Antlitz/Gesichtsdiagnostik

Antlitz/Gesichtsdiagnostik

Im Gesicht spiegelt sich der gesamte menschliche Organismus wider. Physische Erkrankungen hinterlassen ihre Zeichen im Gesicht. Der Therapeut schließt aus Veränderungen auf entspreche organische Störungen: Unterlider-Niere, Oberlider-Herz, Lippe-Darm, Lachfalten-Magen etc.
 

Autor/en dieses Beitrages:
Dr. med. Wolfgang Scheel, FA. für Kinder- und Jugendmedizin aus Steinheim an der Murr

Antlitz/Gesichtsdiagnostik

Eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist eine verlässliche Diagnose. Dabei legt die Naturheilmedizin einen großen Schwerpunkt auf das Suchen nach den Ursachen einer Erkrankung. Die verschiedenen Richtungen der Naturheilmedizin bedienen sich eines umfangreichen Katalogs von Diagnoseverfahren. Selten stehen diese Verfahren allein. In den häufigsten Fällen werden sie in Kombination verwendet und vervollständigt das Bild, das der Therapeut von seinem Patienten gewinnt. Je umfassender untersucht wird, desto sicherer ist der Befund. Nie werden von einem Therapeuten alle Diagnoseformen angewendet und beherrscht.

Im Gesicht spiegelt sich der gesamte menschliche Organismus wider. Physische Erkrankungen hinterlassen ihre Zeichen im Gesicht. Der Therapeut schließt aus Veränderungen auf entspreche organische Störungen: Unterlider-Niere, Oberlider-Herz, Lippe-Darm, Lachfalten-Magen etc.

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Bis zur Einführung der modernen Labor- und Apparatediagnostik waren die Ärzte gezwungen, allein durch gründliche Befragung und Untersuchung des Patienten (Abhören, Abklopfen, Tasten, Betrachten) zur Diagnose zu gelangen.
Und viele waren dabei erstaunlich treffsicher.

Die Kunst, von Körperbau und Gesichtszügen (Physiognomie) auf Veranlagungen und akute, wie chronisches Krankheitsgeschehen zu schließen, gehörte selbstverständlich dazu.

Mittlerweile haben gerade naturheilkundliche Therapeuten festgestellt, dass die Antlitzdiagnostik durch die moderne Medizin nicht ganz und gar überflüssig geworden ist, sondern eine wertvolle Hilfe in der Praxis sein kann.
Die Antlitzdiagnose liefert zwar keine Beweise, sondern "nur" Hinweise (hinweisgebende Zeichen), die dann durch Anamnese, Untersuchung und eventuelle spezielle Diagnostik überprüft werden müssen.
Aber sie liefert ihre Hinweise oft frühzeitig, zeigt Veranlagungen und Tendenzen.

Dagegen kommt die moderne medizinische Diagnostik oft sehr spät oder zu spät zum Ergebnis, stellt bereits manifeste Krankheiten oder gar organische Veränderungen fest.

Zu einem früheren Zeitpunkt durchgeführt, zeigt sie oft fälschlich einen Normalzustand ("ohne Befund"), dann heißt es: "da ist nichts" .
Der erfahrene Arzt oder Heilpraktiker kann aber, auch aufgrund sichtbarer Zeichen in Gesicht, Haltung oder Ausstrahlung, oft sagen: "da ist doch etwas".
Die Gesichtsdiagnose entstand z.B. in China in der Zeit des Gelben Kaisers (etwa 2600 v. Chr.).

Sie spielt auch heute in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) noch eine Rolle, wenngleich Zungen und Pulsdiagnose dominieren
Bei der Deutung der antlitzdiagnostischen Zeichen gibt es einige Übereinstimmungen mit der westlichen Antlitzdiagnose, doch lässt sich vieles auch nicht übertragen, unter anderem aufgrund des ganz eigenen östlichen Ansatzes (5-Wandlungsphasen (Elementen)- Theorie).

Die abendländische Gesichtsdiagnose beschäftigte bereits die großen Philosophen der Antike: Sokrates, Plato und Aristoteles.
Dieser widmete der Physiognomie, also dem menschlichen Gesichtsausdruck, sechs Kapitel in seiner "Historia Animalium".

Das erste Buch zum Thema Gesichtsdiagnose im engeren Sinn schrieb 1272 der Astrologe Michael Scot (De Hominis Physiognomia), veröffentlicht wurde es aber erst 1477.
Für die neuzeitliche Physiognomik sind unter anderem folgende Persönlichkeiten prägend:
Der evangelische Geistliche Johann Caspar Lavater (1741-1801) gab vielleicht den entscheidenden Impuls zur Begründung einer solchen Kunst, obwohl sein eigener Versuch, ein physiognomisches System zu entwickeln, missglückte.
Der Kriminologe und Anthropologe Cesare Lombroso ( 1836-1909) war überzeugt, dass sich die kriminelle Veranlagung von Verbrechern am Antlitz ablesen lasse -eine Hypothese, die oft missbraucht wurde und heute als überholt gilt.

Der Begründer der Psychophysiognomik war Carl Huter (1861-1912).
Als Kunstmaler entdeckte er sein Interesse für vergleichende Antlitzstudien.
Später erkrankte er an Kehlkopfkrebs.
Da ihm kein Arzt helfen konnte, wurde er selbst Heilkundler und leitete als "Naturarzt" ein Kurhaus in Hannover.

Professor Ernst Kretschmer ( 1888-1964), Psychiater und Anstaltsarzt, schuf die weithin bekannte Lehre von verschiedenen Körperbautypen (leptosom-asthenisch, athletisch, pyknisch und dysplastisch-disharmonisch).
Jeder Typ neige eher zu speziellen Krankheiten als ein anderer Typ, der Leptosome z. B. eher zu Magenerkrankungen, Tuberkulose oder Schizophrenie.

Pathophysiognomie ist eine von drei Varianten

In der Heilkunde werden verschiedene Formen der Physiognomik praktiziert:


1. Die biochemische Antlitzdiagnose
ist ein Sonderfall.
ihr Begründer Dr. h. c. Kurt Hickethier (1891-1958) hat die Lehre von Dr. Heinrich-Wilhelm Schüßler (1821-1891) aufgegriffen, daß Krankheiten auf Mangel an körpereigenen Salzen beruhen und daß wir uns diese Salze am besten in homöopathisch autbereiteter Form zuführen, als "Schüßlersalze".
Hickethier erarbeitete eine Systematik, wonach typische Zeichen im Gesicht auf einen Mangel an bestimmten Schüßlersalzen hinweisen. So deutet z. B. die heiße Röte auf Stirn, Wangen und Kinn auf einen Eisenmangel hin und verlangt die Einnahme von Schüßlersalz Nr. 3 (Ferrum phosphoricum D12).
Dagegen ist eine kalte Röte auf Stirn, Wangell und Kinn Anzeichen für einen Mangel an Schüßlersalz Nr. 7 (Magnesium phosphoricum D6). S

2. Bei der Psychophysiognomik

steht die Seele des Menschen, wie sie sich im Gesicht ausdrückt, im Vordergrund.
Aus Gesichtsformen und Mimik wird auf Stärken und Schwächen geschlossen.
Starke Wangenknochen und eine steile Stirn stehen für Willenskraft und Sturheit, je nach Ausprägung.
Die Psychophysiognomik dient der Selbsterkenntnis, aber auch der Einschätzung von anderen.
Sie soll Hilfe zur Lebenshilfe (Partner- und Berufswahl u. a.) bieten, das Verständnis für andere erleichtern und damit auch Kommunikationsprobleme vermeiden helfen.

3. Bei der Pathophysiognomie,

um die es imn folgenden geht, betrachten wir das Gesicht eines Menschen als Hinweis auf gestörte Organe oder Körperfunktionen.
Die Kunst, durch die Sprache des Gesichts frühzeitig Auskunft über mögliche Krankheiten zu erhalten, gehört zum klassischen Handwerkszeug des Therapeuten.
Es handelt sich dabei um eine Diagnosehilfe, nicht um eine Therapieanleitung.
Ein einziges spezielles Zeichen liefert keine fertige Diagnose.
Überhaupt geht der erfahrene Therapeut nicht vom Einzelmerkmal aus, sondern beginnt mit dem Gesamteindruck, den der Patient vermittelt:
Welchen Ausdruck, welche Ausstrahlung hat er?
Wie vital wirkt er?
Dies zeigt sich u.a. an den Haaren und der Haut.

ergänzt und kommentiert von:
Dr. med. Reimund Wagner, aus Mühlacker

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