Haarausfall

Haarausfall

Wenn die Haare fallen, drückt das aufs Gemüt. Der Artikel zeigt Ursachen für den Haarausfall, die bislang wenig im Blick sind und aus denen sich völlig neue Behandlungsoptionen ergeben.

Dr. med. Dipl. Med. Thomas B. Fischer - Arztpraxis für Klinische Zellbiologie
Dr. med. Dipl. Med. Thomas B. Fischer
Mehr Infos im Experten-Profil
Präsident der Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie

Arztpraxis für Klinische Zellbiologie
Tel: 0211-451845
Königsallee 94
40212 Düsseldorf

Einführung

Haben Sie heute schon in den Spiegel geschaut und kritisch Ihr Haar betrachtet? Waren Sie mit Ihrem Urteil zufrieden? Kennen Sie diese"bad hair days", die mit der nicht-sitzenden Frisur beginnen und den ganzen Tag schief laufen? Oder gehen Sie tolerant mit Ihren Haaren um, wenn freche Locken mal nicht in der Reihe sitzen.

Fülle und Glanz des Haares steht für Schönheit und Vitalität des Menschen. Schöne Menschen scheinen leichter Erfolg zu haben. Schönheit ist für viele Menschen ein wichtiger Baustein zum Glück. Daraus begründet sich eine ganze Industrie aus Haarwuchsmitteln und Pflegeprodukten – sie entsteht aus der Sehnsucht der Menschen nach vollem schönem Haar.  

Haare sind lange Hornfäden. Sie bestehen aus Keratin. Ihr Haar ist Teil Ihres Organismus und etwas höchst Lebendiges – zumindest an der Wurzel. Und: Ihr Haar ist etwas höchst Individuelles. So haben blonde Menschen durchschnittlich 150.000 Haare auf dem Kopf, Rothaarige kommen nur auf ca. 75.000. Ob das Haar glatt oder gelockt ist, hängt vom Haarquerschnitt ab. Glatte Haare sind eher rund, elliptische Haare sind stark gelockt.

Haare wachsen in Zyklen. Natürlich gibt es hier individuelle Unterschiede, doch durchschnittlich wächst ein Haar ungefähr 1 cm im Monat. Die Haarlänge ist aber nicht nur von der Wuchsgeschwindigkeit abhängig, sondern auch davon, wie lang der individuelle Haarzyklus anhält. Ein gesundes Kopfhaar wächst typischerweise 2 bis 8 Jahre lang. Danach stellt die Haarwurzel ihre Zellproduktion ein. Das Haar löst sich von der Haarwurzel und verkümmert. Das alte Haar fällt ab. Danach geht die Haarwurzel in eine Phase der Erneuerung und regeneriert sich. Der Zyklus beginnt von Neuem.

Letztlich ist der Haarbalg die Summe aller Zellen, die ihn versorgen. Wie gut er sich entwickeln kann, hängt davon ab, wie gut er über den Körper versorgt wird und welche Schadstoffe und mechanischen Belastungen von außen auf ihn einwirken.  

Therapien können also an der Versorgung ansetzen – von innen oder von außen über Haarwässer und Kuren. Der Weg von außen scheint ein längerer zu sein als der über eine optimale Versorgung der Haarwurzel.

Von innen brauchen die Zellen, die den Haarbalg und die Haarwurzel versorgen, wie alle anderen Körperzellen auch: Mikronährstoffe, Vitamine, Hormone und einen möglichst ungestörten Stoffwechsel.

Wann ist Haarausfall krankhaft – Ursachen für Haarausfall

Haare fallen natürlicherweise aus

60-100 Haare verlieren Sie normalerweise am Tag. Das heißt, die Haare am Fußboden Ihres Bades oder in Ihrer Bürste sind zwar lästig, aber nicht bedenklich.

Haarausfall verdient Beachtung, wenn Sie über einen längeren Zeitraum viele Haare finden oder Haare büschelweise ausgehen.

Wenn das Haar schütterer wird – homonbedingter Haarausfall (Alopecia androgenetica)

Vorwiegend bei Männern lichtet sich das Haar an den Schläfen und der Stirn, es bilden sich Geheimratsecken, später eine Stirnglatze. Am Nacken und am Hinterkopf bleiben die Haare oft erhalten. Bei Männern kann dieser Vorgang schon in jungen Jahren ab 30 beginnen. Jeder zweite Mann leidet darunter, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Bei Frauen lichtet sich das Haar manchmal nach den Wechseljahren, es wird dünner.

Als Ursache wird das männliche Geschlechtshormon Testosteron gesehen. Dieses wird durch ein Enzym (Alphareduktase) in seine aktive Form Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt. Die Wachstumsphase der hormonsensiblen Haare wird durch DHT extrem verkürzt und schließlich verkümmern die Haarwurzeln ganz. Dieser Vorgang betrifft, da auch Frauen Testosteron produzieren, Männer wie Frauen, - allerdings Männer entsprechend ihrem höhreren Testosteronspiegel entsprechend deutlich stärker. 95 % aller Fälle an Haarausfall führt man hinlänglich auf diese Ursache zurück.

Ob und wann der Haarausfall beginnt, wird genetischen Ursachen zugeschrieben (siehe Abschnitt: „Was steckt jetzt wirklich dahinter“).

Sonderfall Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

An münzgroßen, runden Bereichen von 2-10 cm Durchmesser entstehen innerhalb von Wochen oder Monaten kleine haarlose Stellen. Das kann das Kopfhaar betreffen, aber auch Wimpern, Bart, Scham-und Körperbehaarung. Am Rand zeigen sich kurze abgebrochene Haare oder auch ein Pflaum.

Kreisrunder Haarausfall kann in jedem Alter auftreten, vorwiegend bei Kindern und Jugendlichen. Jungs und Männer sind auch hier etwas häufiger betroffen.

Der kreisrunde Haarausfall kann drei mögliche Verläufe zeigen:

  • Er heilt spontan nach einigen Monaten wieder ab.
  • Er wird chronisch und immer wieder zeigen sich kahle Stellen.
  • Chronisch breiten sich die Kahlstellen aus bis zur totalen Kahlheit.

Als Ursache vermutet man ein Autoimmungeschehen, der Körper reagiert gegen sich selbst. Auch die Psyche kann eine Rolle spielen, wenn der kreisrunde Haarausfall nach Schockerlebnissen auftritt.

Diffuser Haarausfall (Alopecia diffusa)

Hier sieht man die Schädigung der Haarwurzeln als Ursachen. Das kann geschehen durch Medikamente, Infektionskrankheiten, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder Mangelernährung.

Andere Anlässe für Haarausfall

Säuglinge verlieren kurz nach der Geburt die Haare, die sich während der Schwangerschaft gebildet haben. Danach wachsen die Haare neu, dann mitunter in ganz anderer Farbe.

In der Schwangerschaft wird vermehrt Östrogen ausgeschüttet, was den Haarwuchs fördert. Zwei bis zwölf Wochen nach der Entbindung normalisiert sich der Östrogenspiegel wieder und die zuvor mehr gebildeten Haare fallen wieder aus.

Plötzlich grau

Die Haarfarbe wird bestimmt durch Zellen an der Haarwurzel, die das Melanin bilden. Graue Haare sind nicht grau, sondern weiß. Sie haben keine Farbe mehr. Der graue Eindruck entsteht, weil sich noch dunkle und schon weiße Haare auf dem Kopf mischen.  

Die farbbildenden Zellen werden nach einer Studie deutscher und britischer Forscher ggf. vom Abbau von Wasserstoffperoxid in den Haaren beeinflusst. Andere Autoren machen eine Unterversorgung mit Vitalstoffen und eine Übersäuerung des Organismus für ein frühes Ergrauen verantwortlich.

Ein plötzliches Ergrauen zeigt sich oft nach Schockereignissen, die den Betroffenen aus seiner gewohnten Lebensbahn werden. Dann kann es vorkommen, dass „über Nacht“ alle pigmentierten Haare ausfallen und der Betroffene „plötzlich“ ergraut. Beispiele zeigen, dass nach einer erfolgreichen Krisenbewältigung die Pigmentierung der Haare wieder einsetzen kann.

Was steckt nun wirklich hinter einem Haarausfall?

Die Aussage „Die Gene sind schuld“ bringt den Betroffenen in den meisten Fällen nicht weiter.

Ob eine genetische Disposition zum Tragen kommt, hängt sehr stark von den konkreten Lebensumständen ab. Und diese können wir beeinflussen.

Betrachten wir uns die Zellen der Haarwurzel, die wie alle anderen Körperzellen eine gute Versorgung und einen gesunden Stoffwechsel brauchen. Aus ganzheitlicher Sicht können sich daher hinter einem krankhaften Haarausfall folgende Ursachen verbergen:

Belastung mit Schwermetallen und anderen Schadstoffen

Unsere zivilisierte Welt konfrontiert unseren Organismus mit einer Vielzahl von Stoffen, die ihm aus seiner Entstehungszeit weder bekannt noch ihm zuträglich sind:

  • Schwermetalle aus Abgasen, Zahnmaterialien, Energiesparlampen oder verseuchten Lebensmitteln (maßgeblich Blei, Quecksilber, Aluminium, Kadmium, Platin und Palladium),
  • Toxine aus Farben, Lacken, Klebstoffen, Lösungsmitteln, Insektenvernichtungsmitteln, Medikamenten,
  • Chemikalien aus konventionellen Haarpflegeprodukten und Kosmetika.

Auch Autoimmunerkrankungen, die u.a. für den kreisrunden Haarausfall verantwortlich gemacht werden, sind in extrem hohem Maße mit Schwermetallbelastungen verbunden.

Mangelversorgung des Organismus

Haarwurzeln sind hochgradig sensibel. Wenn im Organismus ein Mangel an Vitalstoffen besteht, reagieren diese sofort und leiden wie jede andere Körperzelle auch.

Bei Haustieren kennen wir die Analogie sehr gut: Ein Tier das gut gefüttert ist und dem es gut geht, zeigt ein glänzendes seidiges Fell.

Ein gut versorgtes Haar sieht schön aus. So spiegeln die Haare ein Stück weit, wie es in uns aussieht. Unser stressiges Leben erfordert einen hohen Vitalstoffbedarf. Mit „zivilisierter Normalkost“ kann dieser Bedarf aber nicht annähernd gedeckt werden. Daher ist bei allen Haarproblemen immer der Status an Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen und Vitaminoiden zu überprüfen.

Ein kranker Darm

Da die Vitalstoffversorgung so essentiell ist, ist es wichtig, dass die Vitalstoffe optimal aus der aufgenommenen Nahrung gewonnen werden können. Eine Schlüsselfunktion dabei hat der Darm mit seinem Milieu und seiner Besiedelung mit den richtigen Mikroorganismen. Nach Antibiotikagaben, durch Zusatzstoffe in Fertigprodukten und durch aufgenommene Schwermetalle wird die Darmflora nachhaltig gestört. Das betrifft einen großen Teil der Bevölkerung. Eine gestörte Darmflora verschärft den Vitalstoffmangel in den Körperzellen und damit auch in der Haarwurzel.

Übersäuerung

Damit die Zellen des Körpers optimal arbeiten können, benötigen sie den richtigen pH-Wert. Der ideale Wert des Blutes liegt bei 7,4, also im leicht basischen Bereich.

Viele Elemente einer „zivilisierten Normalkost“ übersäuern den Organismus. Dazu gehören Weißmehlprodukte, nahezu alle Zuckerformen, Fleisch und Wurst sowie Milchprodukte. Unser Körper benötigt hingegen einen leichten Basenüberschuss. Das Gleichgewicht wird verschoben.  

Noch maßgeblicher als die Ernährung ist der Stressfaktor. Bei Dauerstress werden verstärkt Hormone wie Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet. Diese Hormone beeinflussen Atmung, Verdauung und Durchblutung. Sind Menschen gestresst, atmen sie hastiger und flacher. Dadurch gelangt nicht genügend Sauerstoff ins Blut. Bekommen die Körperzellen zu wenig Sauerstoff reduzieren sie die Energiebereitstellung und erhöhen die Milchsäureproduktion. Der Körper übersäuert.

Ist der Körper in der Übersäuerung, versucht er dies über Mineralstoffe auszugleichen. Das erhöht den Mineralstoffbedarf im Körper noch einmal beträchtlich, und in der Zelle kommt noch weniger an.

Hormonelle Ungleichgewichte

Wie alle Körperfunktionen wird auch der Haarwuchs durch Hormone gesteuert. Folglich wirken sich auch Ungleichgewichte deutlich aus. In diesen Problemkreis fallen auch Erkrankungen der Schilddrüse.

Psychische Belastungen

Aussprüche wie: „es ist zum Haare raufen“ oder „… das bereitet mir graue Haare“ zeigen schon den Zusammenhang zwischen Psyche und Haarausfall.

Man nimmt an, dass psychischer Stress, den Zyklus des Haarwachstums verkürzt. Ein Haar wird dann nicht mehr so alt und fällt früher aus, dadurch sind weniger Haare gleichzeitig auf dem Kopf.

Diagnose

Eine ganzheitliche Diagnose geht der Ursache des Haarausfalls auf den Grund.

Schwermetalle sind in den Körperzellen gebunden und daher im Blut nicht direkt nachweisbar. In einem Schwermetall-Provokationstest werden Chelatoren infundiert. Schwermetalle lagern sich an diese Bindemittel und werden über die Nieren ausgeschieden. Im Urin zeigen sie sich im Labortest.

Das Blutbild gibt Auskunft über den Körperstatus an Hormonen und Vitalstoffen wie Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen und Vitaminoiden. So können sehr einfach Mängel erkannt werden.

Zur Diagnose gehört zudem eine Überprüfung der Schilddrüsenfunktion. Auch hier ergeben sich erste Informationen aus dem Blutbild, weitere werden mittels Ultraschall gewonnen.

Was können Sie selbst tun?

Die richtigen Pflegemittel

Ein Bereich, der direkt von Ihnen beeinflusst werden kann, sind die Pflegemittel, die mit Ihrem Haar in Kontakt kommen. Da ist mancher chemischer Cocktail im Handel, der zwar viel verspricht, doch eher schadet als nützt. Das sind kritische Bestandteile:

  • Silikone sollen das Haar seidig glänzend und weich fallen lassen. Beim Waschen legen sie sich um das Haar und glätten es optisch. Damit versiegeln sie Haar und Kopfhaut – Schicht für Schicht – mit jeder Haarwäsche neu. Das ist fatal. Das Haar trocknet darunter aus, auch pflegende und gewünschte Stoffe bleiben hinter der Silikonschicht. Zudem verursachen die Silikone Probleme in den Gewässern, da sie beim Klären nicht herausgefiltert werden können.
  • Erdölkomponenten finden sich als Paraffine in Haarwaschmitteln. Sie verstopfen die Hautporen, die Haut kann nicht mehr atmen. Beim Sport haben Sie den Eindruck, besonders am Kopf noch mehr zu schwitzen.
  • Synthetische Duft- und Farbstoffe können Allergien auslösen. Empfindliche Menschen reagieren mit Kopfschmerzen. Sie lagern sich im Körper an und gelten zum Teil als krebserregend.
  • Tenside und Emulgatoren: Versuchen Sie mal gedanklich Wasser und Öl zu mischen …. Wird das eine cremige Masse? Nur, wenn Sie kräftig rühren. Wenn Ihr Gemisch stehen bleibt, setzt es sich wieder ab. Damit das nicht passiert, werden Emulgatoren verwendet. Der Nachteil: Sie machen die Haut durchlässiger für Schadstoffe.
  • Weichmacher stehen unter Verdacht, hormonell wirksam zu sein: in Ihrem Körper und später auch in den Gewässern …

Das zukommen noch Konservierungsstoffe, Alkohol, Bleichmittel, synthetische Farbstoffe ….

Tipp: Gute und vor allem funktionierende Haarwaschmittel finden Sie in Bio-Supermärkten und Reformhäusern. Hier gibt es inzwischen viele Hersteller mit unterschiedlichstem Preisniveau an geprüfter Naturkosmetik – garantiert ohne Silikone und mit natürlichen Wirkstoffen. Einige empfehlenswerte Shampoos finden Sie hier.

Die richtige Pflege

Lassen Sie Luft an Ihre Haare. Dickes oder langes Haar sollten Sie nach dem Waschen mit niedriger Temperatur trocken föhnen – vor allem im Kopfhautbereich. Die Haare verkleben sonst und bekommen nicht genug Luft. 

Schönheit von innen

Wenn – wie oben gezeigt – die optimale Versorgung der Körperzellen mit Vitalstoffen auch für die Haarwurzeln essentiell ist, dann versteht sich von selbst, dass eine gesunde basisch orientierte Kost (idealerweise aus biologischem Anbau) auch Ihren Haaren einen guten Dienst leistet. Bereiten Sie Ihre Speisen frisch zu und verzichten Sie auf Fertigprodukte. So schaffen Sie am ehesten die Grundlage dafür, dass Ihre Haarwurzeln das bekommen, was sie brauchen.

Tipp für einen Selbstversuch: Bevor Sie zu Hormonprodukten oder anderen zweifelhaften chemischen Helfern greifen, versuchen Sie einen natürlichen Wirkstoff: Biotin oder Vitamin B7 ist Teil des Vitamin B-Komplexes. Biotin ist als natürlicher Bestandteil enthalten in Bierhefe, Haferflocken, Champignons, Avocado und Hühnereiern sowie in vielen weiteren Lebensmitteln. Es wirkt an vielen Stellen im Körper. Biotin hilft, Zucker in Energie umzuwandeln, stärkt das Nervensystem und spielt eine wichtige Rolle im Aufbau der Zellen. Haut und Haare erneuern sich häufig und profitieren deshalb besonders von Biotin. Als Nahrungsergänzungsmittel erhalten Sie es im Handel. Eine Kur über 2-3 Monate mit 10 mg am Tag sollte sichtbare Ergebnisse bringen.

Ein weiteres wichtiges Mineral für Haut und Haare ist Silizium. Wenn ein Körper gut mit Silizium versorgt ist, zeigt er ein glattes Hautbild, gesunde Fuß- und Fingernägel und kräftiges glänzendes Haar. Silizium kann den Haarwuchs fördern. Es kann innerlich und äußerlich angewendet werden. Hilfreich ist eine Kur über einen Zeitraum von 3-6 Monaten. Dann sollte die Veränderung nicht nur spürbar, sondern auch sichtbar sein.

Wenn Sie mit oben beschriebenen Maßnahmen keine Besserung feststellen, sollten Sie die genannten Ursachen abklären lassen.

Übliche Standard-Therapien

Medikamentöse Therapien

Da man in der Standard-Therapie davon ausgeht, dass Testosteron und seine aktive Form Dihydrotestosteron (DHT) die Haarfollikel angreift, setzen einige der Wirkstoffe an dem Enzym an, das für die Umwandlung von Testosteron in DHT verantwortlich ist.

17-Alpha-Estradiol ist ein synthetisch hergestelltes Hormon. Es gibt Mittel mit diesem Wirkstoff als rezeptfreie Haartinktur. In den Mitteln ist Östrogen enthalten. Damit soll das in DHT umwandelnde Enzym blockiert werden. Es wird maßgeblich beim altersbedingten Haarausfall empfohlen. Die Wirksamkeit des Mittels konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Auch Finasterid blockiert die Umwandlung von Testosteron in DHT, leider mit einigen unerwünschten Nebenwirkungen. So reduziert das Mittel die Anzahl der Spermien in der Samenflüssigkeit, die Brustdrüse des Mannes kann sich vergrößern (Gynäkomastie), es kommt zu Impotenz oder Libido-Verlust. Nach Absetzen des Mittels verschwinden die Haare wieder.

Das Mittel ist zugelassen für Männer zwischen 18 und 49 Jahren, Frauen bringt es keinen Nutzen. In der Schwangerschaft darf es nicht genommen werden, weil die Gefahr der Fehlbildung bei männlichen Föten besteht. Nach Herstellerangaben sollten schwangere Frauen das Mittel nicht mal anfassen …

Frauen wird oft die Pille verschrieben – hier als Kombinationspräparat von synthetischen Östrogenen mit speziellen Gestagenen, dem Gegenspieler zum Testosteron.

Minoxidil: Der genaue Wirkmechanismus dieses Wirkstoffs ist bislang nicht bekannt. Man nimmt an, dass er die  Haarwurzeln besser durchblutet oder die Neubildung von Blutgefäßen fördert. Er wird öfter an Frauen abgegeben, wenn der Haarausfall durch Überschuss männlicher Geschlechtshormone bedingt ist. Der Wirkstoff kann den Haarausfall verlangsamen, wenn er noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Wird das Mittel wieder abgesetzt, fallen die Haare wieder aus. 

Auch hier „bezahlen“ Sie die Wirkung mit einer Reihe von Risiken: Die Haut kann jucken, schuppen, sich röten oder entzünden. Es wurden Blutdrucksenkung, Brustschmerzen, Schwäche, Schwindelgefühl beobachtet. Es ist zugelassen für Männer zwischen 18 und 49 sowie Frauen ab 18 Jahren. Auch dieses Mittel ist in Schwangerschaft und Stillzeit tabu.

Künstliche Hormone greifen brachial in den natürlichen hormonellen Regelkreis ein und belasten die Leber. Eine ganzheitliche Behandlung sollte an den Ursachen ansetzen.

Haartransplantationen

Haartransplantationen kommen vor allem beim hormonbedingten Haarausfall zum Einsatz. Typischerweise sind nicht alle Bereiche des Kopfes gleichermaßen vom Haarausfall betroffen. Oft finden sich noch Haare am Hinterkopf.

Bei der Haartransplantation werden die vorhandenen Haare operativ neu verteilt. Sie stimuliert nicht die Bildung neuer Haare.

Unter örtlicher Betäubung werden die Spenderhaare einzeln oder in Gruppen von 2-5 Haaren entnommen und in kleine Schnitte am Vorderkopf eingesetzt. Pro Sitzung können 300-400 Haarbüschel versetzt werden. Der Eingriff erfordert viel Erfahrung auf Seiten der Behandler. Die Risiken sind vergleichbar mit denen anderer ambulanter Operationen. Die Kosten für eine Behandlung liegen bei 3.000-10.000 Euro oder mehr.

Auch die Haartransplantation setzt nur am Symptom an. In diesem Kostenrahmen können Sie zuvor viel ursächlich tun.

Haarausfall ganzheitlich behandeln

Eine nachhaltige Therapie des Haarausfalls setzt bei den Ursachen an und betrachtet den ganzen Menschen.

Grundlage für gesunde Haare ist ein gesunder Stoffwechsel. Deshalb enthält ein nachhaltiges Therapiekonzept folgende Bausteine: 

  • Überprüfung der Ernährung und ggf. Umstellung
  • Entsäuerung
  • Darmsanierung
  • Schwermetallentgiftung
  • Orthomolekulare Therapie – optimale Versorgung mit Vitalstoffen
  • Neuraltherapie
  • Bioidentische Hormontherapie

Über die Ernährung wurde schon einiges im Abschnitt „Selbsthilfe“ gesagt. Hinweise zur gesunden Ernährung und wie Sie eine Umstellung wagen können, finden Sie hier.

Entsäuerung

Ein wesentlicher Baustein der Entsäuerung ist die Ernährung. Eine gesunde, leicht basische Kost sollte zu 70 bis 80 % aus basischen Lebensmitteln bestehen. Im Internet finden sich Tabellen, welche Lebensmittel basisch und welche sauer im Körper wirken. Damit sorgen Sie dafür, dass keine neuen Schlacken im Bindegewebe abgelagert werden.

Um die vorhandene Übersäuerung abzubauen, gibt es verschiedene Kurempfehlungen. Möglich ist die Kombination von basischen Fußbädern, Basentees, basischen Mineralien (z.B. Korallenkalzium/Kalzium, Magnesium), Sport, Sauna, Massagen und Atemtechniken.

Auch Stress verursacht einen Säureüberschuss im Körper. Nutzen Sie Entspannungsmethoden und identifizieren Sie Ihre persönlichen Stressoren.

Darmsanierung

Nur ein gut funktionierender Darm kann die notwendigen Vitalstoffe aus dem Nahrungsbrei extrahieren und Schadstoffe entsorgen. Dafür sind eine gesunde Darmschleimhaut und Darmflora erforderlich. Hierzu reicht die alleinige Gabe von Darmbakterien (Probiotika) nicht aus. Es geht darum, die meist angegriffene Darmschleimhaut ausheilen zu lassen und ein Milieu zu schaffen, in dem sich gesundheitsfördernde, natürliche (physiologische) Darmbakterien wohl fühlen und sich auch nach der Behandlung weiter vermehren können. Typischerweise sind dafür Kuren von ca. 3 Monaten notwendig.

Schwermetallentgiftung

Immer wieder zeigen sich in der Praxis bei der Diagnose Haarausfall massive Schwermetallbelastungen. Am häufigsten sind Blei und Quecksilber in den Körperzellen eingelagert. Andere kritische Metalle sind Kadmium, Nickel, Platin, Palladium und Lithium.

Viele Menschen können Schwermetalle nicht ohne äußere Hilfe entgiften und lagern Schwermetalle in den Körperzellen ein. Dort können sie über Jahre und Jahrzehnte beschwerdefrei verbleiben. Bei mehr als 50 % der Bevölkerung in Europa vermutet man Schwächen im Entgiftungssystem, die die Problematik verschärfen.

Im Allgemeinen sind Schwermetalle nicht im Blut sichtbar. Erst im Schwermetall-Provokationstest sind sie im Urin nachweisbar. Zur Schwermetallausleitung benutze ich in meiner Praxis die Chelattherapie. Chelatoren (Natrium-EDTA, DMPS, DMSA) binden beim Durchfluss durch den Körper Schwermetalle an sich und werden mit diesen über den Urin ausgeschieden. 

Begleitend zur Chelattherapie werden gezielt essentielle Spurenelemente wieder zugeführt (substituiert), wenn sie ggf. während des Ausleitungsvorganges mit ausgeleitet wurden.

Orthomolekulare Therapie – optimale Versorgung mit Vitalstoffen

Die orthomolekulare Therapie geht davon aus, dass dem Körper die richtigen Mikronährstoffe zugeführt werden und er dadurch wieder die Fähigkeit zur Selbstregulation erhält. Es gibt eine Reihe von Vitalstoffen, die für gesunde Haare maßgeblich sein können.

Dazu gehören

  • Vitamine: Vitamin C und E, der Vitamin-B-Komplex incl. Niacin (Vitamin B3) und Biotin (Vitamin B7)
  • Spurenelemente wie Zink, Kupfer, Jod,  Eisen
  • Wertvolle Aminosäuren wie z.B. L-Cystein

Pantothensäure fördert die Erhaltung der Haarfarbe. Coenzym Q10 in hohen Dosen (300 mg am Tag) verbessert die Energiegewinnung in den Zellen.

Vitamin C kann gut über die Nahrung aufgenommen werden. Es findet sich reichlich in Früchten, Paprika und anderen frischen Gemüsen. B-Vitamine können über Vollkorngetreide, Käse, Eier, Fisch und Meeresfrüchte aufgenommen werden. Reicht das nicht aus, sollten sie substituiert werden.

Wichtig ist, zu Beginn der Behandlung in einer sorgfältigen Diagnose Defizite aufzudecken und den Bedarf zu ermitteln. Bestimmte - vor allem fettlösliche – Vitamine sollten nicht ohne Bedarf überdosiert werden.

Neuraltherapie

Die Neuraltherapie kommt zum Einsatz bei Funktionsstörungen der Schilddrüse oder wenn das Haar flächig ausfällt (z.B. beim kreisrunden Haarausfall). In der Neuraltherapie wird an Triggerpunkten ein Lokalanästhetikum injiziert. Der Organismus gewinnt seine Regulationsfähigkeit zurück. Es wird die Hormonachse von der Hypophyse über die Schilddrüse bis in den Unterleib hinein behandelt. Die Neuraltherapie bewirkt, dass belastende Umweltfaktoren vom Organismus eher toleriert werden (siehe auch Internationale medizinische Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke - Regulationstherapie e.V. www.ignh.de).

Bioidentische Hormontherapie

Als eine Ursache von Haarausfall wurden hormonelle Ungleichgewichte aufgezeigt. Im höheren Lebensalter lässt die Hormonproduktion sowohl bei Männern als auch bei Frauen nach.

Der Gynäkologe Dr. Rimkus hat sich sehr intensiv mit den hormonellen Vorgängen im Körper auseinander gesetzt. Er hat sichtbar gemacht, warum natürliche Hormone den Körper unterstützen können, während künstliche Hormone empfindlich den Hormonhaushalt stören.

Vor allem dann, wenn im Alter die Haare schütterer werden, kann eine Hormongabe hilfreich sein. In der bioidentischen Hormontherapie werden auf individuellem Rezept naturidentische Hormone substituiert. Dabei wird der Hormonspiegel regelmäßig kontrolliert.

In vielen Fällen wird das Haar wieder voller und kann auch die alte Farbe zurückerhalten. Solange noch ein Flaum zu sehen ist, ist die Haarwurzel noch aktiv und kann wieder aktiviert werden.

Mit diesen Therapiebausteinen gewinnen Sie nicht nur schöne und volle Haare. Sie werden es merken: Es fühlt sich auch anders an.

Noch ein Wort zur Psyche

Anders als in grauen Vorzeiten sind unsere Haare heute nicht mehr überlebenswichtig. Doch nach wie vor haben sie einen starken Symbolcharakter. Schönes Haar steht für Vitalität und Gesundheit, setzt sexuelle Signale.

Doch Schönheit definiert sich über mehr als Äußerlichkeiten. Menschen faszinieren, wenn sie Charisma zeigen, wenn sie sich begeistern, wenn sie ganz bei sich sind.

Wenn wir zur Welt kommen, sind wir ganz im Vertrauen. Über die Jahre durchlaufen wir einen „Bildungsprozess“ in Kindergarten, Schule, Lehre, verschiedenen Partnerschaften ... In jeder Beziehung zu Eltern, Lehrern, Erziehern oder auch früheren Partnern zeigen wir uns. Aus den Reaktionen bilden wir unser Selbstbild. Wir passen an, was nicht bei den anderen ankommt. Sind wir dann noch wir selbst?

Wie denken Sie über sich? Ist es wichtig, was andere über Sie sagen?

Den eigenen Wert zu erkennen und dazu zu stehen, ohne überheblich zu sein, ist eine Grundvoraussetzung für das Gelingen einer Beziehung. Je mehr Sie sich als Mensch selbst annehmen können - unabhängig von äußeren Merkmalen -, desto mehr kann auch von innen Schönheit entstehen.

Doch das Loslassen, an sich selbst zu arbeiten, das ist deutlich schwerer als ein Haarwuchsmittel aufzutragen.

Wer es schafft, ganz bei sich anzukommen, bringt sein inneres Leuchten nach außen und verändert damit auch sein Äußeres.  

In diesem Sinne ein letztes Zitat:

Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklich-sein ist der Weg.
Siddhartha Gautama
(Buddha), 560 - 480 v. Chr

Kommentare

Marco, 28.05.2016:
Vielen Dank für diesen tollen Artikel. Die Wirkung von Minoxidil kann ich nur bestätigen. [...] Am Wichtigsten ist die eigene Disziplin. Verliert man diese nach der anfänglichen Euphorie, ist der Erfolg auch wieder dahin. VG
Kommentar hinzufügen



Mailadresse dient möglichen Rückfragen durch die Redaktion.
Sie wird nicht veröffentlicht.


Wichtiger Hinweis:

Diese Inhalte dienen der Information und Orientierung. Sie können und sollen unter keinen Umständen den Besuch eines Arztes und die Konsultation medizinischer Beratung oder professioneller ärztlicher Behandlung ersetzen.
Der Inhalt von naturheilmagazin.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Im Übrigen verweisen wir auf die Geltung unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB

Krankheiten A-Z