Reizdarm - Ganzheitlich behandeln

Reizdarm

In diesem Beitrag stellt der ganzheitlich ausgerichtete Arzt Dr. Thomas Heintze verschiedene Methoden vor, mit denen er in seiner Praxis Patienten mit einem Reizdarm behandelt.

Übersicht: Reizdarm-Syndrom

Dr. med. Thomas Heintze - FA. für Innere Medizin, Homöopathie, Akupunktur, Naturheilverfahren
Dr. med. Thomas Heintze
FA. für Innere Medizin
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"Wir helfen, die Signale/Sprache des Körpers zu verstehen & daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen; z.B. kennt jeder: "Das schlägt mir auf den Magen" bzw. "ich habe Schiß". Letzteres ist oft Ausdruck von Angst. Wenn die Seele den Stress nicht allein verarbeiten kann, helfen die Organe, den Stress zu verdauen.“

Überregionale Praxis für Ganzheitsmedizin
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Am Wäldchen 8
35043 Marburg-Bauerbach

Basiswissen zum Reizdarm

Besonders häufig kommt der Reizdarm zwischen dem 20. bis 40. Lebensjahr vor. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Der Reizdarm kann mit einer erhöhten Sensibilität des Darms auf Reize, wie Nahrung, Stress und Hormone erklärt werden. Helfen können richtige Stuhl- und Ernährungsgewohnheiten mit regelmäßigen stressfreien Mahlzeiten sowie einer individuell bekömmlichen Speisenauswahl.

Definition

Beim Reizdarm (genauer Reizdarmsyndrom, irritables Colon, Colon irritabile) handelt es sich um funktionelle Störungen des Darms ohne organische Veränderungen mit krampfartigen Schmerzen, Veränderungen des Stuhlgangs von Verstopfung (bleistiftdünne oder schafskotartige Stühle) bis zu Durchfällen, jedoch ohne Blut im Stuhl.

Symptome des Reizdarms

Patienten mit einem Reizdarmsyndrom leiden oft Monate oder Jahre unter ihren Beschwerden. Als Symptome geben sie mitunter an:

  • Völlegefühl
  • Übelkeit, Brechreiz
  • dumpfe oder brennende, meist mittelstarke Schmerzen im Bereich des Oberbauches
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Häufig nehmen die Beschwerden abends ab, können im Stehen zunehmen.
Die Weisheit der Sprache weist uns auf den Zusammenhang von Darm und Psyche hin: Einige kennen sogar aus eigener Erfahrung, z.B. vor Prüfungen, dass sie „Schiss gehabt haben“, also sich fast „vor Angst in die Hose gemacht haben“. Hier zeigt offenbart sich die Wirkung des vegetativen Nervensystems auf den Darm.

Auf einen Reizdarm können hinwiesen:

  • Schmerzen oder Missempfindungen, die nach dem Stuhlgang besser werden,
  • ein Wechsel von Durchfall oder Verstopfung ohne dass Blut abgeht,
  • ein aufgeblähter Bauch, Abgehen von Blähungen oder Aufstoßen,
  • Stuhlgang mehr als dreimal täglich oder seltener als dreimal pro Woche,
  • ein wässriger oder sehr harter Stuhl sowie
  • veränderte Stuhlgewohnheiten

Achtung: Wenn plötzlich starke Veränderungen des Stuhlgangsverhaltens auftreten, kann das auf eine organische Erkrankung hinweisen. Die Beschwerden müssen dann vom Arzt oder Therapeuten abgeklärt werden!

Ursachen des Reizdarms

Bei nicht wenigen Patienten mit einem Reizdarm liegen Nahrungsmittelunverträglichkeiten vor. Häufig hervorgerufen werden diese durch Milch oder Milchprodukte, weizenhaltige Erzeugnisse, Hühnereier, Kaffee, Schokolade, Nüsse oder Zitrusfrüchte.

Untersuchung beim Reizdarm

Der Reizdarm ist eine Ausschlussdiagnose. Bevor ein Reizdarm diagnostiziert wird, muss also sichergestellt werden, dass keine andere Erkrankung hinter den Beschwerden steckt. Durch gezielte Diagnostik sind organische Krankheiten auszuschließen. Bei der klinischen Untersuchung tastet der Arzt häufig die Haut über dem Bauch wie auch in der Lendengegend kühl bis kalt. Der Dickdarm ist beim Reizdarmsyndrom auffällig oft verspannt bzw. verhärtet, in seinem Verlauf tastbar und meist im rechten und linken Unterbauch druckempfindlich.

Schulmedizin beim Reizdarm

Medikamentös werden z. B. Loperamid gegen Durchfall und Lactulose (Milchzucker) gegen Verstopfung empfohlen. Spasmolytika, also krampflösende Mittel wie Mebeverin, Pfefferminzöl sowie bei Bedarf Antidepressiva kommen ebenfalls zum Einsatz.

Ganzheitliche Therapie beim Reizdarm

Ernährung beim Reizdarm

Eine gesunde Lebensordnung, insbesondere individuell bekömmliche Lebensmittel sind von grundlegender Bedeutung.

Gegebenenfalls kann eine Fastenphase oder ein Reistag den Darm beruhigen.

Bei Verstopfung steht eine ballaststoffreiche Ernährung im Vordergrund, d.h. mehr Obst, Salat, Gemüse, Vollkorn, dazu genügend trinken. Auch 1-3 Esslöffel Weizenkleie pro Tag mit ausreichend Flüssigkeit dazu sind zu empfehlen.

Bei durchfallartigen Stühlen kommen eher leicht stopfende Speisen wie Reis, Kartoffeln, Hafergerichte und Bananen in Frage.

Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten muss ggf. eine Suchdiät zur Identifikation beschwerdeauslösender Nahrungsmittel erfolgen. Gegebenenfalls ist eine qualifizierte Ernährungsberatung durchzuführen.

Weitere Tipps rund um die Ernährung:

  • Reichlich gedünstetes Gemüse und Vermeiden blähender Lebensmittel mit Orientierung an den Richtlinien der Hayschen Trennkost sind erfolgversprechend.
  • Das Trinken von gut warmen Flüssigkeiten sowie äußerlich Wärme auf den Bauch durch feuchtheiße Oberbauchwickel entspannen und lindern die Beschwerden.

Bauchmassage

Eine sanfte Bauchmassage um den Nabel herum in kreisenden Bewegungen wirkt wohltuend auf den Darm. Dabei im Uhrzeigersinn kreisen (Wenn man sich vorstellt, dass jemand von vorne auf den Bauch schaut liegt die 12 am Rippenwinkel oben, die 6 unten am Schambein.) Jeder spüre selber am Bauch die druckempfindlichen Punkte auf und massiere diese sanft.  

Phytotherapie

Die Phytotherapie hält eine Fülle von Möglichkeiten bereit, von denen hier nur einige genannt seien: Kamillenblüten, Pfefferminzblätter, Gelbwurz (z. B. Curcu-Truw, Bilagit mono Kapseln oder Curcumen Kapseln), Schöllkraut (z. B. Gallopas novo Filmtabletten).

Homöopathie beim Reizdarm

Antimonium crudum (Schwarzer Spießglanz): besonders bei Verstopfung abwechselnd mit Durchfall vor allem bei älteren Menschen, aufgetriebener Bauch mit Völlegefühl besonders nach dem Essen wie auch Leeregefühl im Bauch.

Asa foetida (Stinkasant): bei geblähtem Bauch, Gefühl als wenn etwas aus dem Darm herausgepresst wird, Rülpsen, wässrigem oder schaumigem Stuhl, Besserung nach  braunschwarzem klebrigem übel riechendem Stuhl.

Chelidonium majus (Schöllkraut): Stuhl kann hart sein, wie runde Kugeln von Schafskot oder Stuhl wie trockener Lehm, auch dünner hellgelber Stuhl wie Kinderkot kommt vor, Bauch ist gespannt und schmerzempfindlich. Linderung durch Essen / Trinken, besonders, wenn dieses warm ist.

Chamomilla (Kamille): Blähungskolik; wässrige schleimige Durchfälle mit Geruch nach faulen Eiern, reizbar ungeduldig. Darmkrämpfe schlimmer durch Ärger.

Coloncyntis (Koloquinte): schneidender Kolikschmerz mit dünnen Stühlen, Durchfall nach Essen und Trinken, Zusammenkrümmen bessert, Stuhlgang bessert, Abgang von Blähungen und Wärme bessert, Bewegung verschlechtert.

Acidum nitricum (Salpetersäure): starkes Pressen aber wenig Stuhlgang, währenddessen reißende Schmerzen, die danach für Stunden anhalten können, auch schleimiger und stinkender Durchfall; kolikartige Unruhe, Blähungen gehen schmerzhaft  und knurrend im Unterleib umher.

Blei (Plumbum): Kolik der Bauchmitte mit Ausstrahlung nach allen Seiten, harte (kahnförmig) eingezogene Bauchdecke, Gefühl als ob der Darm gegen die Wirbelsäule gezogen wird, Liegen auf dem Bauch bessert.

Nux vomica (Brechnuss): kolikartige Schmerzen, Gefühl als ob es nach oben drückt, was kurzatmig macht und Stuhlgang hervorruft; Bauch gegen äußeren Druck und Berührung sehr empfindlich, Stühle aus hartem und weichem Kot gemischt, treten morgens und nach dem Essen und Trinken auf. Sind mit Abgang von Wind (Blähungen) verbunden.

Neuraltherapie

Die Neuraltherapie von Bauchkranz und Sonnengeflecht (Solarplexus) sowie der Schilddrüse zur vegetativen Umstimmung helfen, wie auch Neuraltherapie in Akupunkturpunkte besonders Dickdarm 4 und weitere nach individueller Symptomatik und Konstitution.

Orthomolekulare Medizin

Magnesium (300 bis 600 mg) fördert den vegetativen Ausgleich. Bei Durchfällen sollte die Dosierung herabgesetzt werden.

Physikalische Therapie

  • Lokale Wärme wie feuchtheiße Leibwickel hilft zu entspannen.
  • Bewegungs-, Entspannungs- und Atemübungen wirken sich positiv aus.

Mikrobiologische Therapie

Durch gesunde Ernährung und Präparate, die helfen die gesunde Darmflora aufzubauen, werden die Reizdarmbeschwerden oft wesentlich besser. Bewährt haben sich z. B. Mutaflor, Präparate der Symbioflor Reihe (Pro Symbioflor, Symbioflor 1, Symbioflor 2, Symbiolact compositum) und Colibiogen.

Luvos Heilerde Ultra absorbiert Gifte.

Myrrhinil-Intest-Tabletten helfen bei dünnem durchfälligem Stuhl.

Was hilft noch beim Reizdarm?

  • Pfefferminzöl wie Mentacur Kapseln oder Enteroplant Kapseln (zusammen mit Kümmelöl) helfen bei Meteorismus und Völlegefühl.
  • Elektroneuraltherapie kann zum psychischen Stabilisieren und zur Verbesserung der körperlichen Energie beitragen.
  • Eine Eigenbluttherapie kann das Immunsystem und die Eigenregulation stärken.
  • Entspannungsverfahren helfen insbesondere bei Patienten mit zusätzlicher Angst- oder Depressionssymptomatik.

Kommentare

miriam, 18.10.2016:
Nach der Geburt ging es mir genau wie Caroline. Das Buch habe ich auch gelesen- einfach nur genial und liebevoll beschrieben. Ich habe mich zusätzlich zu den tollen Tipps mit Akupunktur beschäftigt. Bei mir half dies sehr gut. Vor allem nach dem ich die Ursache erkannt hatte. Reizdarmsyndrom hat fast immer mit Stress und innerer Unruhe zu tun. Die traditionelle chinesische Medizin ist diesbezüglich sehr hilfreich- mal eine andere weitsichtig zu bekommen und die Beschwerden ganzheitlich anzugehen. Wünsche euch viel Erfolg und gute Genesung.
caroline, 23.02.2015:
Lieben Dank für die hilfreichen Informationen. Ein Reizdarm ist wirklich unangenehm. Nach der Geburt meiner ersten Tochter hat mich dieses Thema leider auch beschäftigt. Einiges habe ich schon versucht, um die Beschwerden zu lindern. Mein absoluter Tipp, nachdem ich das Buch "Darm mit Charme" gelesen habe: Der Toilettenhocker (Hoca). Durch die Hockposition (35 Grad-Winkel) wird der Stuhlgang zum Schnelldurchlauf;-). Ich muss nicht mehr pressen und drücken - alles funktioniert von selbst.
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