Kommentar zum aktuellen Masernausbruch in Berlin

Kommentar zum aktuellen Masernausbruch in Berlin

(25.2.2015) Der aktuelle Masernausbruch in Berlin sorgt wieder einmal für Zündstoff und eine hitzige – oft polemisch und unsachlich geführte – Impfdiskussion. Hier möchte die Redaktion einige Gedanken zum Thema Impfen und Masern vorstellen, die unserer Ansicht nach zu wenig Beachtung finden.

Wer ist besonders gefährdet?

Gefürchtet werden zum einen die Masern-Enzephalitis und zum anderen die SSPE als seltene, aber leider immer tödliche Spätkomplikation.

Als Häufigkeit für die Masern Enzephalitis werden folgende Häufigkeiten angegeben:

  • Kindern bis 4 Jahre: 1:15.000
  • 5- bis 9-Jährige: 1:5500
  • über 10-Jährige: 1:2500

Während die Hirnentzündung bei Kindern oft mild verläuft, sind Säuglinge, Jugendliche und Erwachsene stärker von Folgeschäden bedroht.

Säuglinge

Säuglinge haben ein höheres Risiko für schwere Verläufe. Zudem ist bei frühen Erkrankungen das Risiko für die tödliche Spätkomplikation SSPE erhöht (www.Ärztezeitung.de).

Als Argument für die Impfung wird daher gerne angeführt, dass Säuglinge bis zum Alter von 9 Monaten nicht geimpft werden können und daher auf eine gute Herdimmunität, d.h. einen hohen Schutz in der übrigen Bevölkerung, angewiesen sind.

Die Impfung ist aber nicht der einzige Schutz. Mütter, die selbst eine Masernerkrankung durchlebt haben, können über die Plazenta schützende Antikörper an ihre Säuglinge weitergeben (Nestschutz). Allerdings bieten viele – gerade jüngere – Mütter diesen Nestschutz nicht mehr, weil sie die Masern wegen der Impfung gar nicht mehr durchgemacht haben. Und bei Müttern, die einmal die Masern hatten, wird die Immunität mangels Kontakt mit dem Masernvirus nicht mehr so auffrischt, wie das bei früheren Generationen der Fall war – worunter wiederum der von ihnen vermittelte Nestschutz leidet. Aus dieser Sicht können Impfungen also sogar das Risiko für Säuglinge erhöhen.

Jugendliche und Erwachsene

Je seltener Masern allgemein auftreten, umso unwahrscheinlicher ist es, daran zu erkranken. Dieser an sich wünschenswerte Effekt hat noch einen Nachteil: Mancher, der Masern früher als Kind bekommen hätte (Kinderkrankheit), erkrankt inzwischen eher als Erwachsener. In Berlin ist derzeit jeder zweite Masernkranke schon über 18 Jahre alt. Ein kritischer Punkt, wenn man bedenkt, dass Jugendliche und Erwachsene ein höheres Risiko für schwere Verläufe haben als Kinder zwischen 4 und 8 Jahren, bei denen die Masern früher typischerweise auftraten.

Aufgrund der rückläufigen Immunität durch die Erkrankung selbst rät das Robert-Koch-Institut (RKI) inzwischen auch Personen, die vor 1970 geboren sind, zur Impfung.

Sonstige Risikogruppen

Bei der Bewertung der Gefährlichkeit der Masern kommt es sehr auf den Einzelfall an. Pauschale Aussagen sind hier schwierig. Zu den Risikofaktoren für schwere Verläufe scheinen zu gehören

  • Vorerkrankungen
  • Vitamin-A-Mangel

Inwiefern solche und andere Risiken bei schweren Verläufen und Todesfällen eine Rolle gespielt haben, bleibt leider meist unerwähnt.

Verblüffender Anstieg der Todesrate

In unserem Artikel zum Thema Masern, der vor einigen Jahren erschienen ist, heißt es noch: „Das Robert-Koch-Institut gibt die Sterblichkeitsrate bei Masern mit 1:10.000 bis 1:20.000 an.“ Bis 2010 war beim RKI von 1:10.000 die Rede, inzwischen von 1:1000. Woher diese drastische Änderungen der Angabe kommt, bleibt offen.

Zweifel an dieser Zahl sind berechtigt, wie der Kinderarzt Dr. Steffen Rabe unter www.impf-info.de glaubhaft vorrechnet.

Fest steht, dass nicht alle Masernfälle gemeldet werden und auch nicht jeder Betroffene sichtbar an Masern erkrankt (stille Feiung). Daher ist die Angabe einer genauen Zahl eigentlich gar nicht möglich.

Geimpft = sicher geschützt?

Gemäß dem Epidemiologischen Wochenbericht des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGeSo, www.berlin.de/lageso/gesundheit/infektionsschutz/bericht.html; 16. Berichtswoche) waren 86 % der 1049 Masernkranken in Berlin nicht geimpft. 14 % (142 Personen) waren nach eigenen Angaben gegen Masern geimpft, davon 29 Personen 2-mal, 71 Personen 1-mal. Auch wenn man berücksichtigt, dass den Gesundheitsämtern häufig keine Impfausweise vorliegen und somit nichts zur Art des Masernimpfstoffs bekannt ist oder die Angaben überprüft werden können, ist doch davon auszugehen, dass zu einem gewissen Prozentsatz auch nach 2-facher Masernimpfung Personen an Masern erkranken.

Das bestätigte uns auch die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales: "Die Effektivität der 1.  Masern-Impfstoffdosis beträgt durchschnittlich für alle Personen über 9 Monate 91 %, nach der 2. Dosis kann man von einer Wirksamkeit bei 92 bis 99 % der Geimpften ausgehen." Und: "Daraus wird auch ersichtlich, dass es trotz der ein- oder zweimaliger Impfung bei einem gewissen Anteil der Geimpften nicht zu einer Immunität kommt. Dies sehen wir bei diesem großen Ausbruch an der Anzahl der Personen, die trotz Impfung erkrankt sind."

Nach unseren Informationen hatte übrigens das in Berlin gestorbene Kind, neben allen anderen vorherigen Impfungen, die erste MMR-Impfung erhalten. Die Zweite stand bevor. Nach einer Pressemitteilung der Charité lag bei dem Kind eine Grunderkrankung vorl, die bis dahin den Eltern nicht bekannt war, die aber nicht zum Tode geführt haben soll.

Nach Angaben des RKI ist der Impfschutz nach der ersten Impfung bei 90 bis 95 % der Geimpften aufgebaut. Dieser Impfschutz ist ein bis zwei Wochen nach der Impfung aufgebaut. Dazu die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales: "Wichtig [...] ist zu wissen, dass nach einer MMR-Impfung nach ca. 10 bis 14 Tagen im Blut Antikörper nachgewiesen werden können, von einem sicheren Schutz geht man nach allerspätestens 4 Wochen aus."

Allerdings hält die durch Impfung erworbene Immunität nicht unbedingt lebenslang – zumal die natürliche „Auffrischung“ der Impfung durch Kontakt mit Masernkranken in der Regel entfällt. Verbindliche Aussagen darüber, wie lange ein Impfschutz anhält, scheint es nicht zu geben.

Leider ist auch eine Impfung nicht ganz ohne Gesundheitsrisiken. Vor allem Zusätze wie Antibiotika, Hühnereiweiß, Formaldehyd oder Adjuvantien sind umstritten und werden für eine Reihe negativer Wirkungen verantwortlich gemacht (mehr dazu hier). Ob eine Impfung wirklich einen gesundheitlichen Vorteil bringt, weiß man eigentlich nicht so ganz genau. So seltsam es auch klingen mag: Es gibt keine Studien mit Vergleichsgruppen von Ungeimpften und Geimpften. Kritiker halten die Risikoprüfung bei den Zulassungsstudien für die Masernimpfstoffe schlicht für ungenügend. Aufgrund der niedrigen Zahl der Testpersonen könnten z.B. seltenere schwere Nebenwirkungen nicht mit statistischer Sicherheit erfasst werden.

Masernfrei?

Selbst wenn es gelänge, die Masern aus Deutschland zu verbannen, müssten wir im Zeitalter der Globalisierung damit rechnen, dass sie jederzeit wieder – wie bei der Masernwelle Anfang 2015 in Berlin – von außen eingeschleppt werden. Wer Masern auf Dauer hierzulande beseitigen möchte, bräuchte also wohl tatsächlich eine Impfquote von 95 %, von der in diesem Zusammenhang immer die Rede ist, die aber schwer zu erreichen sein dürfte.

Weitere Texte im www.naturheilmagazin.de zu Masern

Online-Redaktion

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen



Mailadresse dient möglichen Rückfragen durch die Redaktion.
Sie wird nicht veröffentlicht.



 

Wichtiger Hinweis:

Diese Inhalte dienen der Information und Orientierung. Sie können und sollen unter keinen Umständen den Besuch eines Arztes und die Konsultation medizinischer Beratung oder professioneller ärztlicher Behandlung ersetzen.
Der Inhalt von naturheilmagazin.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Im Übrigen verweisen wir auf die Geltung unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB

Krankheiten A-Z