Alternative Therapiekonzepte bei EHEC

Alternative Therapiekonzepte bei EHEC

Ebenso wie bei der Vorbeugung macht sich in der Therapie von EHEC-Infektionen eher Hilflosigkeit breit. Lesen Sie was naturheilkundliche Therapeuten zur Behandlung von Magen-Darm-Infektionen und EHEC empfehlen.

Ebenso wie bei der Vorbeugung macht sich in der Therapie von EHEC-Infektionen eher Hilflosigkeit breit. Wie die Ärztezeitung berichtet, versuchen die Ärzte nun eher durch frühzeitige Antibiotikagabe die EHEC-Erreger abzutöten. Und das obwohl normalerweise Antibiotika bei EHEC als kontraindiziert gelten, das sie die Ausschüttung eines Giftes der EHEC-Keime (Shigatoxin 2) fördern.

Hinzu kommt, dass es sich bei dem aktiven EHEC-Keim um eine bisher unbekannten "super-toxischen" Keim handelt, der etliche Gene für Antiobiotikaresistenzen trägt (s. Bericht in der Ärztezeitung vom 2.6.2011).

Weitere schulmedizinische Ansätze sind der Austausch von Plasma und die Behandlung mit Antikörpern. Doch auch hierbei gibt es viele Fragezeichen (s. Ärztezeitung vom 10.6.11).

Wir haben naturheilkundlich orientierte Ärzte und Heilpraktiker gefragt, welche Therapien sie bei Durchfall und EHEC empfehlen. Beachten Sie bitte, dass die Selbstmedikation Grenzen hat. Einen fachkundigen - im Idealfall ganzheitlich arbeitendem - Arzt oder Heilpraktiker sollten Sie aufsuchen, wenn

  • Sie unter starkem Durchfall mit heftigem Erbrechen leiden,
  • Sie blutigen Durchfall haben,
  • hohes Fieber hinzu kommt,
  • der Durchfall länger anhält,
  • Sie sich immer schlechter fühlen,
  • Kleinkinder oder gesundheitlich angeschlagenen Menschen durch den Durchfall geschwächt werden. 

Probiotika bei Durchfall/EHEC

Für die meisten naturheilkundlich orientierten Therapeuten ist der Darm der Dreh- und Angelpunkt des Geschehens. Hier tummeln sich nicht nur EHEC-Keime. Ein gesunder Darm beheimatet 400-500 verschiedene Bakterienarten. Die meisten von ihnen leben mit uns in symbiotischer, d.h. für beide Partner nutzbringender Gemeinschaft. Unsere Darmbakterien helfen uns bei der Verdauung, bilden wertvolle Vitamine, gestalten maßgeblich unser Darmmilieu und tragen wesentlich zur Abwehr von Krankheitserregern bei. Stören Antibiotika, Konservierungsstoffe usw. dieses Gleichgewicht, leidet unsere Abwehr. Entsprechend empfehlen die meisten der von uns befragten ganzheitlich denkenden Therapeuten probiotische Präparate zur Stärkung der Darmflora.

Dr. Rainer Schmidt und Dr. Michael Schreiber empfehlen im Namen des AMT, des Arbeitskreis für Mikrobiologische Therapie, der Fachgesellschaft für mikrobiologische Therapie, sowie der Arbeitsgemeinschaft für Mikrobiologische Therapie Probiotika zur Vorbeugung und im Fall einer EHEC-Infektion:  "Eine Stärkung unserer inneren Grenzflächen mit Hilfe von probiotischen Präparaten ist in der Lage, unser Immunsystem und unseren Umgang mit externen Belastungen – wie dem EHEC-Bakterium – zu stabilisieren und zu stärken. Gerade durch eine solche Prävention gepaart mit einer gesunden Lebensführung können wir der vielfältigen Panikmache ruhig in die Augen sehen.

Auch im Falle einer bereits eingetretenen Infektion setzen wir gesunde E. coli-Bakterien ein, ggfs. in Kombination mit dem Aufbau der Schutz Flora, d.h. Laktobazillen und Bifidobakterien,  z.B. mit  SymbioLact  zum Aufbau der Schutzschichten an gesunden Bakterien, zur Milieustabilisierung und zur Schleimhaut-Ernährung etc..  Zusätzlich kann  Heilerde zur Bindung von Endotoxinen eingesetzt werden.

Die üblichen Dosierungen in den verschiedenen Altersgruppen bleiben bestehen. (Siehe dazu  auch die Startseite www.AMT-Herborn.de)"

Auch der Arzt für Naturheilverfahren Peter-Hansen Volkmann empfiehlt Probiotika bei Durchfall, dem in der Regel ersten auffälligen Symptom bei EHEC-Infektionen: "Nach jedem Durchfall bzw. nach jedem Erbrechen sollte man den Inhalt einer Kapsel 3-Symbiose plus (hypo-A) ca. 2 Minuten lang kauen und in kleinen Schlucken herunterschlucken. Nach langjährigen Praxiserfahrung können Kleinkinder bis zu 6-8 Kapseln und Erwachsene 10-12 Kapseln pro Tag nehmen.
Normale Durchfälle kurieren unter dieser Behandlung innerhalb von 8-24 Stunden aus. Darmkrämpfe lassen oft schon beim Kauen der ersten Kapsel nach."

Milchsäure, Sauerkraut & Co. bei Durchfall/EHEC

Um die Stabilisierung des Darmmilieus geht es auch bei der Empfehlung von Dr. Mutter: "Falls Sie Durchfall bekommen, empfiehlt es sich, rechtsdrehende Milchsäure einzunehmen (die gelangt nämlich unresorbiert in den Darm). Auch rohes Sauerkraut, sowie die Gabe von Chia-Samen, Flohsamen und Heilerde können die Bakterien und die Bakteriengifte wirksam binden. Manchmal kann zusätzlich der Einsatz von Glutamin, viel Knoblauch (Schnittlauch oder Bärlauch) und roher Weißkohl empfehlenswert sein. Viele Wildkräuterarten entfalten eine heilende und antibakterielle Wirkung. 

Giftsstoffe binden bei Durchfall/EHEC

Auch die Heilpraktikerin Lapp-Schreiber hält die Bindung der Giftstoffe bei EHEC-Infektionen für wichtig. Sie schreibt dazu: "Eines der größten Probleme bei EHEC und anderen Erregern des Magen-Darm-Traktes sind die Toxine, die wiederum zu Symptomen und Folgeerkrankungen wie HUS führen. Eine sichere Bindung dieser Toxine ist aus meiner Praxiserfahrung durch die Gabe von Toxaprevent (Fa. Froximun) möglich. Dieses Mittel aus der Zeolith-Familie ist als Schwamm für die Toxine, Histamine, Ammonium u.a. zu sehen und verhindert, dass die Keime weiter um sich greifen. Toxaprevent gibt es als Stick oder Kapsel. Im Akutfall löst man 3-mal täglich einen Stick in Wasser und trinkt dieses oder man nimmt 3-mal täglich 3 Kapseln. Die Dosis kann im Bedarfsfall individuell verändert werden. Die Erfahrung zeigt, dass das Immunsystem wunderbar seine Arbeit tun kann, wenn wir die Ursachen binden und den Körper so unterstützen. Dadurch kann wieder eine intakte  Darmflora aufgebaut werden. Das ist sicherlich nicht nur im Fall einer Erkrankung sehr sinnvoll ."

Der Arzt Peter-Hansen Volkmann äußert dagegen Bedenken bei der Anwendung von Zeolithen. Volkmann: "Zu Zeolithen habe ich eine eher kritische Einstellung, weil sie in der Regel Aluminiumsalze enthalten - und Aluminium steht im Verdacht, Alzheimer mit auszulösen."

Bei Durchfall empfiehlt Sascha Kedor 2-mal täglich 2 Teelöffel Betonit Pulver in viel Wasser nüchter zu nehmen. Aufgabe der Mineralerde ist es vor allem, Schadstoffe im Darm zu binden. Alternativ empfiehlt er Activomin Kapseln. Diese enthalten natürliche Huminsäuren. Außerdem habe sich bei Durchfall die Rizol-Therapie nach Dr. Steidl bestens bewährt. Dabei sollte der Patient von einem in der Rizol-Therapie erfahrenen Therapeuten angeleitet und begleitet werden.

Ausscheidung fördern und Toxine ausleiten bei EHEC

Peter-Hansen Volkmann weist darauf hin, dass nicht nur EHEC, sondern auch andere Darmbakterien Toxine (Giftstoffe) bilden und freisetzen. Entsprechend wichtig ist es, die Entgiftung über Leber, Nieren und Darm zu stärken. Eine ausreichende Ausleitung von Schadstoffen kann weit über EHEC-Infektionen hinaus die allgemeine Gesunderhaltung fördern.

Phytotherapie bei EHEC

Der Heilpraktiker und Heilpflanzen-Spezialist Dieter Berweiler ergänzt dazu: "Phytotherapeutisch sollte man begleitend zu den Probiotika und Zink den Darm und die Darmwand beruhigen. Empfehlenswert sind Pflanzen wie Blutwurz, Meisterwurz, Angelika, Tobinambur als Tee oder noch viel besser als alkoholischen Auszug. Es gibt eine Mischung von Darm pflegenden Pflanzen namens "Darmpflege" (Calendula Kräutergarten). Davon nehmen Erwachsene 6- bis 10-mal täglich 5 bis 8 Tropfen. Bei abklingender Symptomatik reduziert man auf 3-mal täglich 5 Tropfen. Möchte man zusätzlich noch die Leber und Bauchspeicheldrüsenfunktion stärken, empfiehlt sich der "Äufräumer" (Calendula Kräutergarten). Davon nehmen Erwachsene 6-mal täglich 5 Tropfen. Nach der Akutphase wird die Dosierung auf 3-mal täglich 5 Tropfen reduzieert. Beide Kräuterauszüge werden direkt auf die Zunge gegeben."

Möhrensuppe nach Moro bei Durchfall/EHEC

Wie die Ärztezeitung in ihrer Onlineversion berichtet, kann nach Ansicht von Prof. Guggenbichler auch die Möhrensuppe nach Moro bei EHEC helfen. Sie sollte gleich mit Beginn des blutigen Durchfalls mehrmals täglich über einige Tage zugeführt werden. Das Rezept:

  • 500 g Möhren + 1 Liter Wasser eine Stunde kochen lassen
  • durch ein Sieb drücken oder pürieren
  • mit gekochtem Wasser auf einen Liter auffüllen
  • Salz dazu geben.

Das Geheimnis der Suppe gegen EHEC und andere Durchfallerkrankungen: Beim Kochen entstehen sogenannte Oligogalakturonide, die Bindungsstellen an der Darmschleimhaut ähneln und sich an die krank machenden Darmbakterien binden.

Elektrolytausgleich bei Durchfall/EHEC

Dr. Mutter weist auf den gefährlichen Elektrolytverlust bei starken Durchfällen hin: "Bei Durchfall dürfen nie morphinartige Substanzen gegeben werden (z.B. Immodium). Diese lähmen den Darm und es kommt zu einer vermehrten Giftproduktion im Darm. Besser wäre es, Elektrolyte zu geben, vor allem Kalium, Magnesium und Calcium. Dem durchschnittlichen Deutschen mangelt es auch ohne Durchfall daran."

Nosoden bei EHEC

Der Arzt Wilhelm Schmitz sieht in Nosoden eine mögliche Therapieoption bei EHEC. Da genügend Material des Erregers vorhanden zu sein scheine, müsse es möglich sein, durch homöopathische Aufbereitung Nosoden herzustellen. Mit deren Unterstützung könne dann das Immunsystem gezielt gegen die EHEC-Keime vorgehen. Wie das mit den Toxinen sei, entziehe sich dagegen seiner Kenntnis.

ergänzt und kommentiert von:
Dieter Berweiler, aus Stuttgart-Mühlhausen
Dipl. phil. Sascha Kedor, aus Waltershausen
Andrea Lapp-Schreiber, aus Wetzlar
Peter-Hansen Volkmann, aus Lübeck
Dr. med. Joachim Mutter, aus Konstanz
Dr. med. Michael Schreiber, aus Aystetten bei Augsburg

Online-Redaktion Naturheilmagazin
Stand 09.06.2011

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