Krampfadern

Krampfadern

Blau, dick und hässlich schlängeln sie sich vor allem um die Unterschenkel: Krampfadern (Varizen). Dabei sind sie beileibe kein rein kosmetisches Problem. Die Heilpraktikerin und Medizin-journalistin Margret Rupprecht zeigt Ihnen, wie Sie mit Bewegung, Kompressionsstrümpfen, Wasseranwendungen, Heilpflanzen uvm. selbst etwas gegen Krampfadern tun können.

Autor/en dieses Beitrages:
Margret Rupprecht, Heilpraktiker/in aus München

Krampfadern

Einführung

Einführung

Mancher mag sich fragen, was Krampfadern (Varizen) mit einem Krampf zu tun haben? Schließlich kennt man sie nur als erhabene, verbreiterte und geschlängelte Venen, vorwiegend im Bereich der Beine. Das Wort Krampf leitet sich vom althochdeutschen kramph – gekrümmt ab und beschreibt den krummen Verlauf dieser Venen. Seit dem 16. Jahrhundert ist deshalb auch der Begriff Krummader in Gebrauch. Ein weiterer Zusammenhang besteht zwischen Krampfadern und den nächtlich auftretenden Wadenkrämpfen, über die viele betroffene Patienten klagen.
Krampfadern gehören zu den großen Volkskrankheiten. Etwa fünfzig bis achtzig Prozent der Erwachsenen sind davon betroffen; Frauen ungefähr doppelt so häufig wie Männer. Oft liest man, Krampfadern seien „Veranlagung“ und gingen auf eine erblich bedingte Bindegewebsschwäche zurück. Damit werden sie zu einem Schicksal, dem man scheinbar nicht entrinnen kann. Das ist ein Irrtum. Wer mit seinen Venen richtig umgeht, kann dem Krankheitsbild frühzeitig vorbeugen und ein weiteres Fortschreiten der Venenschwäche nachhaltig verhindern.

Venen

Venen, die bläulich durch die Haut schimmern, sind etwas ganz Normales. Der venöse Rückstrom zum Herzen, z. B. aus den Beinen, geschieht über zwei unterschiedliche Systeme: ein oberflächliches und ein tiefes Venensystem. Die tiefen Venen liegen in der Mitte der Extremitäten zwischen den Muskeln, die oberflächlichen direkt unter der Haut, wo sie als bläuliche Streifen zu sehen sind. Bei sehr hellhäutigen Menschen und an Partien wie dem Handrücken lässt sich das gut beobachten.
 Zwischen dem tiefen und dem oberflächlichen Venensystem gibt es sog. Verbindungsvenen. Sie führen das Blut aus den oberflächlichen in die tiefliegenden Venen und über diese in die untere Hohlvene und das Herz.
Nicht jede bläuliche Vene am Unter- oder Oberschenkel ist gleich eine Krampfader. Für diese gibt es eine eindeutige Definition: Krampfadern sind erhaben, dilatiert (verbreitert) und geschlängelt. Oft zeigen sie sich auch als knotenartige Verdickungen. Erst wenn einzelne Venen des oberflächlichen Venennetzes die Haut deutlich vorwölben, Knoten bilden und sich breit und gekrümmt nach außen drücken, liegt eindeutig eine Krampfader vor.

Ursachen

Ursachen

Varizen sind Symptom einer Venenschwäche bzw. Venenerkrankung, die medizinisch auch als „venöse Insuffizienz“ bezeichnet wird.
Der Rückfluss des venösen Blutes von den Beinen zum Herzen ist ein ständiger Kampf gegen die Schwerkraft. Normalerweise würde das Blut in den Füßen versacken, wenn sich die Natur nicht ein paar „Tricks“ ausgedacht hätte, um es gezielt nach oben zu leiten. Zu diesen Mechanismen gehören in erster Linie die sog. Venenklappen. Sie wirken ähnlich wie Ventile. Das leergepumpte Herz übt über die Hohlvenen eine leichte Sogwirkung auf venöses Blut aus. Es wird gewissermaßen hochgezogen. Damit es nicht wieder nach unten sackt, blähen sich in den Venen, wenn das Blut kurzzeitig stillsteht oder sich die Strömungsrichtung umzukehren droht, segelartige Klappen auf, die ein Zurückströmen verhindern, indem sie die Vene nach unten dicht machen und dem Einfluss der Schwerkraft ein Hindernis entgegensetzen. Strömt das Blut wieder nach oben, legen sich die Klappen eng an die Venenwände an.

Gestörter Mechanismus Funktioniert der Mechanismus dieser Klappen nicht mehr korrekt, weil sie ausgesackt sind, Risse bekommen oder nicht mehr dicht schließen, fließt das Blut ein Stück weit nach unten zurück. Das Blutvolumen in der Vene erhöht sich, baut Druck auf und presst seröse Flüssigkeit in das umliegende Gewebe ab. Der Druck in der Vene ist dann größer als der im umgebenden Gewebe, so dass Wasser durch die Venenwand hindurchsickert. So entstehen Wassereinlagerungen (Ödeme, erst im Bereich der Sprunggelenke Knöchelödeme, im fortgeschrittenen Stadium massive Unterschenkelödeme. und weil die Venenwände durch diesen Mechanismus ständig unter Druck stehen, sacken sie aus und bilden in Folge Krampfadern. Neben einer gewissen erblichen Veranlagung zu Bindegewebsschwäche und damit auch zu schwachen Venenwänden und –klappen gibt es äußere Faktoren bzw. Lebensgewohnheiten, die das Entstehen von Krampfadern begünstigen. Dazu gehört Übergewicht, chronische Verstopfung, Leberbelastung durch übermäßigen Alkohol- und Süßigkeitenkonsum, Vitamin- und Mineralstoffdefizite, Bewegungsmangel, sitzende und stehende Berufe oder zu enge Kleidung, die Beine und Bauch zu stark einschnürt (Sockengummi, enge Jeans etc.). Das heißt umgekehrt: Wer schlank bleibt und sich ballaststoff-, vitamin- und mineralstoffreich ernährt, sowie für lockere Kleidung und viel Bewegung sorgt, wird die Gesundheit seiner Venen lange erhalten können.

Klassische Krampfadersymptome

Klassische Krampfadersymptome

Es gibt durchaus eine anlagebedingte Neigung zu Krampfadern. Wenn Eltern und Großeltern bereits unter Venenbeschwerden litten, ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch die Kinder zu Krampfadern neigen. Wohlgemerkt: neigen! Das heißt nicht, dass sie automatisch Krampfadern bekommen müssen. Wenn man eine bestimmte Veranlagung besitzt, bedeutet das in erster Linie, dass man etwas frühzeitiger und konsequenter entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen sollte. Dann können Auftreten und Schweregrad der Symptome bereits im Vorfeld abgefangen werden.

Erste Anzeichen eines beginnenden Krampfaderleidens zeigen sich bei entsprechend veranlagten Personen bereits in der Jugend und im frühen Erwachsenenalter. Die Venen verlaufen weniger glatt. Sie fangen bald an, sich zu schlängeln und reliefartig hervorzutreten. Zu Anfang sind Krampfadern eher ein kosmetisches als ein gesundheitliches Problem. Im weiteren Verlauf leiden die Patienten unter Schweregefühl in den Beinen, das zunächst nur bei langem Sitzen und Stehen, später auch unabhängig davon im Tagesverlauf auftritt. Je mehr es auf den Abend zugeht, desto müder und dicker werden die Beine. In der Nacht kommt es häufig zu Wadenkrämpfen. Durch das Hochlegen der Beine und beim Gehen bessern sich die Symptome in der Regel. Frauen, die zu Krampfadern neigen, leiden vor der Menstruation besonders stark unter den Beschwerden.

Diagnose

Diagnose

Die Medizin unterscheidet drei Formen von Krampfadern:

  • 1. Stammvarizen sind die Erweiterung der beiden Hauptvenen (Stammvenen) des oberflächlichen Venensystems (Vena saphena magna und Vena saphena parva). Klappenschädigungen an diesen Venen führen zu Krampfadern an der Innenseite von Ober- und Unterschenkel – mit ca. 85 % die häufigste Form der Krampfadern.
  • 2. Seitenastvarizen sind Erweiterungen von Seitenzweigen der beiden Stammvenen des oberflächlichen Venensystems. Meist treten sie in Verbindung mit Stammvarizen auf und führen ebenfalls zu Krampfadern an der Innenseite von Unter- und Oberschenkel.
  • 3. Besenreiser sind sozusagen „Minikrampfadern“. Sie betreffen die kleinen Venen, deren Durchmesser weniger als einen Millimeter beträgt, und zeigen sich in Form netzartig angeordneter, feiner bläulich-roter Linien. Besonders häufig findet man sie an der Außenseite von Ober- und Unterschenkel sowie an der Innenseite des Knies.

Der Phlebologe (Facharzt für Venenerkrankungen) kann mit Hilfe verschiedener Test feststellen, ob und wie stark die Klappen des oberflächlichen Venensystems geschädigt sind. Dazu wird beispielsweise das Bein eine Weile hochgehalten und das Blut herausgestrichen. Nach dem Aufstehen kann man beobachten, wie schnell sich das oberflächliche Venensystem füllt. Daran lässt sich der Grad der Klappenschädigung in den Venen ablesen.
Neben diesem einfachen Testverfahren gibt es die sog. Dopplersonografie, mit der krankhafte Veränderungen an den Venenwänden und –klappen auch grafisch sichtbar gemacht werden können. Eine noch genauere Diagnostik ermöglicht die Phlebografie, eine Röntgenuntersuchung der Beinvenen, bei dem ein jodhaltiges Kontrastmittel in die Venen gespritzt wird, das Wand- und Klappenveränderungen auf dem Röntgenbild sichtbar macht.

Komplikationen

Nur im Anfangsstadium sind Krampfadern ein lediglich kosmetisches Problem. Je weiter das Krankheitsbild fortschreitet, desto größere gesundheitliche Schäden kann es es nach sich ziehen. Dazu zählen vor allem

Venenentzündung (Phlebitis)
Die Vene und ihre Umgebung sind schmerzhaft entzündet, gerötet, heiß und geschwollen. Ist eine oberflächliche Vene entzündet, fällt die Diagnose leicht. Entzündungen von tiefliegenden Venen sind auch mit bildgebenden Verfahren nur schwer zu erfassen. Ob Keime, ein Autoimmunprozess oder eine mechanische Reizung Ursache der Entzündung sind, ist bis heute noch nicht ganz geklärt. Wer Krampfadern hat, trägt immer ein erhöhtes Risiko für Venenentzündungen und dies umso stärker, je weiter das Krankheitsbild fortschreitet.

Thrombose
Wenn sich Blut in der Vene zu lange staut und dadurch der Durchfluss behindert wird, setzen Gerinnungsprozesse ein. Ein Blutgerinnsel entsteht, setzt sich an der Venenwand fest und verstopft das Gefäß. Zwar ist der Blutrückfluss aus den dahinter liegenden
Bereichen über den Umweg der Verbindungsvenen meist noch gewährleistet, das Gerinnsel kann aber zu Entzündungen führen oder sich gar ablösen. Solche Gerinnsel, fachsprachlich auch Thromben genannt, können bis zu 5 g schwer werden. Sie schwimmen mit dem Venenblut in Richtung Herz, von wo aus sie in die Lunge gepumpt werden und dort die gefürchtete und oftmals tödliche Lungenembolie auslösen können.

Offenes Bein (Ulcus cruris)
Der dauerhafte Rückstau des Blutes führt zu Ernährungsstörungen im umgebenden Gewebe. Wenn verbrauchtes Blut langsamer abfließt, kann frisches, nährstoff- und sauerstoffreiches arterielles Blut auch nur langsam nachfließen: Haut, Muskeln und Bindegewebe werden nur unzureichend versorgt, auch die Abbauprodukte aus dem lokalen Stoffwechsel werden zu langsam abtransportiert. Die lokale Immunabwehr ist stark herabgesetzt. Kleine Verletzungen weiten sich sofort zu größeren Entzündungen aus und heilen nur langsam ab. Manchmal bleiben sie über Monate oder Jahre bestehen. Ulcus cruris, auch Untergeschenkelgeschwür oder offenes Bein genannt, tritt meist oberhalb des Innenknöchels auf und gehört zu den besonders therapieresistenten Krankheitsbildern.

Schulmedizin

Schulmedizin

Der Phlebologe kann bei Krampfadern Kompressionsstrümpfe verordnen. Sie stellen eine Art Basistherapie dar. Das Bein wird gleichmäßig von außen mit Hilfe des sehr stramm anliegenden Strumpfes in Form gehalten. Das unterstützt den venösen Rückfluss zum Herzen, beugt Wassereinlagerungen sowie dem weiteren Aussacken der oberflächlichen Venen vor.
Daneben bietet die Venenheilkunde einige Operationsverfahren an. Besenreiser und kleinere Krampfadern werden in der Regel verödet. Der Arzt spritzt ein Mittel in die Krampfadern, das die Innenwände zum Zusammenwachsen anregt. Die Ader verschließt sich und das Blut muss von nun an über Umgehungskreisläufe abfließen.
 Beim sog. Stripping-Verfahren wird die erkrankte Krampfader mit Hilfe einer Sonde aus dem Bein herausgezogen.
Die Krossektomie ist eine Durchtrennung der erkrankten Vene an der Stelle, wo sie in das tiefe Venensystem eintritt. Damit wird ein zukünftiges Zurückströmen des Blutes verhindert. Auch nach Krampfader-Operationen muss der Patient in der Regel eine ganze Zeit lang Kompressionsstrümpfe tragen und in Zukunft deutlich mehr Sport machen.
Krampfaderoperationen sind keine Heilung im eigentlichen Sinne, sondern ermöglichen lediglich eine gewisse Verbesserung der Symptome. Werden Übergewicht, Bewegungsmangel und Fehlernährung nicht reduziert, schreitet das Krankheitsbild weiter fort. Es dauert meist nicht lange, bis sich an der nächsten Vene Beschwerden zeigen.

Naturheilkunde

Naturheilkunde

Selbsthilfe

Der beste Arzt für die Behandlung Ihres Venenleidens sind Sie selber! Je mehr Verantwortung Sie für den Zustand Ihrer Venen übernehmen und je aktiver Sie in dieser Hinsicht vorgehen, desto gesünder bleibt ihr Venensystem. Bei der venösen Insuffizienz handelt es sich um einen Energiestau im eigenen System. Der Lebenssaft Blut findet nicht in angemessener Zeit den Weg zurück zum Herzen. Er versackt in den unteren Extremitäten. Die alten Ärzte pflegten einen Menschen dann als gesund zu bezeichnen, wenn „seine Säfte im Fluss“ bleiben. Stauungen und Stockungen sind Wegbereiter der Krankheit. Wo ein Fluss gebremst wird, kommt es zu einer Überlastungssituation, die zum Krankheitsauslöser werden kann, z. B. zu einer Krampfader.

Und damit es erst gar nicht soweit kommt können Sie selbst aktiv werden durch …

Sport

Körperliche Bewegung fördert den Rücktransport des Blutes über den Mechanismus der „Muskelpumpe“. Sportarten, bei denen die Beine aktiv werden, wie Walking, Joggen, Radfahren, Rollerbladen, Tanzen oder Schwimmen, regen die Muskeln in Ober- und Unterschenkel an, deren Aktivität auf die Beinvenen wie eine Pumpe wirkt. Außerdem kräftigt Sport das Bindegewebe, d. h. konkret: Venenwände und Venenklappen. Spazierengehen ist übrigens erst ab siebzig als Sport zu bezeichnen! Für Krampfaderpatienten gilt die Devise: „Viel laufen und gehen, wenig sitzen und stehen …“
 Wer einen sitzenden Beruf hat und sich unter der Woche tagsüber wenig bewegen kann, dem hilft „Bürosport“, z. B. Übungen wie

  • Auf der Stelle-Gehen
  • Auf die Zehen stellen und Fuß bis zum Fersenstand rollen – und zurück…
  • Kniebeugen
  • Zehen beugen und strecken

Ein kleines Schemelchen unter dem Schreibtisch, auf dem man die Unterschenkel ablegen kann, wird häufig als wohltuend empfunden.

Kompressionsstrümpfe und lockere Kleidung

Vermeiden Sie enges Schuhwerk, Strümpfe mit engem Gummizug, enge Jeans und andere einschnürende Kleidungsstücke.
Empfehlenswert sind hingegen Kompressionsstrümpfe. Sie sind zwar auch eng, aber in einem stützenden und nicht in einem abschnürenden Sinn. Sie beugen Wassereinlagerungen vor und sind auch beim Sport sinnvoll.

Wasseranwendungen

Leicht ins Alltagsleben integrieren lassen sich kalte Beingüsse. Man kann sich angewöhnen, am Ende jedes Duschens zuerst den Unterschenkel und dann das ganze Bein mit kaltem Wasser zu begießen. Das regt die lokale und die allgemeine Durchblutung an, strafft die Venenwände und unterstützt den Rückstrom des Blutes zum Herzen.

Heilpflanzen

Zwei Heilpflanzen sind für die Straffung der Venenwände und für die Durchblutungsverbesserung besonders gut geeignet: Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) und Steinklee (Melilotus officinalis).

1. Rosskastanie
Im Mittelpunkt des Krankheitsbildes der venösen Insuffizienz steht neben dem gestörten Blutrückfluss auch eine unzureichende Tonisierung (Spannung) der Venenwand. Die Behebung der Tonusschwäche, also Schlaffheit, im organischen, wie im übertragenen Sinn ist das Thema der Rosskastanie. Wenn der Baum seine Blätter im Frühling aus ihrer Umhüllung entlässt, sind sie noch schwer und schwach. Sie hängen schlaff nach unten und verfügen nicht über die Kraft, sich aufzurichten. Doch nach und nach werden sie wie von einem unsichtbaren Faden nach oben gezogen, wie die Glieder einer Marionette. Dies geschieht so lange, bis sie sich in einer waagerechten Lage befinden. Dann scheinen sie von einer so starken Energie erfüllt zu sein, dass sie sich aus eigener Kraft in der Waagerechten halten können, ohne von der Schwerkraft nach unten gezogen zu werden. Gestalt und Verhalten der Roßkastanienblätter zeigen die aufrichtende, Spannkraft verleihende Natur dieser Heilpflanze.
Roßkastaniensamen enthalten drei bis zehn Prozent eines komplex zusammengesetzten Saponingemisches. Darunter spielt das Aescin eine besondere Rolle. Aescin wirkt krampflösend, entzündungs- und ödemhemmend. Rosskastanienextrakte und ihr wirksames Prinzip Aescin dichten die Gefäßwände ab, straffen die Venenwand, verhindern die Ödembildung und reduzieren vorhandene Schwellungen. Längerfristige Einnahme von Roßkastanienextrakten führen zu einer signifikanten Besserung der subjektiven Symptome bei Venenschwäche: Schwere- und Spannungsgefühl, Juckreiz, Schmerzen und Schwellungen in den Beinen gehen spürbar zurück. Nach neueren Studien wirkt die Einnahme eines Roßkastanienextraktes genau so gut gegen Schwellungen wie eine Behandlung mit Kompressionsstrümpfen der Klasse II. Eine gute Zubereitungsform ist die pflanzlich-homöopathische Urtinktur, die man nicht nur dauerhaft über mehrere Monate ein- nehmen kann, sondern es auch sollte, denn pflanzliche Heilmittel entfalten ihre volle Wirkung bei chronischen Krankheitsbildern erst nach einer gewissen Zeit.

2. Steinklee
Wie der Name schon sagt, bevorzugt Steinklee steinige Standorte wie Kiesgruben, Schuttplätze oder Wegränder. Bereits in der Standortwahl zeigt sich seine innere Nähe zu allem, was „verhärtet“ ist. Betrachtet man den Strauch etwas genauer, so zeigt sich ein eigenartiges Phänomen: Mit seinen fast 90 cm Höhe ist er eine relativ stattliche Pflanze, hat dabei jedoch auffällig zahlreiche und auffällig kleine Blüten und Blätter. Außerdem ist er extrem stark verzweigt. Normalerweise haben nur wirklich große Pflanzen, z. B. Bäume, eine solche Fülle an kleinen Blättern und Blüten. Stauden und Sträucher weisen in der Regel weniger Blattwerk auf und die Blätter sind bei ihnen im Vergleich zur Gesamtgestalt größer. Für die Blüten gilt ähnliches.
Diese Fülle an Verzweigungen, kleinen Blättern und Blüten gibt der Gesamtgestalt ein aufgelöstes und auflösendes Aussehen. Dieser Eindruck wird durch die Tatsache unterstützt, dass der Steinklee im zweiten Jahr kleinere Blätter ausbildet als im ersten und dass seine Blüten sogleich nach der Blüte ihren gelben Farbstoff auflösen und dadurch verblassen.
Steinklee gründet in steinigen Böden. Im Stein hat sich Energie verdichtet. Steinklee scheint diese Verdichtung energetisch aufzunehmen und sie auflösend und zerteilend an die Umgebung abzugeben, indem er die Energie über eine Fülle an Verzweigungen, Blättern und Blüten aus ihrer Versteinerung löst und in den Kosmos abfließen lässt.
Pharmakologisch betrachtet wird dieser Prozess vom Wirkstoff Cumarin unterstützt, der im Steinklee reichlich enthalten ist. Cumarin verflüssigt das Blut. Seine Derivate sind in zahlreichen Medikamenten zur Blutverdünnung und zur Behandlung von Embolien enthalten. Überall, wo Stauungszustände zu beobachten sind, kann Steinklee seine erweichende und auflösende Kraft entfalten. Das gilt besonders für die chronische Venenschwäche: Schweregefühl in den Beinen, Krampfadern, nächtliche Wadenkrämpfe, Thrombusbildungen, Venenentzündungen, Hämorrhoiden und Ödeme gehören zu den bewährten Einsatzgebieten von Melilotus officinalis. Besonders in heißen Sommern wird die Pflanze von Krampfaderpatienten sehr geschätzt. Meine Erfahrung zeigt: Wer über mehrere Monate eine pflanzlich-homöopathische Urtinktur von Steinklee einnimmt, hat deutlich weniger unter dicken und schweren Beinen zu leiden.

Offenes Bein
Für die Behandlung des offenen Beines empfiehlt sich eine pflanzlich-homöopathische Urtinktur von Calendula officinalis (Ringelblume), die man innerlich einnimmt und äußerlich einsetzt, z. B. einige Tropfen in Wasser verdünnt als Auflage oder als Beigabe zu einer Heilerde-Packung.
Ein fortgeschrittenes Krampfaderleiden und das offene Bein sprechen ausgesprochen gut auf Blutegel an. Diese Behandlung bekommen Patienten in der Heilpraktikerpraxis. Blutegel machen einen sanften lokalen Aderlass, wirken regional entstauend, verflüssigen das Blut und fördern darüber die lokale Geweberegeneration. Da Blutegel gleichzeitig eine betäubende Substanz abgeben, ist der Saugvorgang völlig schmerzlos.

Schüssler´sche Biochemie

Als Basistherapie bei Krampfadern hat sich – parallel zu den Heilpflanzenpräparaten – eine wiederholte mehrmonatige Einnahme von Calcium fluoratum bewährt, sowie regelmäßiges Einreiben der Beine mit Calcium fluoratum-Salbe. Bei Schmerzen gibt man Kalium chloratum im Wechsel dazu, bei entzündeten Krampfadern Ferrum phosphoricum.. Wadenkrämpfe im Rahmen des Krampfaderleidens behandelt der Therapeut i.d.R. mit Magnesium phosphoricum.
Beim offenen Bein haben sich Natrium sulfuricum (Leitsymptom: ödematöse Schwellung), oder Silicea (Leitsymtpom: starke Eiterbildung) oder Kalium phosphoricum (Leitsymptom: stinkende Absonderungen) bewährt.

Ernährung

Ernährung

Menschen, die sich ballaststoffarm ernähren (weiße Nudeln, Fleisch, Fett, Schokolade….) neigen zu härterem Stuhl und müssen beim Stuhlgang härter pressen. Dies erhöht den Druck in den Beinvenen. Chronische Obstipation ist ein äußerst begünstigender Faktor für die Entstehung des Krampfaderleidens. Das heißt konkret: Wer zu Venenschwäche neigt, sollte sich vitamin-, mineral- und vor allem ballaststoffreich ernähren: viel frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Leinsamen, Müsli und so weiter….
Auch Übergewicht fördert die Krampfaderentstehung. Ideal ist ein Body Mass Index von 19 bis 22. (Index errechnen: http://www.novafeel.de/bmi/bmi.htm) Um das Blut flüssig zu halten und Gerinnungsprozessen vorzubeugen, ist reichliches Trinken angesagt und eine Ernährung mit genügend „pflanzlichen Gerinnungshemmern“ wie Knoblauch, Zwiebeln oder Ingwer.
Vitamin C und Bioflavonoide stärken Venenwände und Venenklappen. Außerdem wirken sie der Bildung von Blutgerinnseln entgegen.
Vitamin E verbessert die Durchblutung und wirkt ebenfalls gerinnungshemmend.
Zink stärkt die Venenwand und unterstützt die Heilung bei Venenentzündungen und offenem Bein. Kaltgepresste pflanzliche Öle und reichlich Salat sind eine optimale Ernährung für Menschen mit Venenproblemen.

Psychosomatik

Psychosomatik

Betrachtet man das Krampfaderleiden etwas genauer, ergibt sich folgendes Bild: Ein Mensch schickt seinen „Lebenssaft“ Blut in die Peripherie, erhält aber nicht dieselbe Menge zurück, die er ausgesandt hat. Wenn man Blut als Symbol für Lebensenergie versteht, bedeutet sein Versacken in den Beinen, dass der Betreffende die Vitalität, die er ausgesandt hat, nicht in gleichwertiger Weise zurückerhält. Seine Seelenenergie tritt aus dem Herz in den Körper hinein, besitzt aber die Tendenz, nur langsam zurückzukehren. Der untere Körperpol wird überbetont, die Beine werden dick und schwer. Trägheit und Schwerfälligkeit, mangelnde innere Spannkraft und Elastizitätsverlust sind die Folge. Allgemein herrscht das Bild von Verlangsamung und Stau.
Wenn im eigenen Leben die Entwicklung stagniert, nichts mehr vorangeht und man in Beziehungen oder Verhältnissen steckt, die das Seelenleben blockieren und in denen man sich nicht als authentisch erlebt, kann die innere Stagnation, solange sie nicht bewusst gemacht wird, auf die Körperebene wechseln und dort den emotionalen Stau als Blutstau in den Venen sichtbar machen. Der Körper übernimmt Indikatorfunktion für die seelische Situation.
Es kann hilfreich sein, sich die individuellen psychosomatischen Hintergrundfaktoren des Venenleidens klar zu machen, indem der Betroffene sich fragt, welche Bezugspersonen oder Lebensbereiche auf ihn blockierend wirken, wo er vielleicht einen Konflikt eskalieren lassen sollte statt ihn zu verdrängen und welche Ziele, die ihm einst wichtig waren, er aus den Augen verloren oder aufgegeben hat. Vitalität hat viel damit zu tun, wie stark ein Mensch „bei sich“ ist, wie bewusst er sein tieferes Fühlen und Wollen wahrnehmen und auf eine konstruktive Weise zum Ausdruck bringen kann. Wem es gelingt, sich aus faulen Kompromissen zu befreien und sein Leben wieder mit Leidenschaft zu leben, wird eine innere Spannkraft entwickeln, die sich irgendwann auch positiv auf die Spannkraft seines Bindegewebes und seiner Venenwände auswirkt.

Wichtiger Hinweis:

Diese Inhalte dienen der Information und Orientierung. Sie können und sollen unter keinen Umständen den Besuch eines Arztes und die Konsultation medizinischer Beratung oder professioneller ärztlicher Behandlung ersetzen.
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