Niedriger Blutdruck (Hypotonie) - eine Krankheit?

Niedriger Blutdruck

Hohen Blutdruck bemerken Sie nicht und er kann durchaus gefährlich sein. Niedrigen Blutdruck merken Sie und können mit ihm alt werden. Wie die Naturheilkunde mit niedrigem Blutdruck umgeht, finden Sie in diesem Artikel.

Einführung

Niedriger Blutdruck gilt eigentlich als eine Befindlichkeitsstörung, nicht als Erkrankung. Die Betroffenen empfinden die Störung aber als durchaus belastend.

Niedriger Blutdruck ist nicht gefährlich, im Gegenteil, Menschen, die sich mit niedrigem Blutdruck plagen, leben im Allgemeinen länger weil ihre Gefäße nicht so stark belastet werden.

Was ist Blutdruck und wie entsteht er?

Blutdruck zu hoch oder zu niedrig – gemeint ist der arterielle Blutdruck, das heißt der Druck in den Schlagadern. Mit jedem Schlag Ihres Herzens pumpt es Blut in Ihre Gefäße. Das strömende Blut übt Druck auf die Arterie aus und die Gefäße dehnen sich. Fließt das Blut weiter, fällt der Druck ab und die Gefäße ziehen sich wieder zusammen. Daher unterscheidet man zwei Blutdruckwerte:

  • Den systolischen Wert, der beim Zusammenziehen des Herzens entsteht. Das Blut wird zunächst in die Hauptschlagader (Aorta) gedrückt. Die Druckwelle breitet sich über die Gefäßwände der Arterien aus bis in die Peripherie – sowie
  • Den diastolischen Wert, der in der Dehnung des Herzmuskels entsteht. Das Herz füllt sich dabei erneut mit Blut. Es fließt kein neues Blut in die Gefäße nach. Der Druck in den Gefäßen fällt ab und ist folglich niedriger als der systolische Wert.

Die Werte für den Blutdruck werden in mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) angegeben.

Die WHO hat Normwerte für den Blutdruck angegeben. Diese liegen bei 120/ 80 mmHg. Liegen die Werte unter 110/100 zu 60, spricht man von Hypotonie. Das Blut erreicht das Gefäßsystem mit zu geringem Druck.

Blutdruckmessung

In der Praxis benutzt Ihr Arzt oder Therapeut ein mit Gummimanschette und Manometer ausgestattetes Blutdruckmessgerät. Die Manschette wird am Oberarm aufgeblasen und dabei die Arterie abgedrückt. Der zu diesem Zeitpunkt gemessene Wert ist der diastolische Wert. Jetzt wird die Luft langsam abgelassen. In der Ellenbeuge kann der Therapeut beim langsamen Ablassen mit dem  Stethoskop Verwirbelungsgeräusche der Arterie hören, die durch die Kompression entstehen. Wenn das Blut wieder geräuschlos durch die Arterie fließt, wird der diastolische Wert abgelesen.

Wollen Sie zu Hause messen, erwerben Sie im Fachhandel ein elektronisches Gerät – nach Möglichkeit ein Messgerät für den Oberarm. Weil der Blutdruck am Handgelenk meist niedriger ist, misst das Gerät am Oberarm präziser.

Tipp: Vergleichen Sie bei Ihrem nächsten Praxisbesuch direkt vor Ort den Messwert mit Ihrem Gerät und zeitgleich eine Messung mit dem geeichten Gerät Ihres Therapeuten. So haben Sie einen Vergleichswert für die Genauigkeit Ihres Gerätes.

Der Blutdruck eines Menschen schwankt im Tagesverlauf beständig. Er passt sich dynamisch den wechselnden Anforderungen Ihres Alltages an. Deshalb ist eine einzelne zu niedrig ausfallende Messung wenig aussagekräftig. Ein genaues Bild zeigt eine 24h Messung.

Für eine realistische Messung zu Hause, beachten Sie bitte:

  • Kommen Sie zur Ruhe, vermeiden Sie jede Anstrengung oder Aufregung über mindestens 3-5 Minuten.
  • Der Blutdruck an den beiden Armen kann unterschiedlich sein. Zu Beginn sollten Sie deshalb an beiden Armen messen. Später müssen Sie immer dort, wo der Blutdruck niedriger ausfällt.
  • Legen Sie Ihren Arm auf eine Unterlage und messen Sie in Höhe des Herzens.

Tipp: Können Sie nur einmal am Tag messen, gilt der Fokus dem Blutdruckwert unmittelbar nach dem Aufwachen. Sorgen Sie am Vorabend vor und legen Sie Ihr Gerät neben das Bett – so, dass Sie es am Morgen erreichen ohne aufzustehen. Lassen Sie nach Möglichkeit den Wecker aus und wachen Sie in Ihrem Rhythmus auf – oder wie entspannt sind sie nach einem Weckerklingeln?  Sobald Sie wach sind, messen Sie.

Beim Arzt wird noch der Stehtest nach Schellong und die Kipptisch-Untersuchung angeboten um eine Hypotonie nachzuweisen.

Symptome

Die typischen Symptome der Hypotonie werden verursacht, weil das Gehirn nicht genügend durchblutet wird. Symptome können sein: Sehstörungen, Schwindel, pulsierende Kopfschmerzen, Ohrensausen oder Bewusstseinsstörungen.

Die Symptome treten auf vor allem beim Aufstehen oder bei langem Sitzen oder Stehen.

Prophylaxe und Selbsthilfe

Man kann schon mit einfachen Mitteln seinen Kreislauf gut selbst in Schwung bringen. Sie müssen nur beginnen.

Bei akutem Schwindel legen Sie sich hin und lagern die Beine hoch.

Andere Maßnahmen für eine bessere Lebensqualität:

  • Das Tragen von Kompressionsstrümpfen – o.k. nicht wirklich Lebensqualität
  • Viel Bewegung, das bringt den Kreislauf in Gang
  • Reichlich Trinken 2-3 l pro Tag
  • Ab und an gönnen Sie sich eine Tasse Tee oder Kaffee
  • Beim Aufstehen Zeit lassen und vorher noch im Bett etwas Saft trinken
  • Saunieren Sie
  • Kneippsche Anwendungen: kalte Armbäder, Kniegüsse oder Wechselduschen

Heilmittel gegen niedrigen Blutdruck aus der Naturheilkunde

  • Phytotherapie: Rosmarin und Weißdorn oder Kampfer sowie Besenginster oder Ginseng
  • Homöopathische Behandlung mit Pulsatilla, nux vomica, Veratum album, Acisum phosphoricum und Coffea
  • Schröpfen
  • Akupunktur
  • Aromatherapie mit Pfefferminzöl

Literatur

  • M. Augustin, Volker Schmiedel: Leitfaden Naturheilkunde, Urban&Fischer, München, 2012
  • H. Schilcher u.A.: Leitfaden Phytotherapie, Urban&Fischer, München, 2010
ergänzt und kommentiert von:
Kriemhilt Waldenmaier, aus Hemmingen

Online-Redaktion

Kommentare

Online-Redaktion, 03.03.2016:
Sehr geehrte Frau H.,
wie Sie richtig bemerken, kann ein starker nächtlicher Abfall des Blutdrucks bei einem Glaukom ungünstig sein. Entscheidend ist hier aber mehr die zu starke Nachtabsenkung und weniger die Hypotonie an sich.
Ihre Online-Redaktion
Frau H. aus hamburg, 15.02.2016:
guten Tag,
ich möchte darauf hinweisen, daß es eine erkrankung gibt, für die niedriger blutdruck eine gefahr darstellt: das normaldruckglaukom. vor allem ein niedriger diastolischer wert kann sich schädlich auf die durchblutunug des sehnerven auswirken.besonders nachts, wenn der druck im auge sich erhöht und der blutdsruck noch weiter abfällt können so schäden entstehen. ich halte es für wichtig, daß auch darauf hingewiesen wird.übrogesn sind leider die kalten kneipp-anwendungen gerade schlecht für glaukompatienten, da sich dabei auch die gefäße im kopf zusammenzeihen und wiederum die durchblutung verschlechtern.
(nachzulesen bei prof. ilse strempel. )

vielleicht könnten sie diese info aufnehmen und so eingien menschen helfen.
vielen dank!
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