Niedriger Blutdruck

Während Menschen mit dem durchaus gefährlichen Bluthochdruck diesen oft nicht einmal bemerken, ist der niedrige Blutdruck zwar selten bedrohlich, aber für die Betroffenen durchaus lästig. Sie leiden bei niedrigem Blutdruck mitunter unter Schwindel, Ohrensausen, Kopfschmerzen und Schwarzwerden vor den Augen. 

Autor/en dieses Beitrages:

Margret Rupprecht

Fachliche Prüfung und Ergänzung durch:
Kriemhilt Waldenmaier, Therapeut/in aus Hemmingen
bio-apo Naturheilmittel

Niedriger Blutdruck (Hypotonie) - eine Krankheit?

Einführung

Einführung

In Deutschland leiden etwa 2,5 Millionen Menschen an einer Krankheit, die eigentlich keine Krankheit ist, sondern eher ein Komplex von Befindlichkeitsstörungen.

Nur in deutschen Medizinbüchern werden die Symptome des niedrigen Blutdrucks als „Erkrankung" behandelt.

Im angelsächsischen Sprachraum, wo man die Hypotonie weit weniger ernst nimmt, spricht man deshalb von der „german disease", der „deutschen Krankheit". Immerhin: Die Krankenkassen wissen zu berichten, dass die Behandlung der mit Blutniederdruck bedingten Beschwerden jährlich etwa 1,8 Milliarden Euro kostet.

Niedriger Blutdruck ist zwar nicht gefährlich, seine Beschwerden können Allgemeinbefinden und Leistungsfähigkeit jedoch stark einschränken

oder wie der Volksmund sagt: „Mit niedrigem Blutdruck lebt sich´s schlecht, mit hohem Blutdruck stirbt sich´s gut."

Ein kleiner Trost für Betroffene: Menschen, die unter Hypotonie leiden, haben in der Regel eine höhere Lebenserwartung, weil ihre Blutgefäße weniger gestresst werden. Außerdem: Wenige „Krankheiten" lassen sich so gut und nachhaltig behandeln wie der Symptomenkomplex Hypotonie.

Blutdruckmessung

Blutdruckmessung

Von Hypotonie spricht man, wenn bei mehreren Blutdruckmessungen der systolische (obere) Blutdruckwert des Mannes unter 110 mmHg, der Frau unter 100 mmHg und der diastolische (untere) Blutdruckwert unter 60 mmHg liegt.

Den Druck des Blutes gegen die Arterienwände misst der Arzt oder Heilpraktiker mit Hilfe eines Messgerätes nach Riva/Rocci (RR), das aus einer aufblasbaren Gummimanschette besteht, die an ein Manometer angeschlossen ist. Der obere, sog. systolische Wert misst die Höhe des Blutdrucks, wenn das Herz sich zusammenzieht und Blut in die Gefäße pumpt. Er gibt damit den Druck während der aktiven Phase der Herzens an (griech.: systolé – das Zusammenziehen). Der untere, sog. diastolische Wert gibt den Blutdruckwert für die Phase an, in der das Herz mit Blut gefüllt wird und seine Wandmuskulatur erschlafft ist (griech.: diastolé – das Auseinanderziehen, Ausdehnen).

Als normal gilt ein Blutdruck von systolisch 120 mmHg zu 80 mmHg.

Liegt er bei Werten unter 110/100 zu 60, wird das Blut vom Herzen nicht in ausreichender Menge und mit zu geringem Druck in das arterielle Gefäßsystem gepumpt. Man spricht von Hypotonie. Der medizinische Fachbegriff leitet sich von den griechischen Worten hypo – unter und tonós – Spannung ab und bedeutet frei übersetzt Spannungsmangel. Die fehlende Spannung ist dabei nicht nur im Gefäßsystem zu finden, sondern lässt sich auch auf der seelischen Ebene beobachten:

Die Betroffenen sind häufig antriebsschwach und neigen zu depressiven Verstimmungen.

Methoden der Diagnosestellung

Methoden der Diagnosestellung

Bei Verdacht auf niedrigen Blutdruck reicht eine einzige Messung nach RR nicht aus, um die Diagnose sicherzustellen. Im Tagesverlauf ist der Blutdruck ständigen Schwankungen ausgesetzt, die tageszeit- und belastungsabhängig sind. Daher müssen zur Absicherung der Diagnose mehrere Messungen über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden.

Fallen die Werte stets niedriger als 110 (Mann)/ 100 (Frau) zu 60 mmHg aus, kann mit großer Sicherheit von einer Hypotonie ausgegangen werden.

Um die Diagnose zu erhärten, kann der Behandler zwei weitere Tests durchführen: Den Stehtest nach Schellong und die Kipptisch-Untersuchung.

Stehtest nach Schellong

Der Schellong-Test gilt als wichtigster Suchtest für die Erkennung und Differenzierung von funktionellen Kreislaufstörungen.
Der Patient legt sich mindestens 10 – 15 Minuten auf eine Liege. Fällt anschließend nach dem Aufstehen der obere Blutdruckwert innerhalb von 10 Minuten um 15 – 20 mmHg ab, gilt der niedrige Blutdruck als nachgewiesen. Wenn der Pulsschlag dabei um mehr als 20 – 25 Schläge pro Minute zunimmt, spricht man von einer Hypotonie mit starker sympathikotoner Gegenregulation. Nehmen die Pulsschläge pro Minute nicht oder nur leicht zu, handelt es sich um einen niedrigen Blutdruck ohne oder nur mit geringer sympathikotoner Gegenregulation.

Kipptisch-Untersuchung

Die Kipptisch-Untersuchung ist dem Schellong-Test an Empfindlichkeit, Genauigkeit und Reproduzierbarkeit überlegen, erfordert aber einen größeren Zeitaufwand.
Der Patient wird auf einem kippbaren Tisch mit Standbrett festgebunden. Man misst Pulsfrequenz und Blutdruck.
Nach einer 10 minütigen Ruhephase wird der Tisch für 45 bis 60 Minuten auf 60 – 70° gekippt. Die Hypotonie gilt als nachgewiesen, wenn die typischen Niederdruckbeschwerden auftreten und mit einem Abfall des oberen Blutdruckwertes verbunden sind.

Symptome

Symptome

Die klassischen Beschwerden einer Hypotonie gehen auf die Minderdurchblutung des Gehirns zurück und lassen sich als typische „Kopfsymptome" bezeichnen:

Im Vordergrund stehen Sehstörungen.

Den Betroffenen wird „schwarz vor Augen". Sie klagen über Schwindel, pulsierende Kopfschmerzen, Ohrensausen und Bewusstseinsstörungen, die von Benommenheitsgefühlen bis hin zur Ohnmacht gehen können.

Die Schwächezustände aktivieren den Nervus sympathicus, der daraufhin eine sofortige Gegenregulation einleitet: Adrenalin wird ausgeschüttet und der Herzschlag beschleunigt sich, um den Blutmangel auszugleichen und das Gefäßsystem wieder ausreichend mit Blut zu versorgen.

Auch Frösteln, Schweißausbrüche und leichte Panikgefühle gehen auf die Gegenregulation durch den Sympathikus zurück.

Die Betroffenen merken ihre Beschwerden vor allem beim Aufstehen oder bei langem Sitzen und Stehen. Auch der Wechsel von kalten in warme Räume kann die Symptomatik auslösen.

Menschen mit niedrigem Blutdruck leiden häufig unter einer Anlaufschwäche am Morgen, ferner unter Konzentrationsstörungen, Leistungsschwäche, Tagesschläfrigkeit, Lust- und Freudlosigkeit, erhöhter Rückzugstendenz und einem vermehrten Schlafbedürfnis. Typisch sind ferner die Neigung zum Frieren, Blässe des Gesichts sowie chronisch kalte Hände und Füße.

Der „chronische Kaltfuß" bei Frauen ist nahezu sprichwörtlich, was nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass Frauen statistisch gesehen, sechs Mal häufiger von niedrigem Blutdruck betroffen sind als Männer. Das gilt besonders für junge und schlanke Frauen. Bei ihnen ist niedriger Blutdruck konstitutionell bedingt und liegt in ihrer körperlichen Beschaffenheit begründet. Fülligere Personen leiden in der Regel seltener unter Hypotonie.

Wenn Kinder und Jugendliche sehr schnell wachsen, kommt ihr Herz-Kreislauf-System oft nicht mit. Niedriger Blutdruck findet sich deshalb auch bei ihnen überdurchschnittlich häufig.

Eine unkomplizierte Hypotonie ist ein typisches Beschwerdebild des jungen Menschen. Zur Lebensmitte hin wachsen sich die Symptome meist aus.

Prophylaxe und Selbsthilfe

Prophylaxe und Selbsthilfe

Was der Betroffene bei niedrigem Blutdruck selbst tun kann

Wie eingangs schon erwähnt, möchten wir nicht wirklich von einem Krankheitsbild sprechen, sondern eher darauf hinweisen, dass man den niedrigen Blutdruck mit kreislauffördernden Maßnahmen und naturheilkundliche Therapieformen gut begegnen kann.

Für die Selbstbehandlung zuhause gibt es eine geradezu unüberschaubare Fülle an Möglichkeiten. Allerdings gilt auch hier: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

Eine erfolgreiche Behandlung des niedrigen Blutdrucks gelingt nur, wenn die Maßnahmen regelmäßig angewendet werden.

Es braucht ein gewisses Maß an Disziplin, um müde Menschen wieder munter zu machen. Aus der Vielzahl der zur Verfügung stehenden Anwendungen sucht man sich am besten diejenigen heraus, die nicht nur kreislaufaktivierend wirken, sondern auch Spaß machen. Dann fällt die Disziplin umso leichter. Einige Beispiele:

Bei akutem Schwindel mit Ohnmachtsneigung: Hinlegen und Beine hochlagern! Diese sog. „Autotransfusion" erleichtert den Rückfluss des Blutes aus den Beinen in den Körperstamm und Richtung Gehirn, so dass dieses wieder genügend Sauerstoff bekommt. Wenn man unter Venenbeschwerden leidet, tendiert das Blut dazu, in den Beinen zu „versacken". Dies kann die Symptome des Niederdrucks verstärken.

  • Das Tragen von Kompressionsstrümpfen unterstützt den Blutrückfluss zum Herzen und zum Gehirn.
  • Durch Bewegung lässt sich die Waden-Muskelpumpe aktivieren. Dies lässt sich durch Wippen auf den Fußballen anregen.
  • Trinken Sie reichlich! Mit Wasser lässt sich das Blutvolumen und damit der Blutdruck in kürzester Zeit anheben.
  • Auch ein Tässchen Kaffee oder schwarzer Tee sind gute Mittel gegen kleine „Durchhänger": Ihre Wirkung hält etwa 1 – 3 Stunden an. Grüner Tee wirkt noch nachhaltiger und kann den Blutdruck über Stunden leicht anheben.
  • „Gehen statt stehen!" heißt das Motto für den Hypotoniker: Lieber schwungvoll die Treppe hoch laufen und dafür Fahrstuhl und Rolltreppe meiden.
  • „Mensch, beweg Dich!" Dieser Buchtitel eines prominenten Sportarztes bringt es auf den Punkt: Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen, Walking und Radfahren sind ideal geeignet, das generelle Niveau des Blutdrucks nahhaltig anzuheben.
  • Als Faustregel gelten:
    2 x täglich 10 bis 20 Minuten Gymnastik und/oder
    1 x täglich 1 Stunde zügiges Wandern und/oder
    1 x täglich 30 Minuten Joggen und/oder
    1 x täglich 15 – 20 km Radfahren
  • Lassen Sie sich beim morgendlichen Aufstehen etwas Zeit. Wenn Ihnen nach dem Aufstehen schwindelig wird, schlafen Sie nachts mit leicht erhöhtem Oberkörper.
  • Das Trinken von einem Glas Fruchtsaft vor dem Aufstehen wirkt ebenfalls Wunder.
  • Gehen Sie regelmäßig in die Sauna! Der Wechsel von warm und kalt trainiert den Kreislauf.
    Hypotoniker sollten sich jedoch langsam an die Saunahitze gewöhnen. Beginnen Sie mit kurzen Schwitzphasen auf der untersten Ebene und bleiben Sie bei den ersten Saunagängen nur kurz unter der kalten Dusche.
  • Wechselduschen sind ein altes Hausmittel bei Kreislaufschwäche: Duschen Sie abwechselnd heiß und kalt, wobei Sie mit kalt aufhören sollten.
  • Bürstenmassagen (zum Herzen hin!) wirken ebenfalls sehr kreislaufanregend.
  • Kalte Armbäder kann man auch im Büro durchführen: Füllen Sie ein Waschbecken mit möglichst kaltem Wasser und tauchen Sie die Unterarme etwa 5 Minuten lang ein. Anschließend noch ein wenig herumlaufen und die feuchten Arme weit schwingen.
  • Kniegüsse sind ebenfalls sehr effektiv: Man duscht die Beine von den Zehen beginnend bis über das Knie mit kaltem Wasser. Die Anwendung erleichtert auch das Einschlafen und wirkt Venenbeschwerden entgegen. Bei allen Kaltwasseranwendungen sollte man darauf achten, sie nur am warmen Körper durchzuführen.
  • Vermeiden Sie Übermüdung und Überlastung. Hypotoniker brauchen ein gutes Stressmanagement, um Belastungssituationen besser zu überstehen. Sorgen Sie für ausreichende Entspannungsfreiräume im Alltag.

Naturheilkunde

Naturheilkunde

Heilmittel gegen niedrigem Blutdruck aus der Naturheilkunde

Pflanzliche Heilmittel besitzen eine sanft regulierende Wirkung auf das Herz-Kreislauf-Zentrum.

Bewährt haben sich

  • Zubereitungen aus Rosmarin oder Weißdorn (Crataegus), z. B. die Rosmarinus- oder Crataegus-Urtinktur. Rosmarin eignet sich nicht nur in Form von Tee oder Urtinktur, sondern wirkt auch als Badezusatz kreislaufaktivierend. Rosmarinbäder führt man ebenfalls nur morgens durch, da sie am Abend das Einschlafen erschweren können.
  • Auch Kampfer wirkt kreislaufaktivierend.
  • Man sollte die drei Pflanzen allerdings nur morgens und mittags einnehmen, da sie munter machen und – am Abend eingenommen – zu Einschlafproblemen führen können. Laut Heilpraktikerin Fr. Waldenmaier hat sich bei Kreislaufproblemen auch Besenginster und Ginseng bei Erschöpfung bewährt.

Was der Therapeut bei niedrigem Blutdruck tun kann

Für die homöopathische Behandlung der Hypotonie werden häufig Pulsatilla, Nux vomica, Veratrum album, Acidum phosphoricum und Coffea eingesetzt.

  • Bei den leichten Panikzuständen infolge der sympathikotonen Gegenregulation haben sich - die Rescue-Tropfen der Bachblütentherapie als hilfreich erwiesen.

Die Heilpraktikerin Fr. Waldenmaier empfielt:

Schröpfen

  • Bei Personen, die noch zusätzlich unter großen Müdigkeit leiden und sich sehr schwach fühlen, würde ich eine Schröpfbehandlung empfehlen. Hier werden die Schröpfköpfe links und rechts der Wirbelsäule, (entsprechend dem Blasenmeridian mit seinen Zustimmungspunkten) aufgesetzt. Auch eine Schröpfkopfmassage in diesem Bereich kann sehr positiv sein. Diese Behandlung sollte einmal wöchentlich erfolgen.

Baunscheidtieren

  • Lesen Sie auch hier im Portal: Hautreizverfahren - Baunscheidtieren. Schröpfen.

  • Wenn durch das Schröpfen nichts erreicht worden ist, käme auch eine Baunscheidt-Behandlung infrage, auch links und rechts der Wirbelsäule. Durch die starke Tonisierung (Anregung) kommt es zu einer Beeinflussung der inneren Organe.

Akupunktur

Lesen Sie hierzu auch: Lehre der Meridiane.

  • Nach Auffassung der TCM liegt bei der Hypotonie eine Leere des Blutes und des Qi vor. Auf den Kreislauf wirken im Allgemeinen der Herz- und der Perikard-Meridian. Aber es kann auch ein Nieren-Qi-Mangel vorliegen oder eine Mangelernährung, die zu einem Milz- Qi- Mangel führen. Bei Leere- und/oder Mangelzuständen kann man mit einer Moxa- oder Schröpfbehandlung Energie zuführen.
  • Bei einem Kollaps-Zustand oder bei Schwindelanfällen kann man den Du (LG)26, den Punkt unter der Nase
    Ni 1 den Punkt unterm Fuß, Pe 6 2 Cun = 2 Daumenbreite auf der Innenseite des Armes in der Mitte über
    der Handgelenksfalte, zwischen zwei Sehnen, stark massieren. Am besten, wenn nichts anderes zur Hand, mit dem Daumennagel.
  • Man kann auch den Mittelfinger (Endpunkt des Perikard-Meridians) und den kleinen Finger (Endpunkt des Herz-Meridians) stark massieren und so versuchen, die Herztätigkeit anzuregen. Weitere wichtige Punkte bei der Hypotonie sind
    Mi 6, Ma 36, Ni 3, Ren (KG) 12

Aromatherapie

  • Pfefferminzöl regt die Kreislauffunktion an. Einen Tropfen davon in ein Taschentuch geben und einatmen.

Ernährungstipps

Ernährungstipps

Viele Niederdruckpatienten weisen ein eher geringes Körpergewicht auf und leiden häufig unter Vitaminmangel. Dies kann die Hypotonie begünstigen.

Als Grundlage der Ernährung sind kräftigende, naturbelassene Nahrungsmittel empfehlenswert

z. B. Kartoffeln, Gemüse und Vollkornbrot, die neben ausreichend Kohlenhydraten wichtige Lieferanten von Vitaminen und Mineralstoffen sind. Zusammen mit Milch- und Sojaprodukten decken sie auch den Eiweißbedarf des Körpers. Eine gute Ergänzung sind Fisch und mehrfach gesättigte Fettsäuren aus kaltgepreßten pflanzlichen Ölen.

Opulente Speisen sollte man nach Möglichkeit vermeiden, da sie das Blut in den Bauch (und damit aus dem Kopf!) ziehen, müde machen und die Beschwerden verstärken.

Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt sind besser als wenige große.

Eine gleichmäßige Versorgung mit Kalorien sorgt für eine Konstanthaltung des Blutzuckerspiegels und beugt seinem Absinken vor. Wichtig ist ein ordentliches erstes und zweites Frühstück, um die häufig auftretende vormittägliche „Kreislaufschwäche" durch Unterzucker zu vermeiden.

Dazu Fr. Waldenmaier: „Bei einer starken Hypotonie empfehle ich meinen Patienten öfter ein Salzbrot zu essen oder eine heiße Brühe zu sich zu nehmen."

Schulmedizin

Schulmedizin

Ärzte werden im besten Falle immer auf die allgemeinen kreislaufanregenden Maßnahmen verweisen, um einer Hypotonie entgegenzuwirken. Manchmal verschreiben sie jedoch auch sog. Antihypotonika. Medikamente, die geregelte Druck-Fluss-Verhältnisse wiederherstellen sollen.

Dafür stehen mehrere Medikamentengruppen zur Verfügung, z. B. Präparate, die den Gefäßwiderstand erhöhen, das Schlagvolumen des Herzens oder die Pulsfrequenz steigern, den Rückfluss aus dem Venensystem anregen oder das Blut- und Flüssigkeitsvolumen erhöhen. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind z. B. Etilefrin, Norfenefrin, Dihydroergotamin oder Fludrocortison.

Diese Substanzen können die Symptomatik verbessern, stellen aber keine wirkliche Ursachenbehandlung dar und sind überdies nicht frei von Nebenwirkungen.

Setzt man sie nach einer gewissen Zeit wieder ab, kommen die Symptome des niedrigen Blutdrucks meist bald wieder zurück.

Bewegungs- und Ernährungstherapie sowie Naturheilmittel sind daher definitiv die bessere Alternative.

Psychosomatischer Ansatz

Psychosomatischer Ansatz

Der Psychosomatiker Dr. med. Ruediger Dahlke weist darauf hin, dass die Neigung zu niedrigem Blutdruck vor allem bei Menschen zu finden ist, denen es schwer fällt, den „Lebenskampf" aufzunehmen.

So wie das Blut keinen Widerstand bei den Wänden der Blutgefäße findet und ihnen quasi ausweicht, geht auch der Hypotoniker nicht ganz an die Grenzen, an die er gehen könnte, wenn er im Vollbesitz seiner Kräfte wäre. So gesehen kann Hypotonie als körpersprachlicher Ausdruck für ein gewisses Ausweichen vor den Herausforderungen des Lebens verstanden werden.

Betroffene neigen dazu, notwendigen Konflikten aus dem Weg zu gehen und sich zurückzuziehen. Jemand bekommt im wahrsten Sinne des Wortes „kalte Füße".

Seine Lebensenergie (Blut) fließt nicht schnell genug ins Zentrum (Herz) zurück, sondern bleibt in den Außenbezirken hängen. Man fühlt sich den Herausforderungen seines Alltags gegenüber ohnmächtig. Das Leben ist ohne Spannung: hypo-ton.

Niedriger Blutdruck ist bei vielen Menschen mit einer erhöhten Rückzugstendenz und Neigung zu depressiven Verstimmungen vergesellschaftet. Die Betroffenen fühlen sich in einer konkreten familiären oder beruflichen Situation wehrlos und ohnmächtig.

Die Spannungslosigkeit und Schwäche auf der körperlichen Ebene ist häufig verbunden mit einer enormen seelischen Anspannung in einer konkreten Lebenssituation. Sie tun sich schwer, Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht waren die Betroffenen häufig stille und gehorsame Kinder und haben nicht selten in jungen Jahren Verlust- und Trennungserlebnisse erfahren? Diese können sich hemmend auf die innere Entwicklung auswirken.

Zum Erwachsenwerden gehört auch die Aufgabe, sich „an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen" zu lernen. Wem es gelingt, das Leben anzupacken und sich selbst zu fordern, wird seine Blutdruckprobleme bald hinter sich haben. Wenn jedoch schwere seelische Belastungen im Hintergrund stehen, die vom Betroffenen als zu übermächtig erlebt werden, ist eine Psychotherapie ein guter Weg, um dem Leben wieder kraftvoll begegnen zu können.

Wohlfühltipps

Wohlfühltipps

„Das Chi wecken"

Dazu stellt man sich hüftbreit, fest mit der Erde verbunden in den Raum, leicht in den Knien gebeugt. Beide Hände umfassen sich (wie in einer Siegerpose), man hebt die Arme dann über den Kopf, holt tief Luft, springt in die Luft und ruft dreimal, so laut man kann, beim Aufkommen auf den Boden: „HAH, HAH, HAH!"

Diese Übung bewirkt, dass sich Stress und Anspannung auf erlaubte und wunderbare Weise entlädt. Hinterher atmet man befreiter und hat gleichzeitig effektiv seinen Kreislauf in Schwung gebracht.

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