, warum diese Tatsache den Autoren gerade heute Anlass zum Aufschrei gibt.
  • 2. Internationale Standards der Medizin

    Der SPIEGEL wirft Professor Hoppe vor, er würde sich mit seinen Äußerungen zur Komplementärmedizin „immer weiter von den internationalen Standards der Medizin entfernen“. Richtig ist, dass Komplementärmedizin wie auch Homöopathie international längst in Forschung und Lehre angekommen sind. Im Vergleich mit anderen Staaten (bspw. USA, Indien, Brasilien, China) hinkt Deutschland eher hinterher. (Vergleiche hierzu die Stellungnahme der Carstens-Stiftung zum Artikel in der ZEIT)

    Die jüngsten Erhebungen des Berliner Instituts für Sozialmedizin, Epidemio-logie und Gesundheitswirtschaft zeigen: Mehr als 150 Millionen Patienten in Europa begrüßen Therapien wie Akupunktur, Homöopathie oder Chiropraktik.

    Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Stellenwert der Komplementärmedizin und der traditionellen Medizinsysteme hervorgehoben.

  • 3. Homöopathie an Universitäten

    Die Aussage des SPIEGEL, an „etlichen Universitäten ist die Homöopathie inzwischen in der Krankenversorgung etabliert“ ist falsch. Richtig ist, dass die Carstens-Stiftung am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Universität München erstmals die Einrichtung einer homöopathischen Begleitbehandlung in einem Modellprojekt ermöglichte. Was die Autoren verschweigen: Heute wird das Projekt aufgrund der enormen Nachfrage seitens der Eltern von der AOK und der Techniker Krankenkasse finanziert. Darüber hinaus kann an Universitätskliniken nur in Ausnahmefällen eine regelgerechte homöo-pathische Behandlung in Anspruch genommen werden.

    Die Aussage, mehrere „Stiftungsprofessuren verankern die skurrile Heilslehre im akademischen Forschungsbetrieb“, ist übertrieben. Die Homöopathie wird nur vereinzelt an deutschen Universitäten beforscht. Es gibt derzeit acht Stiftungsprofessuren (von insgesamt mehr als 2800 Professuren in der Medizin), die sich im weitesten Sinne mit Komplementärmedizin (aber nur vereinzelt mit Homöopathie) beschäftigen.

    Es findet also keine „Unterwanderung“ des akademischen Betriebs statt, wie der SPIEGEL nahelegt. Im Gegenteil: die Nachfrage ist größer als das Angebot.

  • 4. Die Studienlage zur Homöopathie

    Wie schon im Sommer behauptet der SPIEGEL, die „von Samuel Hahnemann vor 200 Jahren erfundene Heilslehre ist wissenschaftlich längst widerlegt“. Richtig ist, dass in keinem wissenschaftlichen Review oder einer Metaanalyse zur Homöopathie der Beweis der Nichtwirksamkeit der Homöopathie erbracht wurde. Dass Professor Hoppe, wie der SPIEGEL schreibt, keine seriöse Studie nennen könne, die die Wirksamkeit der Kügelchen belege, ist nicht ver-wunderlich. Es ist schlichtweg nicht seine Aufgabe. Hätten die Autoren bei der Carstens-Stiftung nachgefragt, wüssten sie, dass derzeit etwa 400 klinische Studien zur Homöopathie vorliegen. Darunter sind randomisierte, placebo-kontrollierte Doppelblindstudien mit positiven Ergebnissen.

  • 5. Die Fördertätigkeit der Carstens-Stiftung

    Nicht korrekt ist es, die Karl und Veronica Carstens-Stiftung als „Lobbyverein“ zu betiteln. Die Carstens-Stiftung ist keine Kapitalstiftung und finanziert sich ausschließlich aus privaten Spenden und Zustiftungen. Die Bürgerinnen und Bürger erachten es offensichtlich für wichtig, mangelnde Forschungs-förderung seitens der öffentlichen Hand durch privates Engagement auszugleichen. In Deutschland wenden mehr als zwei Drittel der Menschen Naturheilverfahren und Homöopathie an.

    Die Carstens-Stiftung verfolgt in der Tat das Ziel, die Wissenschaft und Lehre zur Homöopathie an deutschen Universitäten zu fördern, wie der SPIEGEL schreibt. Allerdings nicht mit einem jährlichen Gesamtbudget von rund 1,5 Millionen Euro. Nur etwa 10 Prozent des Jahresetats der Stiftung fließen in die Forschung zur Homöopathie. Der übrige Teil kommt der gesamten Band-breite komplementärmedizinischer Forschung zugute.

Fazit

In seinen Aussagen zur Komplementärmedizin und Homöopathie reformuliert Professor Hoppe die Bedürfnisse und Wünsche der Patienten nach einer integrativen Medizin. Er gibt diese Wünsche an die Ärzteschaft und die Universitäten weiter. Er fordert: „Zweifelsfrei muss die Wirkweise, Wirk-samkeit und Sicherheit sowie der Nutzen und die Wirtschaftlichkeit von Therapieverfahren der Komplementärmedizin weiter erforscht werden.“ Diese Forderung ist zeitgemäß. Sie deckt sich voll und ganz mit dem Auftrag der Carstens-Stiftung und entspricht dem Anliegen der Bevölkerung.

Weiterführende Informationen

Ärzte Zeitung und Ärzteblatt kommentierten die Aussagen Hoppes zum 10-jährigen Bestehen des Pluralismusforums in zwei lesenswerten Beiträgen: „Medizin braucht Vielfalt“ (Ärzte-Zeitung, 4.11.2010)
„Dialogforum Pluralismus in der Medizin: Politische Absicherung des Erreichten“ (Deutsches Ärzteblatt)

Zielsetzung des Dialogforums „Pluralismus in der Medizin“

„Die vorurteilsfreie und zugleich konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit komplementären Therapien gehört - ebenso wie die kritische Betrachtung der Fortschritte der konventionellen Therapien - zu den Aufgaben der Ärzteschaft und kennzeichnet ein modernes, patientenorientiertes Gesundheitswesen. Um einen geordneten medizinischen Pluralismus zu fördern, ist ein strukturierter Dialog zwischen (selbst-) kritischen Vertretern aller, dem ärztlichen Selbstverständnis entsprechenden, Therapierichtungen erforderlich.“ (Die komplette Zielsetzung finden Sie hier)

Eine ausführliche Beurteilung der klinischen Forschung in der Homöopathie finden Sie hier: Stand der Forschung

Lesen Sie mehr zur aktuellen Homöopathie-Diskussion in unserem Portal.

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