Phytotherapie beim Reizdarm-Syndrom

Phytotherapie beim Reizdarm-Syndrom

In ihrem Vortrag auf der 43. Medizinschen Woche zeigte Frau Prof. Dr. Kraft, was die Phytotherapie zum Reizdarm-Syndrom zu bieten hat. Welche Pflanze hat welche Wirkung auf das Reizdarm-Syndrom? Welche Pflanze eignet sich zur Behandlung welcher Symptome beim Reizdarm-Syndrom? Und was sagt die Wissenschaft dazu?

Übersicht: Reizdarm-Syndrom

Einführung

Die Lehrstuhlinhaberin für Naturheilkunde an der Universität Rostock und Kennerin der Phytotherapie Frau Prof. Dr. Kraft wies zunächst darauf hin, dass das Reizdarm-Syndrom eine Ausschlussdiagnose ist, d.h. andere Erkrankungen müssen nach einer gründlichen Untersuchung beim Facharzt ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose Reizdarm-Syndrom gestellt werden kann. Bei der Behandlung des Reizdarm-Syndroms sollte aus ihrer Sicht die Regulation der Darmmotilität, d.h. die Bewegungsfähigkeit bzw. Beweglichkeit des Darms, im Vordergrund stehen. Da die Motilität des Darms sehr komplex gesteuert ist, ist sie auch häufig gestört. In der Komplexität dieser Steuerung sieht Prof. Dr. Kraft auch den Grund, warum chemische und pflanzliche Einzelmittel in der Regel nicht so gut beim Reizdarm-Syndrom wirken. Pflanzenkombinationen sind daher bei der Behandlung des Reizdarm-Syndroms gegenüber Einzelmitteln zu bevorzugen.

Bei der Medizinischen Woche 2009 wurden weitere Möglichkeiten zur Therapie des Reizdarm-Syndroms vorgestellt. Lesen Sie dazu:

Pflanzliche Mittel beim Reizdarm-Syndrom

Die Phytotherapie hält ein breites Spektrum von Heilpflanzen zur Regulation der Darmmotiliät bereit. Hierzu gehören:

Deutscher NameFachbegriffBsp. für Wirkstoffe / Wirkung
Bittere SchleifenblumeIberis amaraSenfölglykoside (Tonusregulation), Flavonoide (antientzündlich)
AngelikawurzelAngelika archangelicaätherisches Öl (spasmolytisch, d.h. krampflösend), Bitterstoffe (Regulation über das ZNS)
KamillenblüteMatricariae flosätherisches Öl (antientzündlich), krampflösend; entblähend, blähungstreibend
KümmelfrüchteCarum carviätherisches Öl (blähungstreibend, krampflösend, antimikrobiell)
MariendistelfrüchteCardui fructusblähungstreibend
MelissenblätterMelissae foliumätherisches Öl, beruhigend, blähungstreibend, entblähend, krampflösend
PfefferminzblätterMenthae piperitae foliumätherisches Öl, Gerbstoffe, Bitterstoffe, leicht schmerzdämpfend, krampflösend, entblähend
SchöllkrautChelidonii herbaAlkaloide, Flavonoide, krampflösend, antientzündlich, antimikrobiell, Förderung des Galleflusses
SüßholzwurzelLiquiritiae radixFlavonoide, Phytosterole, entzündungshemmend, krampflösend
Indische FlohsamenschalenPlantaginis ovatae testaQuellstoff, quillt mit Wasser auf das 40-fache des Ausgangsvolumens, regelt Stuhlgang sowohl bei Durchfall als auch bei Verstopfung, wird selbst nicht vom Darm aufgenommen
LeinsamenLini semenQuellstoff, quillt mit Wasser auf das 40-fache des Ausgangsvolumens, regelt Stuhlgang sowohl bei Durchfall als auch bei Verstopfung, wird selbst nicht vom Darm aufgenommen

 

 

Auf die richtige Anwendung kommt es an

Frau Prof. Dr. Kraft wies darauf hin, dass auch bei der Verabreichung pflanzlicher Arzneimittel auf die korrekte Anwendung und Einschränkungen geachtet werden muss.

  • Es können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. So kann die Einnahme von Indischen Flohsamenschalen anfänglich Blähungen auslösen, weshalb man mit einer geringen Dosis beginnen sollte. Das Gleiche kann nach der Einnahme von Leinsamen geschehen.
  • Es können Kontraindikationen vorliegen, d.h. Krankheiten vorliegen, bei denen ein Mittel nicht verabreicht werden darf. So dürfen Leinsamen z.B. nicht bei Darmstillstand (Ileus) oder einem Megacolon gegeben werden.
  • Es ist die korrekte Dosierung, Anwendungsweise und -dauer zu beachten. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten müssen berücksichtigt werden. So können andere Medikamente von Leinsamen oder Flohsamenschalen absorbiert werden und damit schlechter wirken. Deshalb sollte zwischen ihrer Einnahme und der Einnahme anderer Medikamente ein Abstand von wenigstens einer Stunde eingehalten werden.

Leinsamen – richtig angewandt eine gute Hilfe

Bei der Anwendung von Leinsamen (nicht nur beim Reizdarm-Syndrom) gilt folgende Empfehlung:

  • 2- bis 3-mal täglich 10-15 g Leinsamen in Wasser oder Fruchtsaft einnehmen
  • insgesamt auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, da Leinsamen stark aufquellen und dafür viel Wasser benötigen. Leinsamen nicht kauen.
  • Leinsamen nicht vor dem Schlafengehen einnehmen
  • Leinsamen nicht gleichzeitig mit anderen Medikamenten einnehmen
  • Wer Leinsamen geschrotet einnimmt, sollte wissen, dass durch das Schroten die in den Leinsamen enthaltenden Fette freigesetzt werden. Das kann zu einer Gewichtszunahme führen.

Sie sollten wissen, dass eine abführende Wirkung erst nach längerer Einnahmedauer eintritt. Anfangs können sich vermehrt Gase im Darm bilden. Das gleiche gilt für Flohsamenschalen.

Studien zur Wirkung von Phytotherapeutika beim Reizdarm-Syndrom

Für einige Phytotherapeutika liegen klinische Prüfungen zu ihrer Wirkung beim Reizdarm-Syndrom vor. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

pflanzliches Arzneimittelnachgewiesene Wirkung
Pfefferminzöl + KümmelölSchmerzverringerung, Entblähung
FlohsamenschalenZunahme von Stuhlhäufigkeit und -gewicht
Pfefferminzöl (magensaftresistent verkapselt)Schmerzlinderung, Verbesserung bei dünnflüssigem Stuhlgang
Kombinationspräparat* wirkt ausgleichend auf die Darmmotorik, auch geeignet, wenn Durchfall und Verstopfung im Wechsel auftreten, nach 4 Wochen Therapie deutlicher Effekt

*enthält Auszüge aus der Bitteren Schleifenblume, Angelikawurzeln, Kamillenblüten, Kümmelfrüchten, Mariendistelfrüchten, Melissenblättern, Pfefferminzblättern, Schöllkraut und Süßholzwurzeln.

 

 

Welche Pflanze bei welchem Reizdarm-Symptom?

Patienten mit einem Reizdarm-Syndrom haben bisweilen sehr unterschiedliche, zum Teil auch wechselnde Symptome, z.B. Durchfall und/oder Verstopfung. Entsprechend ihren unterschiedlichen Wirkungen kann man gegen die einzelnen Symptome beim Reizdarm-Syndrom unterschiedliche Pflanzen einsetzen:

Bei Schmerz: Pfefferminzöl (magensaftresistent) als Fertigarznei

Bei überwiegender Verstopfung: Leinsamenschleim, Flohsamenschalen, eventuell in Kombination mit einer Kamillentinktur gegen Entzündungen

Bei überwiegendem Durchfall: Leinsamenschleim, Flohsamenschalen, eventuell in Kombination mit magensaftresistenten Pfefferminzölpräparaten

Literaturquellen

  • ESCOP-Monographs Second edition 2003 Thieme Verlag
  • ESCOP-Monographs Second edition Supplement 2009 Thieme
  • Kraft, Karin: CD Live Mitschnitt vom Vortrag auf der 43. Medizinischen Woche Baden-Baden (2009): Phytotherapie beim Reizdarm-Syndrom

Vortragende: Prof. Dr. med. Karin Kraft, Rostock
Redaktion: Dr. rer. nat. Inge Ziegler

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