Was hilft bei Mundgeruch?

Was hilft bei Mundgeruch?

Mundgeruch ist nicht nur äußerst unangenehm und lässt so manchen lieben Mitmenschen peinlich berührt zurückweichen, er kann auch ein wichtiger Hinweis auf gesundheitliche Probleme sein. Anders als von vielen vermutet, liegt die Ursache für Mundgeruch selten im Verdauungstrakt, sondern meist im Mund selbst. Erster Ansprechpartner ist daher der Zahnarzt. Unsere Expertin Dr. Edith Nadj-Papp erklärt, was der Zahnarzt bei Mundgeruch macht und was Sie selbst dagegen tun können.

Dr. (Med. Univ. Budapest) Edith Nadj-Papp, M.A., MBA
Dr. (Med. Univ. Budapest) Edith Nadj-Papp, M.A., MBA
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“Mundgeruch ist fast meist einer gestörten Mundflora. Fast immer führen eine gute zahnärztliche Behandlung, die richtige Mundhygiene und passende Ernährung zum gewünschten Erfolg.“

Praxis für ganzheitliche Zahnmedzin
Tel: (07156) 81 55
Marktstr. 16
71254 Ditzingen

Einleitung

Jeder kennt von uns kennt das: Kommt uns ein Mensch mit Mundgeruch nahe, weichen wir unwillkürlich zurück. Solange Mundgeruch nur kurzzeitig, z.B. nach knoblauchhaltigen Speisen auftritt, ist das zwar unangenehm, aber kein ernstes Problem. Anhaltender Mundgeruch hingegen sollte immer abgeklärt werden – und zwar bei beim Zahnarzt. Denn:

In 90 % der Fälle liegt die Ursache für Mundgeruch im Mund selbst.

Zum Vergleich: Nur 0,1 % der Fälle gehen auf den Magen zurück.

Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) leiden etwa 25 % aller Menschen an Mundgeruch (Halitosis, Halitose) – viele ohne es zu wissen. Wir selbst nehmen den eigenen Mundgeruch nur selten wahr, da wir uns an vertraute Gerüche gewöhnen. Daher können wir z.B. nicht durch Atmen in die eigene Hand testen, ob wir Mundgeruch haben oder nicht. Hier sind wir schlichtweg auf die Ehrlichkeit und Offenheit unserer Mitmenschen oder von Experten wie dem Zahnarzt angewiesen.

Diagnose

Ihr richtiger Ansprechpartner ist – in dieser Reihenfolge:

  1. Zahnarzt
  2. HNO-Arzt
  3. Allgemeinarzt / Internist

Manche Zahnärzte bieten extra eine spezielle Mundgeruchssprechstunde an. Fragen Sie danach!

Moderne Instrumente ermöglichen eine Vielzahl zusätzlicher Diagnoseverfahren bei Mundgeruch. Dafür stehen folgende Messmethoden stehen zur Verfügung:

Karies-Diagnostik

  • Intraorale Kamera
  • Faseroptische Transillumination (FOTI) und licht-induzierte Fluoreszenzmessung (QLF)
  • Röntgenbilder

Parodontitis-Diagnostik

  • Anfärben von Bakterienstämmen
  • Blutungstest
  • Speicheltest mit Bestimmung der individuellen Bakterienkultur

Diagnostik der Mundschleimhäute

  • Pilze
  • Herpes
  • Krebs
  • Zungenbelag

Digitale Geräte

  • Sulfid-Monitor
  • Gaschromatograph
  • Bio Sniffer
  • Elektronische Nasen

In sehr seltenen Fällen hat der Mundgeruch allgemeine Ursachen. In diesem Fall weist bereits die Art des Geruchs auf eine körperliche Ursache hin:

  • erdig / nach frischer Leber (Foetor hepaticus) ⇒ Leberstörung
  • nach Urin riechend (Foetor urämicus) ⇒ Nierenversagen
  • obstartiger Aceton-Geruch ⇒ Fasten, Diät, Diabetes mellitus
  • fischig ⇒ Fisch-Geruchs-Krankheit
  • spezifische Gerüche ⇒ Rauchen, Alkohol, Knoblauch

Im nächsten Schritt werden dann die Ursachen bekämpft:

  • Karies-Beseitigung und Herstellung einer intakten Zahnoberfläche (Inlays, Kronen)
  • Parodontitis-Beseitigung mittels einer systemischen Parodontitis-Therapie
  • Heilung und/oder Beseitigung der kranken Schleimhäute

Ursachen – Wie entsteht Mundgeruch?

Bakterien als Übeltäter

Verantwortlich für üblen Mundgeruch sind in den meisten Fällen unter Sauerstoffausschluss lebende, anaerobe Bakterien im Mundraum. Sie nisten sich gern in geschützten Nischen ein, wie wir sie in Zahnlöchern, bei rissigen Füllungen, defekten Zahnkronen, Zahnfleischtaschen (Parodontitis) und Prothesen finden.

Die lästigen Bakterien freuen sich über so ziemlich alles, was an organischem Material im Mund zur Verfügung steht, wie Essensreste, Speichel und abgestorbene Schleimhautzellen. Den üblen Geruch, der uns dann aus Mund und Nase entgegenschlägt, verursachen schwefelhaltige Gase, die Abfallprodukte der Bakterien. Wer schon einmal faule Eier oder vulkanische Schlammlöcher gerochen hat, weiß, wie penetrant und unangenehm solche Schwefelverbindungen sein können.
Aufgabe des Zahnarztes ist es nun, den unerwünschten Plagegeistern auf die Spur zu kommen und sie so gut wie möglich zu beseitigen.

In den allermeisten Fällen ist die Zunge der Lieblingsplatz der Bakterien. In ihren zahlreichen Ritzen und Fugen finden die Bakterien herrliche Nischen – zumal kaum jemand seine Zunge reinigt. Die nächsthäufigste Baustelle sind Zahnfleischtaschen bei Parodontitis gefolgt von Zahnlöchern (Karies) und Kiefernhöhlen.

Weit weniger bedeutsam, aber dennoch interessant: Wenn unterschiedliche Metalle im Mund verarbeitet werden, kommt es im feuchten Mundmilieu zum Stromfluss vom unedleren zum edleren Metall (Mundbatterie). Solche Spannungsdifferenzen beschleunigen letztendlich den Übergang von Metallionen von den Füllungen, Inlays oder Kronen in den Speichel. Mögliche Folge ist neben einem unangenehmen Metallgeschmack über eine Störung des Milieus auch Mundgeruch.

Ernährung und Rauchen

Dass Rauchen für unangenehmen Geruch – nicht nur aus dem Mund – sorgt, ist unbestritten. Auch wer Knoblauch oder reichlich Zwiebel isst, weiß um seine – glücklicherweise vorübergehende – Duftnote.

Weniger bekannt ist, das bestimmte Speisen, die Vermehrung der für Mundgeruch verantwortlichen Bakterien begünstigen.

Dazu gehören:

  • eiweißreiche Ernährung (Fleisch, Fisch, Eier, Quark und andere Milchprodukte)
  • Alkohol
  • viel Kaffee

Wer wenig trinkt, fördert über die Mundtrockenheit ebenfalls Mundgeruch.

Erkrankungen

Selbst wenn auf den ersten Blick Bakterien der Mundflora für den üblen Geruch verantwortlich sind, spricht Mundgeruch doch dafür, sich das System als Ganzes näher anzusehen. Schließlich gerät die Mundflora nicht ohne Grund aus dem Gleichgewicht. Ist vielleicht das Immunsystem geschwächt? Ist die Darmflora gestört? Darüber hinaus kann Mundgeruch auf Erkrankungen von Organen hinweisen:

  • Speiseröhre (Aussackungen)
  • Magen (Schleimhautentzündung, Befall mit Helicobacter pylori)
  • Nase / Nasennebenhöhlen (Schnupfen, Entzündung der Nasennebenhöhlen, insb. der Kiefernhöhlen)
  • Rachenmandeln (häufiger bei Kindern)
  • Lunge (chronische Bronchitis)
  • Leber (Leberzirrhose, Hepatitis)
  • Nieren

Auch Stoffwechselstörungen können für Mundgeruch sorgen. So kann bei Diabetikern ein typischer Acetongeruch als Folge eines Insulinmangels auftreten (Ketoazidose). Dieser entsteht immer dann, wenn der Körper auf seine Fettreserven statt auf Zucker zur Energieversorgung zurückgreift. Das gilt z.B. für Diäten und Fasten, wo das Abfallprodukt Aceton über die Lunge abgeatmet wird.

Schnarchen, Mundatmung und bestimmte Medikamente tragen zu Mundtrockenheit und damit ebenfalls zu Mundgeruch bei.

Ursachen von Mundgeruch auf einen Blick

Zahnmedizinische Ursachen

  • Karies
  • verfaulende Reste von Zahnwurzeln im Kiefer
  • entzündete Mundschleimhaut
  • Zahnfleischentzündungen (Gingivitis)
  • Parodontitis
  • Mundsoor (Pilzbefall)
  • kaputte Kronen, undichte Füllungen und andere Nischen für Bakterien
  • schlechte/nicht ausreichende Zahn- und Mundhygiene
  • Zahnersatz, Prothesen, feste Zahnspangen
  • Zahnfehlstellungen
  • elektrische Ströme im Mund („Mundbatterie“)

Den übrigen Körper betreffende Ursachen

  • Rauchen
  • Alkohol
  • Kaffee
  • Ernährung: Knoblauch, Zwiebeln, klebrige Speisen
  • Speiseröhre: Ansammlung von Speiseresten
  • Lunge: chronische Bronchitis
  • sonstige Atemwege: Schnupfen, entzündete Nasennebenhöhlen
  • entzündete Rachenmandeln oder „Mandelsteine“
  • Magen: Gastritis (Magenschleimhautentzündung), Helicobacter pylori
  • Leber: Hepatitis, Leberzirrhose
  • Nierenversagen
  • Stoffwechsel: Diabetes mellitus, Fasten
  • trockener Mund (z.B. durch Medikamente, Schnarchen, falsche Atmung, wenig trinken)
  • hormonelle Störungen
  • Medikamente
  • Stress

Therapie – Was macht der (Zahn-)Arzt bei Mundgeruch?

Zahnmedizin

Zunächst einmal wird der Zahnarzt mit dem Patienten ausführlich die Ursachen besprechen, den Patienten auf Probleme rund um seine Mund- und Zahngesundheit hinweisen und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen. Denn die Beseitigung des Mundgeruchs ist eine umfassende und langfristige Aufgabe, bei der in erster Linie der Patient selbst gefragt ist. Das zahnmedizinische Fachpersonal kann nur unterstützen.

Die Aufgaben des zahnmedizinischen Teams werden sein:

  • Karies entfernen
  • kaputte Füllungen, Kronen usw. erneuern
  • bakterielle Beläge im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung entfernen
  • Zahnfleischtaschen säubern / Parodontitis therapieren (z.B. mit Ozon, welches Bakterien abtötet)
  • ggf. Prothesen anpassen

Im Rahmen der ganzheitlichen Zahnmedizin wird der Zahnarzt dem Patienten nicht nur die richtige Pflege Zähnen und Zahnfleisch zeigen, sondern ihn auch über eine zahngesunde Ernährung aufklären. Da anaerobe Bakterien Eiweiß lieben, sollte dieses nur in Maßen verzehrt werden. Günstig für Zähne und Zahnfleisch ist zudem eine basenreiche Ernährung mit viel Gemüse und Salat, die zugleich das Milieu im Mundraum günstig beeinflusst.


Ernährung gegen Mundgeruch

Zu empfehlenNicht/weniger empfehlenswert
Gemüse, Salat, SprossenMilch/Milchprodukte
KristallsalzZucker
NüsseWeißmehlprodukte, Kuchen
Kräuterklebrige Speisen
naturbelassene Öle Fleisch/Fisch
Kräutertee (ungesüßt)Kaffee
viel WasserSoftdrinks
Alkohol


Im Ayurveda schon seit Jahrtausenden bewährt, bei uns aber leider immer noch wenig verbreitet, ist die Reinigung der Zunge. Und das obwohl auf der Oberfläche der Zunge 60 % unserer Mundbakterien leben. Verringern lässt sich ihre Zahl mit speziellen Reinigungsgeräten wie Zungenschaber, Zungenreiniger und Zungenbürste.

Im Einzelfall können desinfizierenden Mundspülungen hilfreich sein. Da diese nicht nur schädliche, sondern auch nützliche Bakterien töten, sollten sie nur wohlüberlegt und nach Rücksprache mit dem Zahnarzt eingesetzt werden. Weniger belastend für die Mundflora sind ätherische Öle, wie ich sie in meiner Praxis gerne verwende.

Allgemeinmedizin

Die Auswahl allgemeinmedizinischer Behandlungsmethoden – gleich ob Schulmedizin oder Naturheilkunde – richtet sich vor allem nach der Ursache des Mundgeruchs. Behandelt wird also in erster Linie die Grunderkrankung wie z.B. die Gastritis, chronische Bronchitis oder Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung). Hinzukommen können aus ganzheitlicher Sicht Maßnahmen zur Verbesserung der körpereigenen Regulation und Verbesserung der Selbstheilungskräfte (z.B. Stärkung des Immunsystems, basische Ernährung).

Was können Sie selbst bei Mundgeruch tun?

Was Sie selbst anbetrifft, ist die richtige Mundhygiene, also die Reinigung und Pflege von Zähnen, Zahnfleisch und Zunge das A und O bei Mundgeruch. Zusätzlich zur täglichen Reinigung mit Zahnbürste, Zahnseide, Zahnzwischenraumbürste und Zungenreiniger, sollten Sie regelmäßig (alle drei Monate) eine professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt durchführen lassen. Dieser berät Sie auch darüber hinaus zur richtigen Zahnpflege und zeigt Ihnen, an welchen Stellen Sie noch nachbessern sollten.

Eine zahngesunde Ernährung (s.o.), regelmäßiges Ölziehen und Probiotika können helfen, das bakterielle Gleichgewicht im Mund wieder herzustellen.

Für eine gewisse Zeit sorgen natürliche Mundspülungen auf Basis ätherischer Öle für einen angenehm, frischen Atem. Ebenfalls für Mundspülungen geeignet ist Xylit. Die natürliche Zuckeralternative schützt vor Karies und hat einen angenehmen Geschmack.

Vorübergehend können auch Kaugummis und Bonbons für einen frischen Atem und angenehmen Geschmack sorgen. Eine langfristige Lösung sind sie aber nicht.

Die wichtigsten Tipps gegen Mundgeruch

Zuhause:

  • sorgfältige Zahnreinigung
  • Zunge von Belägen befreien
  • zahngesunde, basische Ernährung
  • viel trinken: Wasser und Kräutertee
  • Xylit und natürliche Mundspülungen (ätherische Öle)
  • Ölziehen
  • Probiotika

In der Zahnarztpraxis:

  • professionelle Zahnreinigung mit Desinfektion der Zahnfleischtaschen und der gesamten Mundhöhle beim Zahnarzt (alle 3 Monate)
  • regelmäßige zahnärztliche Kontrolle (alle 3 Monate)

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