Wechselprozess der Männer

mit Dr. med. Peter Vill

Was viele nicht wissen - Männer leiden auch unter den Wechseljahren. In diesem Film berichtet Dr. med. Peter Vill, wie sich das Klimakterium des Mannes bemerkbar macht. 

Autor/en dieses Beitrages:
Dr. med. Peter Vill, FA. für Allgemeinmedizin aus Erlangen

Einführung

Der folgende Artikel entstand im Rahmen der Arbeit zu den Wechseljahren der Frau. In der Diskussion mit unseren Experten wurde von diesen betont, dass es auch für den Mann einen Wechselprozess vom Vater zum weisen Vater gibt, der seelische und körperliche Veränderungen nach sich ziehen kann. Deshalb sollen diese Aspekte an dieser Stelle in Kürze aufgezeigt werden.

Veränderung zum weisen Vater

Das Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit e.V. (www.isg-info.derät eindeutig davon ab, den Begriff „männliche Wechseljahre zu verwenden, da es bei Männern nicht zum Erlöschen der Tätigkeit von Keimdrüsen, wie den Eierstöcken der Frau, kommt. Jedoch kann ein Absinken des Hormonspiegels ab dem 35. Lebensjahr festgestellt werden, genauso wie die zunehmende Zeugungsunfähigkeit. Ein niedriger Hormonspiegel kann dem natürlichen Alterungsprozess zugeschrieben werden, aber nicht nur. Ein wirklicher Hormonmangel, bei dem das freie Testosteron erniedrigt ist, kann echte Beschwerden verursachen und ist eben nicht nur dem Alter zuzuschreiben. Wer mit 45 Jahren anfängt, Probleme zu bekommen, denkt nicht in erster Linie an einen Hormonmangel, sondern an einen frühzeitigen Alterungsprozess, deshalb kann nur ein Hormontest eine eindeutige Aussage liefern. Oder Männer sind von altersentsprechenden Symptomen beeinträchtigt und die können zu Störungen der Sexualität führen. D. h. es gibt Erkrankungen, zu denen Männer im Alter tendieren, wie z.B. Herz-/Kreislauferkrankungen, hoher Blutdruck und erhöhte Blutfettwerte. Und diese beeinträchtigen die Sexualität. Dazu zählen auch Operationen im Beckenbereich, wie am Darm oder an der Prostata. Wenn dadurch Nerven und Gefäße verletzt werden, kann dies zu sexuellen Empfindungs- oder Funktionsstörungen führen.

Symptome

Beschwerden, die dem Hormonmangel zuzuschreiben sind, so z.B.:

  • Hitzewallungen
  • Osteoporose
  • Neigung zu depressiven Verstimmungen
  • Haarausfall
  • Nachlassen der Libido und der Erektionsfähigkeit (erektile Dysfunktion) usw.

Man kann sagen, dass alle Männer von einem Hormonmangel im Alter betroffen sind, aber der Unterschied liegt in der Schwere und in der Vielzahl der Symptome.

Mögliche Ursachen

  • Zuwenig Bewegung
  • Schlechte Kalziumaufnahme
  • Hormonelle Stoffwechselstörungen, z.B. Überfunktion der Schilddrüse, Störungen des Hypothalamus-Hypophysensystems u.a.
  • lange Kortisonbehandlungen, da Kortison als körpereigenes Hormon in den Stoffwechselkreislauf Knochenaufbau eingreift.

Therapie

Betrachtet man nur die ersten drei Beschwerdebilder sind wir den Wechseljahren der Frauen doch sehr nahe. Auch, was eine Hormontherapie angeht. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass über lange Jahre in der Schulmedizin bei Männern viel vorsichtiger mit Hormongaben umgegangen wurde, als bei Frauen. Bis zu der Zulassung von Viagra 1998. Laut ISG leiden „in Deutschland etwa 20 Prozent aller Männer zwischen 40 und 70 Jahren an Erektionsstörungen. Sie belasten häufig nicht nur den Mann selbst, sondern auch die Partnerin und die gemeinsame Beziehung.“ Also lautete der Umkehrschluss: Männliche Hormone, um die Libido zu steigern. Und nebenbei einen künstlichen Muskelaufbau erzeugen, der die Sehnsucht nach der Jugend weckt. Auch DHEA (Dehydroepiandrosteron) wurde geschluckt, ein Hormonvorläufer, der Osteoporose aufhalten und das Bindegewebe straffen soll. Langzeitstudien existieren nicht. Deshalb wird an dieser Stelle auch dringend vor unnötigen Hormongaben gewarnt. Doch die größte Euphorie scheint zum Glück verebbt und das nicht nur aufgrund neuester Meldungen, die Wunderpille für den Mann mache blind. Aber es ist halt gar zu verlockend: Hormone wirken der inneren Krise entgegen und lassen das Alter in den Hintergrund rücken. Das haben wir schon aus obigem Artikel erfahren. Es scheint, als müssten Männer auch erst den ganzen Sinn und Unsinn einer Hormontherapie erleiden, wie vor Jahren noch die Frauen, um letztendlich festzustellen, dass Medikamente, Medikamente bleiben und deshalb bestimmte Nebenwirkungen nicht auszuschließen sind. Eine gesunde Lebensführung, die Sport, hochwertige Nahrungsmittel bevorzugt und Nikotin und Alkohol weitgehend ausschließt, ist immer noch der bessere und gesündere Weg.

Sexualität

Sexualität nimmt nicht ab, sondern sie verändert sich im Alter. Wir haben es mit einem Wechselspiel von inneren und äußeren Einflüssen und deren Auswirkungen auf das Individuum zu tun. Wenn sich das sexuelle Verhalten ändert, gilt es nach dem Ausschlußverfahren vorzugehen. Wenn Hormontests im Normbereich, altersbedingte Risikoerkrankungen ausgeschlossen sind (siehe oben), dann müssen A/TH und Patient andere Mechanismen in Betracht zu ziehen. Zum Beispiel welche Medikamente können Einfluss auf das sexuelle Verhalten nehmen? Welchen Lebensstil pflege ich? Bewege ich mich ausreichend? Alkohol, Zigaretten, fettes Essen und dauerhafter Stress können das sexuelle Verlangen drosseln. Denn, und das bestätigt das ISG, es liegt nicht daran, dass das Bedürfnis der Menschen nach Sexualität im Alter abnimmt. „In einer amerikanischen Studie hatte eine Gruppe mit dem Durchschnittsalter von 86 Jahren, noch 64% der Frauen und 82% der Männer regelmäßig sexuelle Kontakte, davon hatten 30% der Frauen und 63% der Männer regelmäßig Geschlechtsverkehr. Die Häufigkeit der Kontakte nimmt also etwas ab. Für Menschen, für die Sexualität immer eine große Rolle gespielt hat, wird dies aber auch im Alter so bleiben. “ (www.isg-info.de) Der zärtlich sexuelle Kontakt steht also im Vordergrund, nicht der Geschlechtsverkehr an sich.

Bedeutung klimakterischer Beschwerden

Die meisten assoziieren die zweiten Hälfte des Lebens in Bezug auf Männer mit der Anti-Aging Welle. So wie der Volksmund schon lange um die Midlife Crisis weiß, so reagiert der Markt auf den alternden Mann. Männer wie Frauen wird eingeredet, dass Altern hässlich macht. Deshalb wird gespritzt und gedopt, Vitamincocktails und Spurenelemente verabreicht, eben alles, was das Leben verlängern soll. Und das oft unter dem Deckmantel der Nahrungsergänzung. Doch manche Männer zeigen ihre Midlife Crisis deutlich. Zum Beispiel legen sie sich eine um Jahrzehnte jüngere Freundin zu, fahren schnelle Sportwägen und kleiden sich „hip“. Sie neigen vielleicht weniger zum Leiden, als zum Agieren und haben nichtsdestotrotz ein Problem. Dazu Dahlke: „ statt auf geistig-seelischer Ebene wieder zu werden wie ein Kind (neugierig, wach, aufgeschlossen; Anmerk. d. Redaktion), Versuch auf der sozialen Ebene; Ergebnis: kindisches Verhalten“. Viel besser wäre es seiner Meinung nach: „die Anima, den weiblichen Seelenpol in jedem Mann zum Leben erwecken; Loslassen üben (z. B. in Beruf, Sport, Familie), den Zeitpunkt der Umkehr erkennen und zur Einkehr nutzen; Vom Vater zum Großen Vater reifen; und: sich mit dem Tod auseinanderzusetzen“.( Krankheit als Symbol, S. 344)

Kommentar der Redaktion

Wir lassen uns Spritzen verpassen und schlucken fleißig Pillen, legen uns unters Solarium, zur Not auch unters Messer, was soll´s? Wir zahlen. Männer und Frauen und sehen wenigstens gut aus. Diesem Trend zu widerstehen, fällt zugegebenermaßen schwer. Wer möchte denn schon Falten, graue Haare, weniger Muskeln usw. haben? Wer möchte dem Verfall des Körpers tatenlos zusehen? Da wir aus unserer Gesellschaft die Krankheiten und das Elend in die Krankenhäuser verbannt, den Tod in die Pflegeheime delegiert und körperliche Unzulänglichkeiten wegoperieren lassen, meinen wir, unser Leben sei unendlich. Zumindest versuchen wir das Alter so lange zu verleugnen, wie es geht. Ich kenne fast niemanden, der heutzutage „Hurra“ schreit, wenn er älter wird. Dies ist tatsächlich ein gesamtgesellschaftliches, soziales und innerpsychisches Problem. Wir haben es mit einem Phänomen zu tun, das die Menschen in die Negierung treibt. Weg vom Alter, weg vom Tod und damit abbringt vom Weg der Weisheit des Alters. So lange es uns nicht gelingt, die Gegenwart des Todes zu ertragen und anzuerkennen, so lange wird uns das Alter keine Weisheit und vor allem Ruhe bringen.

Online-Redaktion Naturheilmagazin

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