Sport in der Onkologie

Sport in der Onkologie

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Körperliche Aktivität und Sport können das allgemeine Risiko, an bestimmten Krebsformen zu erkranken, vermindern. Aber auch wer schon erkrankt ist, kann sein Wohlbefinden und Selbstvertrauen durch spezielle Bewegungsprogramme steigern. Darauf weist die Dt. Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) in der Pressemitteilung hin.

Übersicht: Krebs

Ein neuer Ansatz: Sport in der Onkologie

Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention

Jährlich erkranken etwa 425.000 Menschen in Deutschland an Krebs. Die Tendenz ist steigend: Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Neuerkrankungen bis zum Jahr 2030 um circa 50 Prozent zunehmend wird. Zu dieser ungünstigen Prognose gibt es aber auch positive Nachrichten: Körperliche Aktivität und Sport können das allgemeine Risiko, an bestimmten Krebsformen zu erkranken, vermindern. Aber auch wer schon erkrankt ist, kann sein Wohlbefinden und Selbstvertrauen durch spezielle Bewegungsprogramme steigern. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) hin.

Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen leiden häufig nicht nur an direkt tumorbedingten Symptomen, auch therapiebedingte Nebenwirkungen können dauerhafte Effekte auf das körperliche Selbstempfinden haben. Zukunftsangst und eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit stören das seelische Gleichgewicht und rufen eine psychisch labile und vulnerable Verfassung hervor. Übelkeit, Appetitmangel, Gewichtsverlust, chronische Erschöpfung („Fatigue“), Schwäche, Depressionen, Blutbildveränderungen und Leistungsverminderung als häufige Auswirkungen systemtherapeutischer Maßnahmen bedingen somit weitere Einschränkungen der Lebensqualität. 

Frühzeitig eingeleitete Bewegungsprogramme sowie die daraus resultierenden positiven Effekte haben bei Tumorerkrankungen in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Abnehmende Fatigue-Symptomatik und gesteigerte Lebensqualität sind nachweisbare relevante Effekte. Verschiedene Studien belegen, dass körperliche Aktivität auf nahezu alle Symptome einen positiven Einfluss hat. Die Effekte eines aeroben Ausdauertrainings oder einer Kombination aus Alltagsbewegung und aerobem Ausdauertraining sind vielfältig und reichen von einer Reduktion der Fatigue-Symptomatik über eine Steigerung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität bis hin zur Rezidiv-Prophylaxe. Erste aktuelle Studien zeigen, dass auch durch Krafttraining gute Erfolge erzielt werden können. Krafttraining ermöglicht eine Verhinderung von Muskelatrophien und leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Alltagsbewältigung sowie Lebensqualität. Tumorpatienten, die intensivere Krafttrainingseinheiten absolvieren, verbessern ihre Kraftleistung und Koordinationsfähigkeit. 

Eine Untersuchung der Abteilung Sportmedizin zeigt jedoch, dass tumorerkrankte Patienten/-innen in Hessen nicht ausreichend über die Wirkungen und dementsprechend die Vorzüge körperlicher Aktivität aufgeklärt sind. Neben fehlenden Informationen sind auch die bestehenden Sport- und Bewegungsangebote für einen Großteil der Patienten nicht präsent. Derartige Möglichkeiten sollten Erkrankten sämtlicher Tumorentitäten offen stehen und entsprechend beworben werden. Ärzte und Pflegepersonal als bevorzugte Informationsquelle der Patienten sollten bezüglich der Bedeutung körperlicher Aktivität hinreichend integriert werden. Eine Sportgruppe mit Anschluss an die behandelnde Klinik sowie Informations- und Beratungsangebote für onkologische Patienten sind dementsprechend als nächster Schritt zu favorisieren. Die frühe moderat sportliche Intervention gilt daher als ein weiterer Baustein in einer multimodalen Krebstherapie.

Dr. med. Marcus Bernhörster, Goethe-Universität Frankfurt am Main

(Frankfurt, 3. November 2011)

Dr. med. Marcus Bernhörster, FA. für Innere Medizin
Goethe-Universität Institut für Sportwissenschaften
Abteilung Sportmedizin
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